Badleiter-Stellen werden ausgeschrieben

Politik geht auf die Freibad-Fördervereine zu

Auf die Nachricht, dass dem Wilstedter Freibad wegen Personalmangel eine Saison ohne einen einzigen Öffnungstag droht, hat die Politik mit Schadensbegrenzung reagiert.
05.05.2021, 20:00
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Von Johannes Heeg
Politik geht auf die Freibad-Fördervereine zu

Mit ihrer Demo für die Öffnung des Heidebads haben sich am Dienstag rund 75 Wilstedter Gehör verschafft. Die Kommunalpolitiker haben ihre Forderung nach Teilhabe ausdrücklich anerkannt.

Johannes Heeg

Tarmstedt. Dass dem Wilstedter Freibad wegen Personalmangel eine Saison ohne einen einzigen Öffnungstag droht, sollte am Dienstag im nicht öffentlich tagenden Samtgemeindeausschuss eigentlich nur unter „Berichte der Verwaltung“ behandelt, also als gegeben abgehakt werden. Doch es kam anders. Kaum war die Nachricht veröffentlicht, die Verwaltungschef Frank Holle an die Zeitung gegeben hat, gingen in Wilstedt die Wellen hoch. Kurzfristig wurde im Dorf eine Protestkundgebung vor dem Tarmstedter Rathaus organisiert. Gut 75 kleine und große Menschen, die meisten hatten Plakate dabei, machten sich für die Öffnung des Heidebads stark - wir berichteten am Mittwoch.

Daher hat der Samtgemeindeausschuss die Sache eben nicht einfach laufen lassen, sondern das Thema Freibäder an sich gezogen. „Wegen der Brisanz des Themas“, so steht es in einem erst am Montag formulierten Antrag der Mehrheitsgruppe im Samtgemeinderat, hat die Fraktion aus CDU, FDP und Natürlich Samtgemeinde Tarmstedt einen eigenen Tagesordnungspunkt daraus gemacht. In der Begründung heißt es: Angesichts der aktuell gravierenden Personalprobleme könne „nur eine abgestimmte und mit Verwaltung, Politik, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und den Fördervereinen koordinierte Vorgehensweise erfolgversprechend sein“. Das betreffe alle für die Öffnung und die Planung des Badbetriebs 2021 zu treffenden Entscheidungen. Und weiter: „Wir müssen alle Möglichkeiten, Erfahrungen und Kompetenzen nutzen, um hier etwas zu erreichen. Es darf keinesfalls der Eindruck aufkommen, dass Verwaltung und Politik die Situation nutzen, um die bisherige Beschlusslage, alle Bäder zu erhalten und zu öffnen, zu unterlaufen.“

Einstimmig hat der Ausschuss beschlossen, dass „die derzeit vakanten und unbedingt erforderlichen Stellen in den Bädern Hepstedt und Wilstedt unverzüglich ausgeschrieben werden“. Genau dies hatten zuvor die drei Freibad-Fördervereine in einem gemeinsamen

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Antrag gefordert. Auch eine weitere Anregung der Fördervereine hat sich die Politik zu eigen gemacht: Alle Möglichkeiten, vorhandene Kooperationen aus den vergangenen Jahren mit den Bädern in Ottersberg, Zeven und Lilienthal zu aktivieren, sollen unverzüglich ausgelotet werden. Die Bemühungen sollen zudem auf weitere Kommunen ausgeweitet werden, um wenigstens einen eingeschränkten Betrieb zu ermöglichen.

Bereits am Mittwoch habe die Verwaltung eine Stellenanzeige in Auftrag gegeben, so Samtgemeindebürgermeister Frank Holle, sie werde kurzfristig in den hiesigen Tageszeitungen erscheinen. Zudem beteuerte er: „Wir führen Gespräche mit allen Kommunen, die dafür in Betracht kommen.“ Das Problem sei, dass ein Schwimmbad nicht von Menschen geleitet werden könne, die eine Ausbildung allein als Rettungsschwimmer hätten. „Es geht auch darum, dass sie die technischen Anlagen bedienen und warten können, zum Beispiel die Chlorierungsanlage“, sagt Holle. Dafür gebe es die Bäderfachangestellten.

Dieses Fachpersonal zu gewinnen sei nicht einfach, denn der Markt sei ziemlich leer gefegt. Zudem seien solche Jobs in Freibädern nicht sehr begehrt, da sie nicht sonderlich gut bezahlt seien und in der kurzen Saison sehr viele Überstunden anfallen. Wer von seinem Gehalt eine Familie ernähren müsse, suche sich Arbeit in Hallenbädern mit besseren Arbeitszeiten.

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Wie berichtet, ist das aktuelle Personalproblem entstanden, weil der voriges Jahr fürs Hepstedter Ummelbad eingestellte Badleiter zum 31. Juli geht. Für ihn wollte die Samtgemeinde eine angehende Bäderfachangestellte einsetzen, die im Lilienthaler Schwimmbad ihre Ausbildung absolviert und derzeit in der Prüfungsphase ist. Sie könnte ab 7. Juli einsteigen, war ursprünglich aber für Wilstedt vorgesehen, nachdem die dortige Badleiterin bereits zum 31. März gekündigt hat.

Wie es nun weitergeht? Das hänge vom Ausgang der Personalsuche ab, sagt Holle. Falls keine weitere Fachkraft gefunden würde, könnte er sich eine Kombilösung vorstellen, indem die Bäder in Wilstedt und Hepstedt abwechselnd geöffnet werden. „Das entscheidet am 1. Juni der Samtgemeinderat“, sagt Holle.

Voriges Jahr seien die Bäder wegen Corona Ende Juni geöffnet worden. Nach dem aktuellen Stand der Coronaverordnungen hofft Holle, „dass wir im Juni öffnen können“. Sehr wahrscheinlich sei, dass nur Badegäste reindürfen, die gegen Corona geimpft sind oder einen aktuellen negativen Test nachweisen können.

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