Mit dem Trecker nach Berlin Mit vielen Forderungen im Gepäck

Landwirte aus dem Landkreis Verden haben sich nun mit ihren Treckern auf den Weg nach Berlin gemacht. Dort wollen sie an einer Demonstration teilnehmen.
18.01.2019, 11:50
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Mit vielen Forderungen im Gepäck
Von Onno Kutscher

Es stürmt, regnet und vereinzelt mischt sich sogar Schnee unter die Wassermassen, die an diesem Donnerstag vom Himmel kommen. Kurzum: Es ist ungemütlich. Und dennoch gibt es einige Unerschrockene, denen das nichts ausmacht. Auf dem Rathausplatz in Verden haben sich Landwirte aus dem Landkreis Verden und aus Ostfriesland versammelt, um sich gemeinsam mit ihren Traktoren auf den Weg nach Berlin zu machen. Dort wollen sie am Sonnabend, 19. Januar, unter dem Titel „Wir haben Agrarindustrie satt!“ für richtungweisende Änderungen in der deutschen und europäischen Agrarpolitik demonstrieren – gemeinsam mit Berufskollegen und anderen Menschen aus ganz Deutschland.

Mit dabei ist auch Lore Meyer, Landwirtin mit einem Milchviehbetrieb aus Thedinghausen. „Wir fordern von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner endlich klare Entscheidungen. Die allermeisten Bauern und Bäuerinnen sind längst bereit zu gesellschaftlich gewünschten Veränderungen für mehr Tierwohl sowie umweltschonenden und klimaschonenden Ackerbau. Die Politik muss aber klar sagen, wohin die Entwicklung gehen soll und in welchen Zeiträumen“, sagt Meyer. „Die Zeit drängt. Es geht um die Zukunft unserer Höfe und um die Akzeptanz der Landwirtschaft in der Bevölkerung.“

In Berlin werden die Treckerfahrer am 19. Januar ab 12 Uhr die jährliche Großdemonstration am Rande der Grünen Woche anführen, welche in diesem Jahr am Brandenburger Tor startet. Vorher machen die Landwirte mit ihren Treckern noch halt am Auswärtigen Amt. Dort wollen sie ihre Forderungen sowie eine Petition mit dem Titel „Klimakrise aufhalten - eine Zukunft für die Landwirtschaft“ direkt an Ministerin Klöckner sowie Vertreter einer internationalen Agrarministerkonferenz übergeben, welche zu diesem Zeitpunkt im Auswärtigen Amt stattfinden wird. Die Demonstration wird von über 50 Organisationen aus Landwirtschaft, Verbraucher-, Umwelt- und Tierschutz, Entwicklungspolitik und Kirchen getragen, darunter auch die Bauernverbände Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), Bioland, Demeter, Naturland und Neuland.

Konkret fordern Meyer und ihre Kollegen, dass die Fördergelder aus Brüssel nicht mehr schlicht nach der Größe der Betriebsfläche, sondern nach konkreten gesellschaftlichen Leistungen der Betriebe bemessen wird: „Bisher bekommen die größten Betriebe das meiste Geld. Wir wollen, dass in Zukunft mit den Geldern auch eine vielfältige Fruchtfolge, artenreiche Weiden, der umweltschonende Einsatz von Düngung und Pflanzenschutz und eine besonders tiergerechte Tierhaltung gezielt belohnt werden. Unsere positiven Leistungen auch für den Klimaschutz, für Naturschutz und lebendige Dörfer müssen endlich wertgeschätzt werden“, sagt Meyer.

Doch nicht nur wichtige Weichenstellungen in der Förderpolitik müssen ihrer Ansicht nach durch die Politik angegangen werden, auch der sogenannte Bodenmarkt verlange mutige Entscheidungen. „Ackerland wird zunehmend zum Spekulationsobjekt international agierender Kapitalanleger. Das hat zur Folge, dass die Kauf- und Pachtpreise für uns Bauern und Bäuerinnen mit landwirtschaftlicher Urproduktion nicht mehr zu bezahlen sind. Mehr noch: Oftmals werden die Investoren beim Kauf auch noch steuerlich begünstigt. Auf die seit Jahren von Bund und Ländern angekündigten Gegenmaßnahmen warten wir bis heute“, berichtet Meyer, die sich bei der inzwischen neunten Demonstration für eine bäuerliche und ökologischere Agrarpolitik auch sehr darauf freue, auf der Demo wieder Gleichgesinnte zu treffen.

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