Karneval Narrenkappen und Funkenflug

Einmal in Jahr befindet sich das sonst eher ruhige Dorf Riede im Ausnahmezustand. Denn wenn verkleidete Menschen in der Heinz-Schreiber-Halle zusammenkommen, dann ist Karneval. Auch in Bierden wurde gefeiert.
03.03.2019, 11:27
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Narrenkappen und Funkenflug
Von Jürgen Juschkat

Elferrat, Prinzenpaar und Rote Funken – das Wochenende war fest in den Händen der Narren. Karneval wurde in Riede ebenso gefeiert wie in Bierden. Die Stimmung schlug hohe Wellen, und die Besucher ließen bei ihren Kostümierungen viel Einfallsreichtum erkennen. Mit großem Elan und wortgewandt moderierte Jan-Cord Ortmann als Rieder Karnevalspräsident die Aufführungen der 62. Karnevalssession in der ausverkauften Rieder Heinz-Schreiber-Sporthalle. Zum siebten Mal führte er durch das Programm, und schon im neunten Jahr wurde in der Sportarena gefeiert. An Ortmanns auffallender Narrenkappe wippten die langen Fasanenfedern auf und ab. Über die Lautsprecher-Anlage verbreitete er Anerkennung, setzte aber auch zahlreiche Nadelstiche.

Einige Damen waren elegant bis frivol gekleidet, andere trugen überdimensionale Flügel auf dem Rücken oder hatten sich als Schneewittchen beziehungsweise Zebra verkleidet. Ein Indianer-Häuptling war kaum zu übersehen, andere Männer verbreiteten Südstaaten-Flair und Traumschiff-Romantik. Mit dem Party-Ohrwurm „Jetzt geht’s los …“ stieg die Band „UP!“ – im Look der Blues Brothers – ins offizielle Programm ein, das Spannung, Spaß und mehr versprach. Disco-Nebel, Licht-Effekte, tänzerische Glanzleistungen und einfallsreiche Choreografien sorgten für eine großartige Stimmung. Immer wieder forderte das begeisterte Publikum bei den einzelnen Darbietungen Zugaben der männlichen und weiblichen Darsteller.

Es herrschte – wie es der Präsident ankündigte – Kussfreiheit, bei den Ein- und Auszugsmärschen musste aufgestanden werden. Und wenn etwas unterbrochen werden sollte, dann wurde „Uiuiuiu aua“ angestimmt. „Riede Helau“ schrien die Karnevalisten mehrfach aus vollen Kehlen heraus. Wohlgeordnet und beinschwingend tanzten die charmanten jungen Damen der Roten Funken um Funkenmariechen Fennja Aberle vor dem Elferrat, bei dem eine gewisse Frauen-Quote deutlich wurde. Gardeoffizier Clemens Irps stellte seine Truppe zum Ehrenspalier auf, durch das das Prinzenpaar Agneta I. (Rippe) und Felix I. (Schulze) auf die Bühne marschieren musste. In seiner regional abgestimmten Rede ging das strahlende Paar unter anderem auf den Trainerwechsel bei den MTV-Bezirksligafußballern und aufs geplante Altenheim ein.

Gespenstisch wirkten später in abgedunkelter Halle die leuchtenden Skelette der „Schildflöten“ mit dem verrückten Professor Lucas Böse. Als Büttenredner unterhielt „Neubürger Pino“ die Karnevalsgäste. Per Beamer entführte er in einen ortsansässigen Friseursalon, ließ auch nicht die Senioren-Residenz unerwähnt und empfahl alte Bratpfannen vom Gasthaus Scholvin-Ortmann als Bettpfannen in der künftigen Unterkunft der älteren Generation.

Zu einem Lichtblick in ihren funkelnden Tops avancierten die von Michelle Rotter trainierten sechs jungen Damen der Gruppe „Obsession“. Die Konfettikanone zündete unter Trommelwirbel für die beiden Gäste mit den besten Kostümen. Die „Muschelschubser“ des Trainergespanns Heike Kahle/Lorenz Irps hatten gleich drei Jubilare in ihren Reihen, denn seit runden 20 Jahren stehen Ulf Otten, Sascha Bremsteller und Andre Ahrens bereits in der närrischen Zeit bei Karnevalsveranstaltungen des MTV Riede auf der Bühne. Doch mit Malte Tronier gab’s auch einen Neuling bei diesem Auftritt. Dem Islandjubel folgten die Hupfdohlen als Stimmungsmacher. Songs wie die „99 Luftballons“ von Nena und „It’s Raining Men“ von The Weather Girls ließen die Stimmung weiter ansteigen.

Beim „Sextett“ um Anheizer Timo Winkelmann – ebenfalls seit 20 Jahren dabei – verschwanden schnell die Jacken der Feuerwehr. Mit Schirm, Charme und Mütze statt Melone ging der Tanz weiter. Schließlich standen die kräftigen Männer, die Corinna Schierle vorbereitet hatte, in Unterhose und -hemd auf der Bühne. Gut für sie, dass Bademäntel zur Verfügung standen. Schließlich versammelten sich alle Mitwirkenden auf der Bühne und marschierten bei der Polonaise wie eine Karawane durch die Zuschauerreihen. Doch damit war an diesem Abend noch längst nicht Schluss, denn es wurde bis weit in die Nacht hinein ausgelassen gefeiert – in bunten Kostümen, bei mitreißender Musik und prächtiger Karnevalsstimmung. „Riede Helau“.

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