Bremen-Eins-Experte Heinrich Leumer informiert Landfrauen und ihre Männer über Baum- und Strauchschnitt

Nachhilfe für Hobbygärtner

Lilienthal. "Rosen werden jetzt nicht geschnitten", sagt Heinrich Leumer. Der Garten-Papst von Radio Bremen Eins zupft an den letzten Blättern des Strauchs, biegt Zweige um und zeigt seinen Zuhörern, wo sie im nächsten Frühjahr die Heckenschere ansetzen können. Die Frauen und Männer verkriechen sich unter Kapuzen und Schirmen vor dem ersten Schneeregen des neuen Winters. Sie sind der Einladung der Landfrauen Sankt Jürgen gefolgt, zu einem Nachmittag rund um den Baum- und Strauchschnitt mit dem Gartenfachmann.
26.11.2010, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Nachhilfe für Hobbygärtner
Von Undine Zeidler

Lilienthal. "Rosen werden jetzt nicht geschnitten", sagt Heinrich Leumer. Der Garten-Papst von Radio Bremen Eins zupft an den letzten Blättern des Strauchs, biegt Zweige um und zeigt seinen Zuhörern, wo sie im nächsten Frühjahr die Heckenschere ansetzen können. Die Frauen und Männer verkriechen sich unter Kapuzen und Schirmen vor dem ersten Schneeregen des neuen Winters. Sie sind der Einladung der Landfrauen Sankt Jürgen gefolgt, zu einem Nachmittag rund um den Baum- und Strauchschnitt mit dem Gartenfachmann.

Die erste Vorsitzende der Landfrauen, Annette Stelljes, stellte ihren Garten als Versuchsgelände zur Verfügung. Mit dem Astkneifer unterm Arm wanderte Leumer dort von einem Strauch zum nächsten. Egal ob Rose, Buxbaum oder Lavendel, für jedes Gewächs hatte der Fachmann einen Tipp parat und auf jede Frage eine Antwort. All das passierte im unterhaltsamen Plauderton, denn so Leumer: "Mit Lachen kriegen Sie viel mehr rüber."

"Man macht es, wie man sich das so angewöhnt hat", hatte eine Frau am Anfang des Nachmittags gesagt. Einige dieser Gewohnheiten werden die Zuhörer nach der Gartenlektion wohl aufgeben. Leumer räumte mit dem "Aberglauben" im Garten auf. So werden Rosen im April geschnitten und nicht im Herbst. Ein Sack voll Eichenlaub sei für die Pflanzen jetzt der beste Schutz, denn: "Rosen erfrieren nicht, sie vertrocknen im Winter." Im Frühling gilt laut Leumer für Rosenzweige: "Alles was so dick ist wie ein Bleistift, bleibt auch so lang wie ein Bleistift". Dünnere Triebe werden kürzer gehalten, dickere dürfen auch länger sein.

Laub schützt Pflanzen auf Beeten

"Rhododendron und Azaleen vertragen alle Schnitte", sprach der Gartenexperte und bestätigte auf Nachfrage: Das Ausbrechen der verblühten Blüten gebe dem Strauch neue Kraft. Im Herbst werden die Gartenfreunde der Landfrauen künftig wohl auch sparsamer Laub harken. Laut Leumer schützt es die Pflanzen in den Staudenbeeten und auf der Wiese ist es Regenwurmfutter. Das zahnlose Tier zieht sich demnach die Blätter in die Erde und kaut auf dem zersetzten Blattwerk herum.

Lavendel braucht keinen Schnitt, und wen es doch in den Fingern zwickt, der sollte höchstens im zeitigen Frühjahr die Gartenschere zücken. "Ich hab? meinen Lavendel gestern geschnitten, war das falsch?" Solche Fragen beantwortete Leumer voller Schalk: "Manche Pflanze überlebt jede Hausfrau". Dann wurde er wieder sachlich. Lavendel hält Schnecken fern, gegen Motten helfen Walnussblätter besser. Und dass Eichenlaub zu sauer ist, auch diese Vorstellung nahm Leumer seinen Zuhörern. Sauer werde es nur, wenn vier LKW-Ladungen kompostiert und auf einem Quadratmeter verteilt werden.

Der richtige Boden sei wichtig für den Gedeih von Obstbäumen, erklärte der Gartenexperte. Wer neu pflanze, solle am besten zur Baumschule gehen. "Die weiß, was hier gedeiht." Geschnitten werden Obstbäume besser im Sommer. "Der Gärtner schneidet im Winter, weil er dann Zeit hat." Allerdings darf die Temperatur auch dann nicht unter Minus sechs Grad liegen. Bei Beerensträuchern sollen die alten Triebe dagegen im Herbst gekappt werden. Dadurch kann die Wurzel im Frühling ihre ganze Kraft in das junge Holz schieben. Das beschere im Sommer eine reiche Ernte, erklärte Leumer.

Pflanzzeit für Apfelbäume ist nach seinen Worten im November, und auch da gelte: "Der erste Pflanzschnitt ist ganz wichtig." Von der zweijährigen Veredelung - und nur die sollte gekauft werden - bleiben drei Äste in der untersten Etage stehen. Der Mitteltrieb wird auf 40 Zentimeter oder 60 Zentimeter gekürzt, je nachdem ob der Baum eher klein oder groß werden soll. "Danach den Baum nie wieder kürzen, sonst treibt er Wassertriebe."

Vom Gärtnern nach Mondphasen hält Leumer nach eigenen Worten ebenso wenig wie vom alten Glauben, dass Rhabarber nach dem 24. Juni nicht mehr geerntet werden sollte. Das gelte nur für Spargel. Rhabarber hingegen könne bis zum ersten Frost geschnitten werden, aber nie zu viel, damit die Pflanze nicht sterbe.

Dreizehneinhalb war Leumer, als er seine Gärtnerlehre in Sachsen begann. Ob der Beruf auch seine Berufung sei, dazu gab der grüne Papst zu bedenken: Einen Gärtner nimmt man nur wahr, wenn warmer Wind ihn umsäuselt und nie, wenn ihm der Regen am Kragen hinein und an den Schuhen wieder hinaus läuft.

Zu letzterer Kategorie zählte dieser Nachmittag bei den Landfrauen St. Jürgen, darum zog es die Gruppe vor, viele Fragen an der Kaffeetafel zu klären. Leumer schätzte seine Zuhörer, "weil sie noch mit der Natur verbunden sind".

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