GAR-Brand in Bassum

Betrieb rüstet bei Brandschutz auf

Der Rauch des Großbrandes bei der Gesellschaft für Abfall und Recycling (GAR) in Bassum war kilometerweit zu sehen. Die ortsansässige Bürgerinitiative fordert eine Stilllegung des Betriebes.
23.06.2020, 17:04
Lesedauer: 4 Min
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Betrieb rüstet bei Brandschutz auf
Von Tobias Denne
Betrieb rüstet bei Brandschutz auf

Das Feuer, das am 30. Mai auf dem GAR-Gelände ausgebrochen ist, brachte bei der Bürgerinitiative das Fass zum Überlaufen. Sie fordert nun die Stilllegung des Betriebes, bis Verbesserungen umgesetzt wurden.

Nonstopnews/Kai Strömer

Kilometerweit waren die Rauchsäulen zu sehen. Knapp 250 Einsatzkräfte waren an Pfingsten vor Ort, um den neuerlichen Brand bei der Gesellschaft für Abfall und Recycling (GAR) zu löschen und Schlimmeres zu verhindern (wir berichteten). Nun hat die Bürgerinitiative für Landschafts- und Umweltschutz Nordwohlde und Fahrenhorst einen offenen Brief verfasst, in dem sie die Stilllegung des Betriebs fordert, „bis bauliche und organisatorische Maßnahmen getroffen wurden“. Sie könne nicht hinnehmen, dass Sicherheit und Gesundheit der Anwohner und Allgemeinheit aufs Spiel gesetzt werden.

„Die GAR ist ein ordentlicher Betrieb, wenn aber trotzdem gegen Vorschriften verstoßen wird, muss man das untersuchen“, ist Landrat Cord Bockhop überzeugt. Er ist aber mit der Kooperationsbereitschaft seitens der GAR zufrieden. „Wir hatten nie Probleme mit ihr. Gespräche finden schnell und zeitnah statt“, sagt Bockhop. Er betont, dass es wichtig sei, dort, wo Risiken vorhanden seien, zu reagieren. Gleichzeitig sieht er die Forderung nach einer Schließung schwierig, da natürlich auch Firmen Eigentumsrechte besitzen. Bockhop selbst steht in Kontakt zu den Bürgermeistern Christian Porsch (Bassum) und Stephan Korte (Stuhr). Mithilfe der GAR soll darüber gesprochen werden, wie solche Brände nicht mehr vorkommen.

Das ist auch der Hauptkritikpunkt im offenen Brief, denn in den vergangenen Wochen mussten die Feuerwehren mehrmals nach Kastendiek ausrücken, um Feuer zu löschen. Den Feuerwehren und günstiger Witterung sei es zu verdanken, "dass es zuletzt bei einer bedrohlichen, weithin sichtbaren, schwarzen Rauchsäule geblieben ist und es nicht zum Schlimmsten kam: einem Flächenbrand im anschließenden Wald- und Siedlungsgebiet“, heißt es vonseiten der Bürgerinitiative weiter.

Dass Landkreis, Kommunen und GAR ebenfalls an der Aufklärung der Brandursache interessiert sind, ist klar. „Wir müssen abwarten, was die Ermittlungsergebnisse ergeben“, sagt Stuhrs Bürgermeister Korte. Er selbst ist davon überzeugt, dass Recycling eine der Aufgaben ist, „die erledigt werden müssen. Es ist keine Alternative, das nach Bremen zu verlegen“, betont er. Gleichzeitig sei ihm die Sicherheit der Fahrenhorster und Stuhrer enorm wichtig. Sein Bassumer Amtskollege spricht sich dafür aus, beide Seiten zu Wort kommen zu lassen. „Die Fragen, die wir an die GAR gestellt haben, wurden alle beantwortet“, sagt Porsch über die Zusammenarbeit mit der Gesellschaft.

Mitarbeiter werden geschult

Dessen Betriebsleiter Jens Blume versichert auf Nachfrage, einen Katalog aufgestellt zu haben, wie man derartige Feuer künftig verhindern kann. „Wir haben die Kritik direkt aufgegriffen und uns mit unserem Brandschutzbeauftragten und der Feuerwehr zusammengesetzt“, erzählt Blume. Er weist aber darauf hin, dass „die Priorität bisher bei der Verarbeitung lag“. Also in den Hallen und nicht so sehr auf dem Platz. „Das erweitern wird jetzt“, kündigt er an.

