Heute ist der internationale Tag der Putzfrau / Eine Reinigungskraft aus Leeste erzählt aus ihrem Alltag

Mit Sauger, Lappen und Leidenschaft

Um die Leistung von Reinigungskräften mehr ins Bewusstsein der Gesellschaft zu rücken, ist heute der internationale Tag der Putzfrau.
08.11.2012, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Annika Richter
Mit Sauger, Lappen und Leidenschaft

Claudia Czerwonka macht die Hausarbeit Spaß – auch, wenn sie sie für andere verrichtet.

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Um die Leistung von Reinigungskräften mehr ins Bewusstsein der Gesellschaft zu rücken, ist heute der internationale Tag der Putzfrau.

Ihr Berufsstand werde unterschätzt , meint auch Claudia Czerwonka – das bekräftigte schon das Wort "Putze".

Weyhe-Leeste. Es tönt durchs ganze Haus, als Claudia Czerwonka mit dem Staubsauger durch das Wohnzimmer eines Weyher Haushaltes wirbelt. Doch weder das Getöse noch die Arbeit an sich können sie schrecken: Mit einem Lächeln tänzelt sie beinahe zur Radiomusik durch das Zimmer. Sie hat eben Spaß an ihrer Arbeit – selbst, wenn Czerwonka sie für andere verrichtet. Sie betreibt nämlich eine Reinigungsfirma und legt auch selbst mit dem Putzlappen Hand an.

Am heutigen Donnerstag sollen Menschen wie Claudia Czerwonka und ihr Beruf etwas mehr ins Bewusstsein der Gesellschaft rücken, denn heute ist laut Kalender der internationale Tag der Putzfrau. Doch das wissen wahrscheinlich die Wenigsten. Und so wie dieser Tag wie jeder andere kaum beachtet verstreichen wird, werden auch all die Frauen und Männer, die täglich unsere Umgebung sauber halten, wieder im Verborgenen arbeiten. Denn sie räumen Wohnungen auf, während die Hausherren bei der Arbeit sind, und putzen Büros, nachdem die Angestellten Feierabend gemacht haben. Genau das brachte Czerwonka auf den Namen ihrer Leester Firma Reinigungs-Engel. "Wenn die Kunden abends nach Hause oder morgens wieder ins Büro kommen, ist wie durch Zauberhand alles schön sauber", sagt sie.

Umso bedauerlicher sei es, dass ihrem Berufsstand so wenig Anerkennung geschenkt würde, was durch Worte wie "Putze" bekräftigt würde. Sie und ihre drei Mitarbeiterinnen seien Reinigungskräfte – und eigentlich noch viel mehr: "Wenn man bei älteren Menschen putzt, ist man auch ein bisschen Betreuer. Dann unterhält man sich auch und umsorgt die Kunden ein wenig." Und das Putzen an sich sei schon harte Arbeit. "Man macht ja nicht nur einen Haushalt pro Tag. Da kommt man ganz schön ins Schwitzen", sagt sie. "Ich habe Muskeln entwickelt, von denen ich gar nicht wusste, dass ich sie habe."

Vor eineinhalb Jahren hat sich Czerwonka mit ihrer Firma selbstständig gemacht. Zuvor lebte und arbeitete sie in Bremen. Als sie mit ihrer Familie nach Weyhe zog, kam ihr die Idee dazu. "Anfangs musste ich im wahrsten Sinne des Wortes Klinken putzen", sagt sie. Inzwischen sorgt sie mit ihren Mitarbeiterinnen im gesamten Nordkreis und Bremen für Sauberkeit in privaten Haushalten, aber auch ein Fitnessstudio und ein Restaurant gehören zu ihren rund 30 Kunden. Und der Bedarf wachse stetig, so Czerwonka: "In immer mehr Haushalten sind Mann und Frau berufstätig", sagt sie. "Da bleiben Zeit und Lust zum Putzen oft auf der Strecke."

Immer mehr Kunden würden zudem eine Reinigungskraft über eine Agentur wie die Reinigungs-Engel beschäftigen. "Zwar arbeiten auch immer noch viele Reinigungskräfte schwarz, weil sie so mehr Geld verdienen, aber das ist wahnsinnig gefährlich. Gerade im Haushalt passieren die meisten Unfälle", sagt Czerwonka. Außerdem seien die Kunden nicht abgesichert, falls etwas beschädigt wird. Czerwonkas Mitarbeiterinnen erhalten 7,50 Euro pro Stunde und arbeiten zwei bis drei Stunden pro Haushalt. Die Kunden zahlen 13 Euro pro Stunde. "Die Differenz behalte ich aber nicht komplett ein", sagt Czerwonka. "Davon zahle ich die Versicherungen."

Damit es gar nicht erst zu Versicherungsfällen kommt, findet bei neuen Kunden vor der ersten Reinigung immer ein Treffen zum gegenseitigen Kennenlernen statt. "Wenn Kunde und Mitarbeiterin nicht miteinander klar kommen, funktioniert es nicht", sagt Czerwonka. "Es muss eine Vertrauensbasis vorhanden sein. Schließlich lassen die Kunden all ihre Wertsachen herum liegen." Darum würden zwei Grundregeln gelten: Es wird Stillschweigen bewahrt, und man schaut nicht in Schränke.

Aber auch ohne einen Blick in Schränke lerne man oft mehr über die Menschheit, als einem lieb ist. Vor allem in Großraumduschen und Restaurant-Toiletten wundere man sich manchmal. Aber das dürfe man nicht zu tragisch nehmen. Ansonsten mache es für Czerwonka keinen Unterschied, ob sie in ihrem Zuhause oder bei anderen putzt. "Ich putze einfach unheimlich gerne", sagt Czerwonka. "Ich glaube, ich bin eine Ästhetin. Ich mag es heimelig und freue mich, wenn am Ende wieder alles sauber ist. Am liebsten lege ich Wolldecken ganz ordentlich zusammen. Das ist so ein Tick." Nur einen Nachteil hat ihr Beruf: "Bei meinen Kunden ist es sauberer als bei mir zu Hause", sagt Czerwonka. "Da fehlt oft die Zeit."

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