Mit Schnacken den kulturellen Schatz bewahren

Wesermarsch. "De plattdüütsche Spraak is in Neddersassen nich blots Utdruck van een Lävensgeföhl" - "Die plattdeutsche Sprache ist nicht nur Ausdruck eines Lebensgefühls." Dass Plattdeutsch auch ein Bindeglied sei zwischen allen Gesellschaftsschichten und Generationen, steht in einer ungewöhnlichen Pressemitteilung der CDU-Fraktion.
27.09.2011, 05:00
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von Angela Neumann

Wesermarsch. "De plattdüütsche Spraak is in Neddersassen nich blots Utdruck van een Lävensgeföhl" - "Die plattdeutsche Sprache ist nicht nur Ausdruck eines Lebensgefühls." Dass Plattdeutsch auch ein Bindeglied sei zwischen allen Gesellschaftsschichten und Generationen, steht in einer ungewöhnlichen Pressemitteilung der CDU-Fraktion.

Ungewöhnlich ist die Pressemitteilung, weil sie auf Platt verfasst ist und damit ein Zeichen setzt für eine niedersachsenweite Förderung der plattdeutschen Sprache. Wie häufig wird Plattdeutsch noch im Alltag gesprochen?

Wie findet es Berücksichtigung in den Medien? Oder "Wo fördert de Landesregierung Plattdüütsch bi de Lüttjen?" Diese und 137 andere Fragen rund um die plattdeutsche Sprache umfasst die große Anfrage "Neddersassen snackt Plattdüütsch", mit der sich die niedersächsische CDU-Landtagsfraktion ein Bild über die "Muttersprache" zahlreicher Niedersachsen machen will.

1999 unterzeichnete das Land Niedersachsen die Europäische Charta für Regional- oder Minderheitensprachen. Das Ziel der Charta ist es, die Sprachenvielfalt Europas zu bewahren, zu stärken und mit neuem Leben zu füllen. Mit der großen Anfrage sollte nun aufmerksam gemacht werden auf den "kulturellen Schatz", die niederdeutsche Sprache.

"Plattdeutsch steht für regionale Identität und Tradition: Es verbindet viele Niedersachsen, ganz gleich ob in der Marsch, Heide oder den Küstenregionen", erklärt Jens Nacke, Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU-Fraktion. Dass Plattdüütsch schnacken verbindet, merkten auch die Parlamentarier im hannoverschen Landtags vergangene Woche. Während der Plenarsitzungen diskutierten die Abgeordneten tatsächlich auf Platt über Platt und waren sich einig, diese lebendige Sprache müsse gefördert werden.

Dass sich vereinzelt Institutionen wie das Institut für Niederdeutsche Sprache im Bremer Schnoorviertel um den Erhalt des Plattdeutsch kümmern, ist nichts Neues. Neu ist jedoch, dass sich der Niedersächsische Landtag jetzt intensiv mit der Frage befasst, wie und in welchen Bereichen die norddeutsche Heimatsprache verstärkt werden kann.

Für den CDU-Abgeordneten Björn Thümler, der selbst "n büschen Platt schnackt", ist das Ehrensache: "Wir wollen vor allem, dass Kinder erfahren, wie lustig Platt klingt und dass es Teil ihrer Kultur ist."

Dafür sollen in Zukunft mehr Lehrerinnen und Lehrer die norddeutsche Mundart lernen und im Unterricht nicht nur regionale Themen, sondern auch regionale Sprachen stärker in den Vordergrund rücken. Besonders in der Wesermarsch gäbe es schon viele engagierte Gruppen, die sich für den Erhalt des Plattdeutschen einsetzten, so Thümler, der selbst in Brake geboren und in Berne aufgewachsen ist.

Thümler verweist auf die Niederdeutschen Bühnen, den Rüstringer Heimatbund, die Friesensportvereine und die Bürger- und Heimatvereine. "Ich könnte mir gut vorstellen, dass auch die Kreis-Volkshochschule Wesermarsch wieder Plattdeutsch-Kurse anbieten wird", sagt der Abgeordnete. Der niedersächsischen Regierung zufolge sei Plattdeutsch sowohl im Kulturbereich als auch in den Medien und der Hochschullandschaft von großer Bedeutung. Obwohl in der Marsch schon viel getan werde, sei "in der vorschulischen Kinderbetreuung, in den Schulen aber auch im Alltag" noch Potenzial, Erhalt und Förderung der Sprache voranzutreiben. Denn Plattdüütsch is un blifft de Spraak, de hier in'n Noorden to Huus is.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+