Anreize für Hausärzte

Modell gegen Ärztemangel

Landkreise wie Rotenburg und Diepholz haben es bereits vorgemacht. Nun hat auch der Landkreis Verden ein Modell entwickelt, um für junge Mediziner attraktiver zu werden und Ärzte aufs Land zu locken.
06.05.2019, 16:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Elina Hoepken und Onno Kutscher
Modell gegen Ärztemangel

Insbesondere in den ländlichen Gemeinden wie in Thedinghausen gibt es bereits jetzt Probleme mit der hausärztlichen Versorgung. Der Landkreis Verden will nun gegensteuern.

Benjamin Ulmer/dpa

Der Mangel an Hausärzten ist in ländlichen Regionen – und damit natürlich auch im Landkreis Verden – ein großes Thema. Angehende Allgemeinmediziner können sich ihren Arbeitsort aussuchen und nur selten fällt die Wahl der jungen Ärzte dabei auf eine Praxis auf dem Land. Dieser Entwicklung wollen und müssen die Landkreise in der Region entgegenwirken. Während beispielsweise die Landkreise Rotenburg oder Diepholz bereits vorgelegt haben und mit Stipendien für angehende Landärzte um den medizinischen Nachwuchs werben, will nun auch der Landkreis Verden nachziehen und aktiv werden.

Geschehen soll das mit dem sogenannten „Kreisverdener Modell“, für das sich die Mitglieder des Sozial- und Gesundheitsausschuss des Kreistages während ihrer jüngsten Sitzung einstimmig ausgesprochen haben. Die SPD-Kreistagsfraktion hatte dazu einen entsprechenden Antrag gestellt. „Das Modell richtet sich an diejenigen, die ihr Medizinstudium gerade erfolgreich abgeschlossen haben und nun die Facharztausbildung der Allgemeinmedizin absolvieren wollen“, erklärt die Ausschussvorsitzende Dörte Liebetruth (SPD).

Unterstützung durch einen Mentor

Besonders attraktiv soll die fünfjährige Facharztausbildung im Landkreis Verden unter anderem dadurch werden, dass die Weiterbildung in enger Zusammenarbeit zwischen Aller-Weser-Klinik (AWK) und Kassenärztlicher Vereinigung (KVN) koordiniert aus einer Hand angeboten wird und der Landkreis Verden sich mit bis zu 2000 Euro jährlich pro angehendem Hausarzt an den Kosten für Fortbildungen beteiligt. Darüber hinaus soll es eine umfassende Betreuung bei der Weiterbildung mithilfe eines Mentors geben.

Entwickelt wurde das Modell im Rahmen des „Runden Tisches für eine zukunftsfeste Gesundheitsversorgung im Landkreis Verden“. Der entsprechenden Arbeitsgruppe gehörten Vertreter der AWK, der KVN und der Ärztekammer Niedersachsen an. Geplant ist, das „Kreisverdener Modell“ zum kommenden Jahr starten zu lassen. Pro Jahr würden zwei angehende Hausärzte an dem Angebot teilnehmen. Im Haushalt 2020 müssten demnach 4000 Euro zur Förderung bereitgestellt werden. Bis zum Jahr 2024 soll sich die Förderung dann auf 20 000 Euro für zehn Ärzte erhöhen. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass das Modell nach einer Testphase von drei Jahren tatsächlich auch weiter verfolgt wird.

Probleme in Thedinghausen

„Besonders in den ländlichen Bereichen des Landkreises Verden wie Dörverden oder Thedinghausen ist der Hausärztemangel schon jetzt ein Thema“, sagt Liebetruth. Und der Generationswechsel in der Ärzteschaft werde sich in den kommenden Jahren noch weiter fortsetzen. Zumindest aber in Dörverden hat sich die Situation zuletzt wieder etwas entspannt. Wie berichtet, konnten zwei junge Ärztinnen für die Landarztpraxis in Dörverden gefunden werden.

Schwieriger stellt sich wiederum die Situation in Thedinghausen dar. In der Gemeinde hatte zum Ende des Jahres 2018 der Hausarzt Konrad Wulst altersbedingt aufgehört. Ein Nachfolger für die Praxis konnte bisher noch nicht gefunden werden. Dafür gab es aber gute Nachrichten aus Riede. Mit dem in Achim lebenden Mediziner Joachim Wagner kümmert sich seit einiger Zeit noch ein weiterer Hausarzt um die Patienten der Gemeinschaftspraxis „Die Landärzte“. Insgesamt betreut die Praxis in Riede knapp 3000 Patienten. Dennoch: Die Situation im Verbreitungsgebiet der Samtgemeinde Thedinghausen bleibt angespannt.

Nachdem der Fachausschuss in seiner jüngsten Sitzung grünes Licht für das „Kreisverdener Modell“ gegeben hat, muss nun auch noch der Kreistag zustimmen. Dieser tagt am Freitag, 28. Juni, ab 15 Uhr im Verdener Kreistagssaal.

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