Ritterhuder Lichtspiele

Mit Mae auf der Flucht

Erneut hat sich der Freundeskreis Ritterhuder Lichtspiele den Nordmedia-Preis gesichert. Und wie in den Jahren zuvor, steckt der Verein das Preisgeld in eine besondere Filmvorführung - als Dank ans Publikum.
06.01.2019, 19:03
Lesedauer: 3 Min
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Mit Mae auf der Flucht
Von Brigitte Lange
Mit Mae auf der Flucht

Sind gespannt auf die Reaktionen des Ritterhuder Kino-Publikums auf ihren Film "Mae goes away": (hinten von links) Michael Muscheid, Elizabeth Dinh, Reinhard Nitzschke und (vorn von links) Achim Ballhausen und Jürgen J. Köster.

Christian Kosak

Ritterhude. Mae hält es nicht mehr aus: Ihr Mann Chris ist davon überzeugt, sie zu lieben. Allerdings ist er ebenfalls davon überzeugt, sie zu besitzen, und behandelt sie entsprechend. Irgendwann bricht Mae aus dieser Enge aus. Sie flüchtet vor Chris, der sie nicht gehen lassen will, und vor dessen Schatten, Horst, der für ihn als „tapsiger Killer von nebenan“ die Drecksarbeit macht. Ihr Motto: Etwas Besseres als deinen Mann findest du überall.

Das ist die Ausgangssituation für den Film „Mae goes away“, mit dem der Freundeskreis Ritterhuder Lichtspiele sein Publikum am Dienstag und Mittwoch, 15. und 16. Januar, ab 20.15 Uhr im Kino im Hamme-Forum überraschen möchte. Finanzieren kann der kleine Verein dieses Film-Vergnügen dank des Nordmedia-Preises. Mit ihm wurde der Freundeskreis 2018 für die Gestaltung eines „hervorragenden Jahresfilm-Programms“ ausgezeichnet. Den Preis sicherte er sich bereits zum dritten Mal. Und immer nutzte er das Geld, um seinem Publikum ein besonderes Erlebnis zu verschaffen, wie etwa eine Stummfilm-Vorführung mit Livemusik-Begleitung. „Wir möchten unserem Publikum etwas für seine Treue zurückgeben“, sagt Vereinsmitglied Holger Ewald.

Dieses Mal ist es nun „Mae goes away“. Dabei führt der englische Titel in die Irre: Weder handelt es sich bei dem Film um amerikanischen Mainstream, noch wurde er im Ausland gedreht. Tatsächlich spielt die Handlung direkt um die Ecke: in Bremen, Lilienthal, Worphausen und auch an der Wümme. Vom ersten Satz des Drehbuches bis zum letzten Cut wurde Mae goes away von den „Compagnons cooperative inklusiver Film“ geschaffen.

Der sperrige Name steht für einen internationalen Zusammenschluss von Menschen mit und ohne Handicap, die auf unterschiedlichen Ebenen vor und hinter der Filmkamera miteinander arbeiten, wie die Compagnons erklären. Zum Pressetermin mit dem Freundeskreis schauten nicht nur Produktionsleiter Achim Ballhausen und Jürgen J. Köster (Regie und Projektleitung) vorbei. Auch die drei Hauptdarsteller Elizabeth Dinh (Mae), Reinhard Nitzschke (Chris) und Michael Muscheid (Horst) warben für ihren Film.

Die Fünf sind Feuer und Flamme für ihr Projekt, und dass selbst über ein Jahr nachdem Mae goes Away im Bremer Kino „City 46“ Premiere gefeiert hat und mehr als zwei Jahre nach dem Casting für den Film. „Dazu waren damals 150 Leute gekommen, und wir haben niemanden nach Hause geschickt“, berichtet Elizabeth Dinh. Jeder bekam eine Aufgabe, die seiner Stärke entsprach. Handicaps waren kein Thema. Am Ende wirkten 85 Schauspieler und Kleindarsteller sowie 45 Statisten mit. 21 arbeiteten hinter der Kamera.

Bis es überhaupt so weit war, hätten sie fast drei Jahre lang mit acht Autoren am Drehbuch gearbeitet, berichtet Achim Ballhausen. Zunächst an den Biografien der einzelnen Figuren, dann an der Handlung. Auf die Frage nach dem dabei entstandenen Genre, erklärt Köster: „Darüber haben wir auch schon gegrübelt; es ist ein Roadmovie, aber es geschieht auch ein Mord und irgendwie ist die Geschichte tragisch.“ Vom 24. April bis zum 24. September 2017 standen die Darsteller vor der Kamera. „An 20 Drehorten haben wir an insgesamt 29 Drehtagen 121 Szenen gefilmt“, so Köster. Die vorsorglich eingeplanten Puffertage brauchten sie nicht. Alle hielten durch und mit dem verregneten Sommer 2017 arrangierten sie sich. „Es sind alle mit Begeisterung dabei geblieben“, sagt Jürgen Köster. Als Grund vermutet er die gute Stimmung am Set, das Team-Gefühl. „Der Dreh hat saumäßig Spaß gemacht“, wirft Michael Muscheid ein. Als er das Drehbuch in die Finger bekam, habe er die Rolle des Horst absolut genial gefunden. Er habe gewusst: „Den möchte ich gern spielen.“ Selbst an Tagen, wo er vielleicht sechs bis sieben Stunden nur rumgestanden und gewartet habe, hätte er noch Spaß gehabt. „Für mich war es eher ein Problem, als die letzte Klappe gefallen war; ich dachte nur: Schade, und was machen wir morgen?“

Gespannt seien sie nun darauf, wie das Publikum in Ritterhude auf ihren Film reagieren werde. Daher werden sie an beiden Tagen, an denen Mae goes away gezeigt wird, dort sein und die Fragen des Publikums beantworten und die Reaktionen aufnehmen.

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