Naturschützer in Borgfeld: Robin Maares

Hüter der Wümmewiesen

Nach einer internationalen Ausbildung als Landschaftsökologe unter anderem in Neuseeland und Israel zog es den Fischerhuder Robin Maares zurück an die Wümme. Seit März ist er Gebietsschützer der Wümmewiesen.
10.05.2021, 05:07
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Hüter der Wümmewiesen
Von Petra Scheller
Hüter der Wümmewiesen

Hüter der Wümmewiesen: Robin Maares ist der Neue bei der Stiftung Nordwest Natur.

Petra Scheller

Borgfeld/Fischerhude. Wenn Robin Maares durch die Wümmewiesen streift, sieht er, was andere nicht sehen. Schnatter-, Krick- und Löffelenten. Er kennt ihre Brutplätze und schützt ihre Gelege. Der Landschaftsökologe ist seit März neuer Gebietsschützer der Wümmewiesen für die Stiftung Nordwest Natur (NWN). Der ehemalige Geschäftsführer des BUND und Vorstandsmitglied bei Nordwest Natur, Joachim Seitz, hat Robin Maares ins Boot geholt. Seither fördert der Volkswirt Seitz den 28-jährigen Ornithologen und bietet ihm mitten im Studium einen ersten Job an.

Maares ist Wissenschaftler. Er beobachtet, sammelt, zählt und schützt. Wachtelkönige, Graureiher, Kiebitze, Rotschenkel, Eisvögel und auch Sumpfdotterblumen. Zurzeit wartet der gebürtige Fischerhuder auf Tüpfelsumpfhühner, nur noch drei von ihnen wurden im vergangenen Frühling in der Region gesichtet. „Die Bestände brechen weg. Ganze Populationen fallen zusammen. Insekten sterben, Falter sind rückläufig“, erklärt der Naturschützer.

Für einen Moment erscheinen die leuchtend grünen Wümmewiesen wie eine Intensivstation für aussterbende Arten. „Braunkehlchen und Uferschnepfen brüten seit einigen Jahren nicht mehr in diesem Gebiet“, berichtet der Vogelkundler. „Deshalb bin ich jetzt hier.“ Er wolle das Naturschutzgebiet Wümmewiesen hüten, Kontakte zu Landwirten knüpfen, mit Jägern sprechen und Angler kennenlernen. „Naturschutz funktioniert nur, wenn alle mitmachen“, sagt der neue Stiftungsnetzwerker.

Robin Maares - blauer Anorak, Rucksack, Fernglas, weißes Baumwolltaschentuch mit bestickter Kante - ist in Fischerhude aufgewachsen und in Achim zur Schule gegangen. Seit seinem 13. Lebensjahr beobachtet er Vögel. Dafür reiste er unter anderem nach Lettland, Polen, Israel und in die Ukraine. Er arbeitete ehrenamtlich als Ornithologe auf der Vogelforschungsstation am Randecker Maar auf der Schwäbischen Alb und nimmt seit vielen Jahren an einem bundesweiten Monitoring-Programm teil, um Vögel zu zählen und die Bestände wissenschaftlich zu erfassen.

Prämierter Ornithologe

Seit vielen Jahren kümmert sich Maares um die Brutvogelbestandserfassung in Rotenburg und Verden. Gemeinsam mit seinem Jugendfreund Moritz Otten, der inzwischen bei der Biologischen Station Osterholz arbeitet, hat der Student den Naturkundlichen Arbeitskreis in Rotenburg wieder ins Leben gerufen und damit die Herzen langjähriger Naturschützer im Sturm erobert. Auch das der Geschäftsführerin der Stiftung Nordwest Natur, Rebekka Lemb. Sie ist begeistert von ihrem neuen Kollegen. „Er ist ein etablierter Ornithologe und deshalb natürlich auch für unsere Umweltprojekte und Exkursionen ein großer Gewinn“, sagt Lemb.

Vor zwei Jahren erhielt Maares gemeinsam mit Moritz Otten für das systematische Sammeln vogelkundlicher Daten und den Aufbau einer ornithologischen Arbeitsgruppe im Landkreis Rotenburg einen Preis der Niedersächsischen Ornithologischen Vereinigung. Maares hatte gerade seinen Bachelor für Landschaftsökologie in Münster in der Tasche, da kam der Ruf aus Bremen, um bei der Stiftung Nordwest Natur einzusteigen. Der Ornithologe plant nun neben seinem Beruf als Gebietsschützer der Wümmewiesen seine Masterarbeit. Das Thema steht noch nicht ganz fest. „Vielleicht wird es um den Wachtelkönig gehen.“ Maares schließt eine Hand zur Faust und legt die andere drumherum. „Man kann ihn mit der Hand nachmachen, er macht Crex crex - das ist auch sein lateinischer Name“, sagt der Vogelkundler.

Maares‘ Stärke sei seine Vielseitigkeit, sagen seine Mentoren. Im Abitur hatte er Deutsch, Englisch und Musik. Danach machte er Work and Travel in Neuseeland und schloss anschließend eine Ausbildung als Anlagen-Mechatroniker bei „Maschinenbau und Mechanik Focke“ in Verden ab. „Ich wollte nach der Schule erst mal was Praktisches machen. Erst danach kam die Idee mit dem Studium.“ Chemie, Erdkunde und Bio habe er in der Oberstufe abgewählt, aber: „Genau das brauchte ich später im Studium als Landschaftsökologe“, erzählt Maares. Umwege in seinem sonst so gradlinig scheinenden Lebenslauf.

Beobachtung und Dokumentation

Seine Motivation für den Umweltschutz: „Vor unserer Haustür verändert sich was. Wenn ich mal Kinder habe, werde ich ihnen wohl vielerorts keine Kiebitze mehr zeigen können.“ Die Populationen gingen deutlich zurück: „Die Bestandsquoten befinden sich im freien Fall.“ Ihm sei es wichtig, das Ganze zu beobachten und zu dokumentieren. „Auf welchen Flächen kommen gefährdete Arten vor? Wo genau liegen ihre Brutplätze? Die sind in Feuchtgebieten wie hier manchmal schwer zu finden. Aber das ist wichtig, um das Wissen weiterzugeben. Genau das ist hier mein Auftrag.“

Info

Zur Sache

Stiftung Nordwest Natur

Die Nordwestdeutsche Stiftung für Tier- und Naturschutz ist eine 1999 gegründete, regionale Naturschutzstiftung mit Sitz in Bremen. Ihr Arbeitsschwerpunkt ist die Naturschutzentwicklung und Umweltbildung auf den stiftungseigenen Flächen. Sie betreut die Naturschutzgebiete „Borgfelder Wümmewiesen„ und „Untere Wümme“ im Auftrag der Bremer Umweltsenatorin.

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