Wochenmarkt Mitten im Leben

Der Umzug des Verdener Freitagsmarktes in die Fußgängerzone stößt bei Händlern und Kunden überwiegend auf positive Resonanz. Nun wächst der Wunsch nach einer „Wiedervereinigung“ mit den Ständen am Lugenstein.
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Mitten im Leben
Von Jörn Dirk Zweibrock

Verden. Carsten Hauschild ist quasi auf dem Verdener Wochenmarkt aufgewachsen. „Meine Mutter hat mich schon früher im Kinderwagen über den Freitagsmarkt geschoben und genauso habe ich es dann mit meiner Tochter später auch gemacht. Ziel war es immer, diesen Markt zu erhalten“, erzählt der stellvertretende Verdener Bürgermeister. Gemeinsam mit Vertretern aus der Politik und der Kaufmannschaft, mit Marktbeschickern, Marktbesuchern und Verdener Bürgern saß er in der Arbeitsgruppe, die sich seit gut einem Jahr mit dem Umzug des Freitagsmarktes beschäftigt hat. Die Wind- und Wetterverhältnisse, die fehlende Laufkundschaft, mangelnde Barrierefreiheit (Kopfsteinpflaster) sowie die eingeschränkten Parkmöglichkeiten haben die Verlagerung des Markttreibens vom Dom ans südliche Ende der Fußgängerzone erforderlich gemacht. Nach der Standprobe im Frühling und der Errichtung von Stromsäulen hat der neue Freitagsmarkt nun vergangene Woche zum ersten Mal seine Pforten geöffnet. Bei der offiziellen Eröffnung an diesem Freitagvormittag zeigten sich die Mitglieder der Arbeitsgruppe mehr als zufrieden mit dem Ergebnis. „Damit ist jetzt der erste Schritt in Richtung Stadt gemacht“, freute sich Verdens Bürgermeister Lutz Brockmann.

Jürgen Weidemann schätzt vor allem das kommunikative Element am geschäftigen Treiben zwischen Lugenstein und der Großen Straße: „Die Verdener kommen einfach gerne zum Einkaufen und Schnacken auf den Markt.“ Weiterer Vorteil der Verlagerung: „Die frei gewordenen hinteren Flächen können die Kunden nun zum Parken nutzen. Somit bekommen sie ihre Waren jetzt auch nach Hause“, erläuterte Carsten Hauschild. Außerdem belebe der neue Standort den Handel in der Süderstadt, deswegen hätten viele Kaufleute den Umzug auch ausdrücklich begrüßt.

„Rund 20 Stände stehen momentan auf dem Freitagsmarkt. In der Saison sind es dann natürlich mehr“, rechnete Marktmeister Rüdiger Nodorp vor. Anne Emde, Sprecherin der Marktbeschicker, und Kirstin Lutterbeck von der Backstube Hollen strahlten am Freitag mit der Herbstsonne um die Wette, als sie sahen, auf welch hohe Akzeptanz der neue Freitagsmarkt bei den Händlern und Kunden stieß. „Der Umzug war die Pflicht, jetzt folgt die Kür“, spielte Anne Emde darauf an, dass die beiden durch die Straße getrennten Marktflächen vielleicht eines Tages wiedervereint werden könnten. Kurzum: dass dann der gesamte Freitagsmarkt in die Große Straße zieht.

Marktbesucherin Edeltraud Nühring hat sogar schon eine prominente Botschafterin für den neuen Freitagsmarkt im Auge, nämlich die bekannte Schauspielerin und Regisseurin Brigitte Grothum. „Sie hat 1956 den Film ,Das Mädchen Marion‘ hier bei uns in Verden auf dem Markt gedreht. Vor dem Dom wurde ihr damals der Trakehner gestohlen.“

Zum „Inventar“ auf dem Markt gehört auch schon längst Susanne Schukat: „Der Umzug an das südliche Ende der Fußgängerzone ist einfach das Beste, was uns passieren konnte. Anderthalb Jahre haben wir dafür gekämpft.“ Schukat und Jürgen Bartels vom Biohof Schumacher aus Emtinghausen konnten an ihrem neuen Standort an der Großen Straße sogar schon eine längst verloren geglaubte Kundin wieder begrüßen: „Die ältere Dame konnte uns früher mit ihrem Rollator am Dom nicht mehr erreichen, jetzt ist sie einfach glücklich, dass wir in der Fußgängerzone stehen“, erzählte Susanne Schukat sichtlich bewegt.

Anne Emde hofft nun, dass neben weiteren Kunden auch noch weitere Händler gewonnen werden können: „Am Dom sind die meisten doch gleich wieder abgesprungen.“ Katrin Helmich aus Verden hält dem Freitagsmarkt schon fast seit einem Vierteljahrhundert die Treue. Im Gegensatz zu anderen Wochenmärkten rage gerade der Verdener durch die „hohe Qualität“ heraus. Markt-Urgestein Horst-Dieter Beddies aus dem Kreis Rotenburg liebt seine Verdener Stammkunden über alles: „Hier gibt es fast nur nette Leute.“ Susanne Schukat kam jedenfalls aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus: „Das ist ein völlig neues Lebensgefühl. Wir stehen mit unserem Stand jetzt nicht mehr einsam und verlassen am Dom, sondern mitten im Leben.“

Der Freitagsmarkt zwischen Große Straße und Lugenstein ist von 7 bis 13 Uhr geöffnet.

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