Vokalensemble alla Brema präsentierte in Stuhr und Syke weitestgehend unbekannte Lieder

Musikalische Reise ins Baltikum

Stuhr. Ein kleiner feiner Kammerchor unterhielt am späten Sonnabendnachmittag das Publikum in der Stuhrer St. Pankratius Kirche. Das Vokalensemble alla Brema hatte sich dem Thema "Musica baltica" verschrieben. Für das Konzert in dem wunderschönen kleinen Sakralbau suchte die Gruppe eher unbekannte Stücke aus dem Baltikum aus.
12.11.2012, 05:00
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Von Dagmar Voss
Musikalische Reise ins Baltikum

"Musica baltica" – unter diesem Motto trat der Chor alla Brema am Sonnabend in der Stuhrer St. Pankratius Kirche auf. Gestern Abend sang das Ensemble zudem in der Syker Christuskirche.

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Stuhr. Ein kleiner feiner Kammerchor unterhielt am späten Sonnabendnachmittag das Publikum in der Stuhrer St. Pankratius Kirche. Das Vokalensemble alla Brema hatte sich dem Thema "Musica baltica" verschrieben. Für das Konzert in dem wunderschönen kleinen Sakralbau suchte die Gruppe eher unbekannte Stücke aus dem Baltikum aus.

Der Gemeindekirchenrat kündigte zur Begrüßung an, dass der Chor sicherlich die Stimmung aufhellen könne, die sich im Außen so trübe darstelle. Und dem entsprachen die zehn Sänger unter Leitung von Lena Sonntag tatsächlich. Mit weitgehend unbekannten Komponisten aus dem 19. und 20. Jahrhundert und deren Werken bereiteten sie den Zuhörern im gut gefüllten Kirchenschiff eine hervorragende Atmosphäre. Die ausgewählten Lieder reichten in ihrer Bandbreite von Tänzen über kirchliche Gesänge und Liebesliedern bis zu klassischen, allseits bekannten Stücken. Immer wieder stellten die zehn Sänger in einzelnen kurzen Darbietungen auch die Qualität ihrer Solostimmen unter Beweis. Zu den Liedern hatten einzelne Chormitglieder immer auch ein paar Erklärungen parat.

Zum Auftakt erklang der "Danse, ikke grate na" von Lillebjörn Nilsen aus Norwegen, bei dem die Sänger eigenwilligen Improvisationen innerhalb des Liedes ihre Stimme liehen. Danach sangen sie zwei kirchliche Stücke: "Cantemus" und "Alleluja". Geschrieben wurden beide von der 1953 in Lettland geborenen Ilze Arne. Einen weiteren lettischen Komponisten hatte sich der Chor mit Arvo Pärt ausgesucht. Da erklang zum einen das englische "Morning Star", bei dem die Sopranstimmen teilweise leider allzu hart in die Gehörgänge drangen und das russische Ave Maria, das "Bogoroditse Djevo".

Ein anderes Kirchenlied aus der Feder von Talivaldis Kenins (1919-2008) gehörte ebenfalls zum Repertoire des A-capella-Chores: "Ich preise dich, Herr". Kenins, der aus Lettland stammt und lange als Musikpädagoge in Kanada arbeitete, schrieb es Mitte des 20. Jahrhunderts.

Drei in Deutsch verfasste Herbstlieder folgten diesen Sakralgesängen. Nach Niels Wilhelm Gades (1817-1890) "Herbstlied" erklang das allseits bekannte "Bunt sind schon die Wälder". Allerdings hatte sich der Chor dazu eine eher operettenhaft anmutende Version ausgesucht. "Herbst ist da" von Gordon Hamilton bereitete mit seinen deutsch-englischen Texten einen kleinen Auslug in australische Regionen. Da das Lied für den Chor geschrieben worden war, konnte man diesen kleinen Schlenker abseits des Baltischen verstehen.

Richtig gute Laune machte der "Pseudo-Yoik" von Jaakko Mäntiyjärvi. Ein Stück, das in einer nicht verständlichen Fantasiesprache gesungen wurde, aber angelehnt an die spirituellen Gesänge der finnischen Samen angelehnt war – mit leichten Anklängen ans Jodeln.

Der Chor präsentierte seinen Zuhörern zudem "Gabriellas Song" aus dem schwedischen Film "Wie im Himmel" und einen seiner sogenannten Evergreens: "Hello" von Lionel Ritchie. Mit bedächtigen Liebesliedern und einer Zugabe – einer Hymne an die Natur Norwegens – verabschiedeten sich die Sänger von ihren Zuhörern.

Das Ensemble, das sich keinem Genre zuordnen lässt, fühlt sich musikalisch überall zu Hause. Die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Musikstilen verschiedener Epochen verbindet sowohl das "klassische" Chorrepertoire und deutsche Schlager aus den 1930ern als auch Vokal-Jazz oder die Werke moderner australischer Komponisten. Der Chor alla Brema bot seinem Publikum engagiert und dynamisch eine anspruchsvolle Chormusik auf hohem Niveau. Die Sänger füllten den Raum der historischen Stuhrer Kirche spielend. Gestern mussten sie einen noch größeren Raum füllen. Denn alla Brema war am Sonntag auch in der Syker Christuskirche zu Gast.

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