Ausstellung „Worpswede nonstop“ zeigt aktuelle Kunst Neu, vielfältig und spannend

Worpswede. Haben sich die vier Museen zum 125-jährigen Jubiläum des „Mythos-und-Moderne“ -Themas in ihren Ausstellungen angenommen, so präsentiert die Galerie Altes Rathaus „nonstop“ die aktuelle Kunst.
22.07.2014, 17:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Gudrun Scabell

Haben sich die vier Museen zum 125-jährigen Jubiläum des „Mythos-und-Moderne“ -Themas in ihren Ausstellungen angenommen, so präsentiert die Galerie Altes Rathaus „nonstop“ die aktuelle Kunst.

Mit dem Kunsthandwerk begann die Schau, ihm folgte die Fotografie. Nun ist bis in den August hinein der erste Teil der bildenden Kunst zu sehen: Malerei und Bildhauerei – überraschend vielfältig.

Es gibt neue Namen und damit Neues im Alten Rathaus zu entdecken. Und das beginnt im Außenbereich des gelben Backsteingebäudes, der sich durch bildhauerische Arbeiten wieder in einen Skulpturengarten verwandelt hat. Christoph Fischer ist seit langem bekannt. Doch sein monumentaler „Wächter“ vermutlich noch nicht. Der zieht die Blicke mit seinem runden Eisenschild unweigerlich auf sich und scheint das, was von außen auf ihn eindringen will, jederzeit abzuwehren. Der Name von Wolfgang Temm dürfte noch nicht so geläufig sein. Seine Holzskulptur „Umschichtung Eiche“ meint das Ergebnis der künstlerischen Umformung eines in der Natur gewachsenen Eichenstammes und kann als kritischer Blick auf den Umgang des Menschen mit der Natur gelesen werden.

Zwänge und Beschränkungen

Bernd Altensteins „Großer Sitzender“ und Waldemar Ottos frühe Arbeit „Mann im Gerüst“ stehen beispielhaft für die Themen dieser beiden Bildhauer: der Mensch, eingebunden in die moderne Gesellschaft mit ihren Zwängen, Beschränkungen und Deformationen. Ursula Rauch als Keramikerin wendet sich zunehmend dem Skulpturalen zu. Ihre „Drei Elemente“ versinnbildlichen in strenger, geometrischer Form das, was die Welt im Äußeren zusammenhält. Siegfried O. Stolles „Sonne und Nebensonnen“ und Heini Linkshänders „Welle der Erregung“ schlagen gleichsam den Bogen zurück zum 100-jährigen Jubiläum, denn seit 1989 befinden sie sich auf dem grünen Rasen des Alten Rathauses. Linkshänders Skulptur nun auch wieder als Einheit: Die Welle, das Tor durchströmend.

In den Räumen der Galerie gehen bildhauerische Arbeiten teilweise mit malerischen eine – wenn nicht immer inhaltliche, aber zumindest ästhetische – Symbiose ein. Dieses wird deutlich an den Bildern Uwe Häßlers „Rückblicke I, II“ und den davor platzierten Skulpturen Waldemar Ottos aus dessen Werkreihe „Mensch und Maß“. Häßler hat Gesichter aus verschiedenen Epochen auf dunklem Grund zusammengeführt. „Ein distanzierter Rückblick auf die gesamte Zeitgeschichte“, sagt er. Und Ottos Menschen sind Symbole fürs Messen zugeordnet. Ihre bronzenen, matt schimmernden Oberflächen korrespondieren mit den dunkeltönigen Bildern Häßlers. Ein Name, der ebenfalls noch nicht so bekannt sein dürfte, ist der von Elke Wolf. Sie ist unter anderem mit der Skulpturengruppe „windstill – Die Aufgeblähten“ vertreten. Es seien eher „zeichnerische Skulpturen“ und keine im traditionellen Sinne, erklärt sie. Als Büsten aufgefasst, wirken sie durch ihre Volumina isoliert.

Auch die Malerei im Künstlerdorf ist um einige Facetten reicher geworden. So belebt der Fotorealismus Erik Hoffmanns das künstlerische Spektrum ebenso wie David Didebulidzes naiv-figurative Arbeiten. Sie bedienen sich mythischer Themen, die modern gewandet, wieder ironisch gebrochen werden. Frauke Migges geheimnisvoll anmutende Landschaftsräume sind oftmals mit sparsamen Symbolen aufgeladen. Sie verweisen auf ihre Suche nach „den Dingen hinter den Dingen“. Ivanka Svobodova-Rinke überrascht mit einer Horizontalen in ihren zumeist abstrakten Farbkompositionen, die eine Landschaftssilhouette mit trutziger Kirche zeigt. Peter-Jörg Splettstößers malerischer Ansatz bezieht sich auf das rein subjektive Sehen, das bei ihm erst durch den Prozess des Malens seine Bestätigung erfährt, wie seine Werkreihe „Fensterbilder“ nachdrücklich belegt. Stefan Ringeling zitiert in seinem Werk „Scholle“ Worpsweder Kunstgeschichte, das ebenso Assoziationen zu Bildern des Franzosen Jean Francois Millet frei setzt. Ursula Barwitzki fühlt sich mit intensiven Farben und dynamischem Pinselduktus in jahreszeitliche Stimmungen ein, die expressiv anmuten. Für Viktoria Diehn ist die Landschaft nach wie vor ein Thema, das sie malerisch abstrahiert. Ihre Werktitel sind gleichsam poetische Kommentare. Und Margaret Kelleys Bildwerke, deren Farben eine energetische Kraft zu entwickeln vermögen, gehören seit langem zum Besten, was Worpsweder Kunst zu bieten hat.

Noch eine Außenskulptur sei zum Schluss erwähnt: Gisela Eufes Mann in Blau scheint gerade abzuheben oder bereits – dem Titel gemäß – „Über den Wolken“ zu schweben. Dort, wo die Freiheit wohl grenzenlos sein muss.

Die Ausstellung „Worpswede nonstop“ in der Bergstraße 1 ist bis zum 10. August dienstags bis freitags von 14 bis18 Uhr sowie sonnabends und sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet.

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