Konkret meint er damit, dass unter anderem ein Werkstattwagen so ausgestattet wurde, dass ein „Erstangriff von unserer Seite“ erfolgen kann und „wir draußen besser reagieren können. Aber wir hoffen, dass wir den nie brauchen werden“, sagt Blume. Hinzu werde das gesamte Gelände mit Kameras ausgestattet, um die Sicherheit zu erhöhen. „Außerdem werden wir das Gelände thermisch überwachen. So erkennen wir vorher, wenn die Temperatur irgendwo steigt“, erzählt Blume, dass so Brände frühzeitig verhindert werden können. Aber: „Die Kameras kommen nicht innerhalb von ein paar Tagen.“ Und Geschäftsführer Axel Schreiber versichert: „Die sind bestellt, bezahlt und wir warten auf die Lieferung.“ Auch die Mitarbeiter werden geschult, um im Brandfall optimal reagieren zu können. „Wir fragen uns immer, was wir noch tun können, was wir noch tun müssen“, sagt Schreiber. Denn weder er noch Blume hätten Interesse daran, dass Brände bei der GAR ausbrechen. „Das ist meine Existenz“, betont er und ergänzt: „Wir tun mehr für den Brandschutz als wir müssten, das sind freiwillige Maßnahmen.“

Darüber hinaus wissen beide natürlich um die schwierige Situation zwischen der GAR und der Bürgerinitiative. „Alles ist genehmigt und wir setzen alles so um, wie uns das vorgeschrieben wird“, versichert Blume. Selbstverständlich könne man nicht verhindern, dass wer etwas falsch macht. „Wir wollen offen und ehrlich mit den Leuten reden. Der Umgang war vernünftig“, erzählt Schreiber vom Nachbarschaftsdialog zwischen den Anwohnern und der GAR, der nach Jahren abgebrochen wurde.

Vor einigen Monaten wurde im Bassumer Ausschuss für Stadtentwicklung für die Änderung des Flächennutzungsplans und die Aufstellung eine Bebauungsplans gestimmt. Die GAR will auf der Ausgleichsfläche Parkplätze errichten, da der derzeitige Platz für die Wagen lediglich gemietet ist. „Das haben wir auch offen kommuniziert. Das ist nichts Überraschendes“, sagte seinerzeit Betriebsleiter Jens Blume.

Das Problem sei, dass die Fläche vom angrenzenden Kalksandsteinwerk gepachtet sei. Dieses könne dementsprechend jederzeit Eigenbedarf anmelden. Daher wolle man sich frühzeitig absichern. Und der Wald auf der Ausgleichsfläche, „ist die einzige Fläche, die uns gehört“. Blume zeigt Verständnis für die Kritik, sagt heute: „Die Verschärfung der Situation kommt daher, dass wir immer gesagt haben, wir wollen nicht erweitern.“ Aber genau das müsse die GAR nun.

Schaum im Wald gesichtet

Die Bürgerinitiative hat vor einigen Tagen im besagten Wald bei einem Rundgang festgestellt, „dass die Betreiberfirma das kontaminierte Wasser des Brandes einfach in die Natur entsorgt hat. Eine stinkende Brühe mit Schaumbergen, und von öliger Konsistenz hat sich seit Tagen wohl in den Wald ergossen“, wirft Jürgen Schierholz, Vorsitzender der Bürgerinitiative, den Betreibern vor. Dort seien auch Rohrleitungen gesichtet, die auf einen bereits längeren Gebrauch dieser widerrechtlichen Entsorgung hindeuteten. „Falls kontaminiertes Wasser in den Wald gelangt ist, dann ist das ein Unding und muss entsprechend verfolgt werden“, betont Bürgermeister Christian Porsch. Er wolle das offizielle Ergebnis abwarten, da das Gewerbeaufsichtsamt in Hannover entscheidet, ob ein Verstoß vorliegt oder nicht. Betriebsleiter Jens Blume will sich zum Vorfall nicht äußern, da es sich um ein laufendes Verfahren handelt.

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