Kirchengemeinde bietet jetzt mehr Platz für letzte Ruhestätten ohne Bepflanzung Nachfrage nach pflegefreien Gräbern steigt

Die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde reagiert auf einen anhaltenden Trend und hat ein weiteres Gräberfeld für pflegefreie Grabstätten im Rasenfeld hergerichtet. Platz für rund 80 Ruhestätten für Urnen- oder Erdbestattung ist so geschaffen worden.
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Von Marco Julius

Die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde reagiert auf einen anhaltenden Trend und hat ein weiteres Gräberfeld für pflegefreie Grabstätten im Rasenfeld hergerichtet. Platz für rund 80 Ruhestätten für Urnen- oder Erdbestattung ist so geschaffen worden. Auch die Nachfrage nach einer letzten Ruhestätte unter einem Baum steigt.

Die Friedhofskultur ist seit geraumer Zeit einem spürbaren Wandel unterzogen. Der Friedhof ist und bleibt ein Ort der Trauerarbeit und der Erinnerung, aber die Formen verändern sich. „Das spüren wir auch im ländlichen Raum, wenn auch mit leichter Verzögerung im Vergleich zu den Städten“, sagt Pastorin Susanne Bruns, als Vorsitzende des Friedhofs-Ausschusses der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Ganderkesee zuständig für den Friedhof an der Urneburger Straße, den Kirchhof am Ring und den Gottesacker in Bookholzberg. Der Trend ist deutlich: „Die Nachfrage nach pflegefreien Grabstätten steigt“, sagt sie.

„Darauf reagieren wir nun erneut“, ergänzt Karin Führer von der Friedhofsverwaltung. Die „Erweiterungsgrabanlage für pflegefreie Grabstätten“, wie es etwas bürokratisch heißt, ist gerade freigegeben worden. Platz für 80 neue Grabstätten ist damit geschaffen. „Hier sind Urnen- oder Erdbestattungen möglich. Wer eine dieser Grabstätten wählt, verpflichtet sich, eine Stele aus Sandstein auf dem Grab zu errichten, die individuell gestaltet sein kann“, erläutert Karin Führer. Ein Beet oder dergleichen gibt es nicht, auf der Grabstelle wächst einfach Gras. Friedhofsmitarbeiter halten die Anlage in Schuss. Angehörige und Freunde des Verstorbenen haben unter einer jungen Eiche Gelegenheit, Blumen oder Gestecke abzulegen. Auf den Grabstellen selbst ist das nicht erlaubt, damit die Friedhofsmitarbeiter bei der Pflege der Anlage genügend Raum haben.

„Zwei Bestattungen hat es auf dem neuen Feld bereits gegeben. Das erste Stelenfeld, das vor etwas mehr als zehn Jahren angelegt worden ist, ist mittlerweile voll“, sagt Susanne Bruns. Nach zunächst zögerlicher Nachfrage sei diese Form der Bestattung ab 2005 immer beliebter geworden. „Familien sind heute nicht mehr so standortgebunden, wie es früher war, auch auf dem Land nicht. Deshalb sind oft keine Angehörigen mehr vor Ort, die die Grabpflege übernehmen können“, benennt die Pastorin einen Grund für den Trend zu pflegefreien Gräbern. „Es gibt aber auch vermehrt den Wunsch älterer Menschen, in einem pflegefreien Grab beerdigt zu werden, weil sie der Familie nach ihrem Tod nicht zur Last fallen wollen“, erläutert Susanne Bruns.

Ein weiterer Trend, der sich auch in Ganderkesee bemerkbar mache, sei die Nachfrage nach Baumbestattungen. Auf dem Friedhof an der Urneburger Straße ist mittlerweile ein Bereich ausgewiesen, wo es Urnengräber unter Bäumen gibt, ähnlich wie man es aus dem Friedwald Hasbruch kennt. Auch diese Gräber sind pflegefrei für Angehörige. Rund 50 Anfragen allein für den Ganderkeseer Friedhof gibt es im Jahr für die letzte Ruhestätte unter Ahorn, Kirsche oder Buche. Eine Namenstafel verweist auf den Verstorbenen. „Nur wenn es die Familie unbedingt wünscht, ist auch ein anonymes Grab möglich“, sagt Susanne Bruns.

Ein weiterer Trend: Die Zahl der Urnenbestattungen nimmt zu. „Vor 30 Jahren war die Urnenbestattung noch die Ausnahme, heute sind 40 Prozent der Bestattungen bereits Urnenbestattungen“, rechnet Karin Führer vor, der Prozentsatz werde eher noch zunehmen. Im Jahr werden in Ganderkesee und Bookholzberg etwa 180 Menschen beerdigt.

Über zehn verschiedene Grabstättenarten stehen auf den Friedhöfen Ganderkesees zur Verfügung, von der klassischen Wahlgrabstelle mit Grabstein und Beet bis zu den genannten. „Wir haben eine Vielfalt der Grabstätten und bieten bei allen Regeln eine große Offenheit“, sagt Pastorin Bruns. Der Friedhof bleibe der Platz, wo Würde und Trauer einen Ort haben.

Über die Bestattungsarten können sich Interessierte am kommenden Sonntag, 12. Oktober, beim jährlich wiederkehrenden „Tag des Friedhofs“ informieren. Um 11.15 Uhr beginnt eine Führung auf dem Friedhof an der Urneburger Straße, um 15 Uhr eine am Friedensweg in Bookholzberg. Susanne Bruns, Karin Führer und Gerald Helmbold stehen dann für Fragen und Auskünfte bereit – und informieren auch über Kosten und Verpflichtungen.

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