850 Jahre Dibbersen Mit Hartwig I. fing alles an

850 Jahre ist es her, dass der Ort Dibbersen erstmals in einer Urkunde Erwähnung gefunden hat – allerdings noch unter dem Namen "Dhebrechtensen".
16.08.2018, 16:27
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Mit Hartwig I. fing alles an
Von Jürgen Juschkat

Thedinghausen-Dibbersen. Horstedt hat schon in jüngster Zeit einen besonderen Geburtstag gefeiert, die Ortschaft Eißel auch. Nunmehr nehmen die Bewohner von Dibbersen, Donnerstedt und Oenigstedt die Tatsache, dass der Ort Dibbersen erstmals 1168 erwähnt wurde, zum Anlass, an diesem Sonnabend, 18. August, ein internes Fest zu feiern. Ein Jubiläumsstein anlässlich 850-jähriger Geschichte des Ortes liegt bereits in der Ortsmitte bereit. Daneben ist zudem eine Bank aufgestellt worden.

Erstmals urkundlich erwähnt wurden die beiden ältesten Kerne von Thedinghausen – Ullenstedt (heute Westerwisch) und Dettenhusen (später Bürgerei) – 1168 beziehungsweise 1250. Dibbersen wurde – in Band 1 der „Regesten der Erzbischöfe von Bremen“ nachzulesen – vor genau 850 Jahren erstmals in einem Dokument genannt. Zu finden ist dieses Schriftstück im Niedersächsischen Staatsarchiv in Stade. Darin steht: „Hartwig überläßt dem Domprobst Otto gegen Zahlung von zwanzig Mark Silber die Zehnten von Gröpelingen (Grupilinge), Dibbersen (Dhedbrechtesem) und Thedinghausen (Dettenhusen).“

Hartwig I., geboren am 1118 als jüngster Sohn von Graf Rudolf von Stade, war der Letzte aus dem mit ihm ausgestorbenen Geschlecht der Grafen von Stade. Nach seiner Zeit als Domherr in Magdeburg wurde Hartwig I. im Jahr 1143 oder auch erst ein Jahr später (da gibt es unterschiedliche Angaben) Propst des Domkapitels Bremen und war von September 1148 bis zu seinem Tode am 11. Oktober 1168 Erzbischof des Bistums. Mit Hartwig I. hat offenbar die Geschichte der Ortschaft Dibbersen begonnen.

Bis zur Gebietsreform 1972 zählte durch die Zuordnung der Gemeinde Thedinghausen zwangsläufig auch Dibbersen-Donnerstedt mit Oenigstedt zum Landkreis Braunschweig. In Band 22 der Gemeindeübersichten sind als Veröffentlichungen des Niedersächsischen Landesverwaltungsamtes unter Mitwirkung der Wirtschaftswissenschaftlichen Gesellschaft zum Studium Niedersachsen aus dem Jahr 1965 auch Details über diese Ortschaften zu finden. Zusammengestellt und bearbeitet wurden diese von Edeltraut Hundertmark. Sie griff dabei auch auf die Chronik der Gemeinde Dibbersen-Donnerstedt von Johann Grothenn – nicht zu verwechseln mit dem heute im Ort lebenden Landwirt gleichen Namens – aus dem Jahr 1955 zurück.

Lockeres Haufen- und Bauerndorf

Die 628 Hektar große Gemeinde Dibbersen-Donnerstedt zählte demnach 1965 nach der Statistik des Verwaltungsbezirks Braunschweig 292 Einwohner und bestand aus dem Gut Oenigstedt mit zweigeschossigem Wohngebäude, der kleinbäuerlichen Siedlung Donnerstedt (ein Zeilendorf) und dem mäßig lockeren Haufen- und Bauerndorf Dibbersen mit Arbeitspendler-Bevölkerung, die auf Höfen und Koten aus Backstein und mit Backsteinfachwerk wohnten.

Dibbersen wurde 1168 als Dhebrechtensen erwähnt, später unter anderem als Ditbertessen (1309) und schließlich ab 1360 als Dibbersen. Schon 1534 war Dibbersen ein lockeres Haufendorf von 14 Höfen, davon vier Voll- und sechs Halbhöfe. Durch Ausweisung von Handkötnerstellen zwischen und teils auf alten Vollhöfen verdichtete sich der Ort im 17. und 18. Jahrhundert. In Oenigstedt bestanden 1534 zwei Halbhöfe, von denen einer in ein adliges Gut der Familie von Klenke umgewandelt wurde.

Seit 1838 besteht in Dibbersen der begradigte Winterdeich an der Weser, der 1961/62 um 80 bis 100 Zentimeter erhöht wurde. Vorher hatte er nämlich dem Hochwasser nicht standgehalten. Besonders im 18. und Anfang des 19 Jahrhunderts gab es viele Deichbrüche. Ab 1908 verfügte Dibbersen über eine Bahnstation der privaten Nebenbahn Bremen – Thedinghausen, doch ab 1955 diente diese nur noch als Güterbahnhof. Der Personenverkehr wurde von Bussen übernommen. Seit mehr als 50 Jahren gehört das ehemalige Bahnhofsgebäude zum Schrott- und Nutzeisenhandel der Firma Walter Schmidt.

Auf der Bahnstrecke von Leeste über Dibbersen nach Thedinghausen verkehrt in unregelmäßigen Abständen der „Pingelheini“. Es gab aber auch schon eine Sonderfahrt mit einer Dampflok. Der Güterverkehr – besonders Lieferungen für Schröder-Gas in Dibbersen – hat längst neues Leben erfahren.

Der vor 850 Jahren erstmals erwähnte Ort verfügte einst über eine einklassige Volksschule. Um 1700 war bereits ein Schulgebäude in Dibbersen vorhanden, welches mehr als 50 Jahre später als baufällig bezeichnet wurde, wie es Grothenn in seinen Ausführungen beschrieben hat. Es wurde zwar ein Neubau genehmigt, der aber lange nicht errichtet wurde. So stand das alte Schulgebäude auch 1820 noch und wurde erst 1835 abgerissen. Das Material fand Verwendung beim Aufbau des Hauses des Stellmachers Lüder Seekamp in Thedinghausen.

Eigene Feuerwehr seit 1925

Überliefert ist, dass ab 1790 in Dibbersen der Schullehrer Arndt wirkte. Er war Schreiber beim Drosten von Hugo und wurde von diesem besonders für diese Aufgabe empfohlen, weil er des Lesens, Schreibens und Rechnens kundig war. Berichtet wird in alten Unterlagen unter anderen von den Lehrern Nolte, Schamlott, Traebert und Knake.

Derzeit gibt es eine Freiwillige Feuerwehr und einen Schützenverein im Ort. Gegründet wurde die Freiwillige Feuerwehr Dibbersen-Donnerstedt am 27. September 1925 in der Wendtschen Gaststätte. Bei der Gründung war bereits eine Handdruckspritze von 1878 vorhanden, die damals bei der Pflichtfeuerwehr die Feuereimer aus Leder abgelöst hatte. Wer bei den Schützen auf dem Schießstand von Karten statt von Scheiben spricht, erntet schnell die Kritik der Kameraden. Doch ausgerechnet Kartenspieler waren es, die den Sport mit den Zielscheiben in Gang brachten. Am 14. Februar 1953 wurde der SV Di-Do-Ho in der Gaststätte Pieper, die es heute nicht mehr gibt, gegründet.

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