Schriftrolle aus Abbruchhaus Obernstraße 17 entziffert

Nachrichten aus der Kaiserzeit

Achim. 'So etwas ist authentische Stadtgeschichte', freut sich Stadtarchivar Karlheinz Gerhold. Er hat eine 104 Jahre alte Flasche und ein Schriftstück - gefunden beim Abriss des Gebäudes Obernstraße 17 im Fuß der Justitia-Skulptur, die den Giebel des Gebäudes schmückte.
14.07.2010, 05:24
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Von Ralf Michel
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Historische Flaschenöffner: (v.l.) Stefan Schuster, Karlheinz Gerhold und Uwe Kellner.

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Achim. Da lacht das Herz des Historikers: 'So etwas ist authentische Stadtgeschichte', freut sich Stadtarchivar Karlheinz Gerhold. In der Hand hält er eine 104 Jahre alte Flasche und ein ebenso altes Schriftstück - gefunden am Sonnabend beim Abriss des Gebäudes Obernstraße 17 im Fuß der Justitia-Skulptur, die den Giebel des Gebäudes schmückte.

Dienstagnachmittag öffnete Bürgermeister Uwe Kellner die Flasche, die trotz einer dicken Staubschicht gut erkennbar eine Papierrolle enthielt. Die Flasche zu entkorken und das Schriftstück herauszufieseln, waren dabei vergleichsweise leichte Übungen. Die eigentliche Schwierigkeit lag im Entziffern des Textes. Der nämlich war fein säuberlich in Sütterlinschrift verfasst. Gemeinsam mit Karlheinz Gerhold und Verkehrsplaner Stefan Schuster gelang es Kellner schließlich aber doch, die wesentlichen Passagen der auf den 24. August 1906 datierten Schriftrolle zu lesen.

Sie stammt von Christian Waje, dem Eigentümer des Gebäudes, laut Briefkopf Händler für Töpferwaren, Glas, Steingut, Porzellan, Eisen- und Kurzwaren, Tonröhren, Schornsteine und Krippen. Auf dem Dokument werden die Namen seiner Familienmitglieder aufgeführt, ebenso, welche Handwerker am Bau des Gebäudes beteiligt waren. Dazu kommen zwei historisch interessante Informationen: Dass das Haus zu einem Preis von 18000 Mark errichtet wurde, und dass Achim damals etwa 3500 Einwohner zählte. Weniger überraschend dagegen der Zusatz: 'Zur Zeit regiert Deutschland Kaiser Wilhelm II.'

Und wie geht es weiter mit dem Fund? Flasche und Schriftrolle gehen als Exponate ins Stadtarchv, erklärt Gerhold. Was so viel bedeutet, wie dass sie in einem Karton verschwinden. 'Aber vielleicht können wir sie ja eines Tages präsentieren', nutzt Gerhold die Gelegenheit, an den lang gehegten Traum von einem Achimer Stadtarchiv zu erinnern.

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