Losgezogen: Die Beckedorferin Uta Beyer arbeitet seit vielen Jahren in verschiedenen Ländern / Liebe zu Afrika

Neue Aufgabe in Georgien

Wenn auf eine Person das Thema "Losgezogen" zutreffend ist, dann auf die 42-jährige Uta Beyer. Die Beckedorferin zog es schon in jungen Jahren in die Welt – ein Studienjahr in Südafrika, Arbeit in Tansania, sieben Jahre in Istanbul und nun Georgien. Doch mit jedem weiteren Jahr im Ausland schätzt sie ihre Heimat mehr.
19.09.2012, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Iris Messerschmidt
Neue Aufgabe in Georgien

Uta Beyer (Zweite von links) in Tbilissi im Expo-Gespräch mit Nino Pruidze, Geschäftsführerin Robert Bosch Georgien, Martin Wansleben, Geschäftsführer Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIH), Ortwin Hennig, Deutsches Auswärtiges Amt und Tobias Bauman, DIH, (von links).

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Wenn auf eine Person das Thema "Losgezogen" zutreffend ist, dann auf die 42-jährige Uta Beyer. Die Beckedorferin zog es schon in jungen Jahren in die Welt – ein Studienjahr in Südafrika, Arbeit in Tansania, sieben Jahre in Istanbul und nun Georgien. Doch mit jedem weiteren Jahr im Ausland schätzt sie ihre Heimat mehr.

Beckedorf. Als sogenannte integrierte Expertin der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) ist Uta Beyer seit drei Jahren in der Hauptstadt von Georgien, Tbilissi, besser bekannt als Tiflis, aktiv. Eine enge Zusammenarbeit mit den Deutschen Bundesministerien für Entwicklungshilfe und Wirtschaft kennzeichnen ihren Arbeitsalltag genauso wie die Zusammenarbeit mit Politik und Wirtschaft in Georgien. Uta Beyer fungiert als eine Art Mittlerin zwischen deutschen Unternehmen, die sich in Georgien ansiedeln möchten, und den entsprechenden Ansprechpartnern in Georgien.

Was sich für Außenstehende relativ nüchtern anhört, scheint für die Single-Frau ein Traumjob zu sein. "Ich bin gerne im Ausland. Da komme ich als Frau sehr viel schneller zu einer verantwortungsvollen Aufgabe. Für solch einen Job muss man in Deutschland lange arbeiten." Ein wenig stellt Uta Beyer damit allerdings ihr Licht unter den Scheffel. Ihre Qualifikation hat sie nämlich schon längst unter Beweis gestellt, zog es sie doch schon früh in die weite Welt. Nach dem Abitur am Gymnasium Vegesack absolvierte sie erst eine Ausbildung als Groß- und Außenhandelskauffrau, studierte dann in Köln Volkswirtschaftslehre und Soziologie. Ein Auslandssemester in Südafrika legte den Grundstein für ihre immer noch existierende Liebe zu Afrika.

Nach ein paar Jahren freiberuflicher Arbeit in einer Medienagentur in Köln fand sie sich so auch folgerichtig für ein Jahr als Volontärin in Tansania wieder. "Ich habe das richtige Afrika kennengelernt", schwärmt sie noch heute von ihren Aufgaben bei einer regierungsunabhängigen Organisation, die sich um handwerkliche Ausbildung kümmerte.

Zurück aus Afrika zog es sie schon bald wieder in die Ferne, dieses Mal sollte es ein Job in der Türkei sein. Sieben Jahre lang arbeitete sie in Istanbul, war für eine deutsch-türkische Beratungsfirma tätig. Schon dort war sie eine Art Unternehmensberaterin für deutsche Firmen, die sich in der Türkei ansiedeln wollten. Die gesellschaftliche Veränderung, "schleichend wurde es als Frau selbst im weltoffenen Istanbul immer schwieriger", brachte Uta Beyer dazu, sich anderweitig zu orientieren. Das Angebot der GIZ, in Georgien ein Wirtschaftsförderungsbüro aufzubauen, fand sie im Internet. "Hat mich gereizt", gesteht sie. Leuchtende Augen und ein schwärmender Unterton begleiten ihre Erzählungen über das Land, in dem sie seit drei Jahren arbeitet.

"Seit der sogenannten Rosenrevolution 2004 und der Machtübernahme durch Präsident Mikheil Saakashivili sind schlechte Stromversorgung, Arbeitslosigkeit, Auswanderung der Bevölkerung, Korruption und Bestechung kein Thema mehr. Im Gegenteil, Georgien ist neben Estland das liberalste Wirtschaftsland der Region. Ich kann als Frau nachts sicher über die Straße gehen, die Kriminalitätsrate geht gegen null. Unser Büro liegt an der Hauptstraße, der ,Champs-Élysées’ Georgiens, ausländische Firmen bekommen ihre Warenlieferungen ohne Bestechung durch den Zoll – das gibt es in kaum einem anderen Land, auch nicht in der Türkei."

Ganz klar, Uta Beyer kann Erfolge in Georgien vorweisen. Seit sie das Büro – mit mittlerweile fünf Mitarbeitern – aufgebaut hat, ist die Ansiedlung deutscher Firmen in Georgien von rund 170 (in 2010) auf mittlerweile 240 gestiegen, ist im ersten Quartal dieses Jahres Deutschland der größte ausländische Investor und wichtigste Handelspartner Georgiens. In ihrer Freizeit muss Uta Beyer nichts vermissen, Georgien bietet Wälder und Berge; Skifahren und Wandern sind ihr Hobby. "Georgisch selbst ist zwar eine schwere Sprache, die Schriftzeichen haben etwas sehr asiatisches, doch die Georgier sind durchweg sehr sprachgewandt. Unterhaltungen in Deutsch, Englisch oder Französisch sind kein Problem", schildert Uta Beyer.

Darüber hinaus hat die norddeutsche Frau schon festgestellt, dass in Georgien gern und lang gefeiert wird. Speziell zeigt sich dies während der traditionellen "Supra" (ein Fest mit langer Tafel, unendlich vielen Speisen, über viele Stunden bis in den frühen Morgen). "Dazu gehört dann traditionell auch der selbst angebaute Wein", berichtet Uta Beyer. Der wird in großen Tontöpfen, gefüllt mit ganzen Trauben und in der Erde eingegraben, gegoren. "Kann auch schon mal nicht so gut sein, dann schmeckt er ein wenig wie Weinessig", weiß Uta Beyer aus Erfahrung.

Die vielen schönen Erlebnisse in dem kleinen Land, "vergleichbar mit Bayern", die wird sie auch bei ihrem nächsten Besuch am 12. November vor der IHK während einer Veranstaltung zum Thema Georgien erzählen. Auch die Tatsache, dass Uta Beyer erleben möchte, dass aus ihrem Büro einmal die Außenhandelskammer wird, das hält die Beckedorferin "bestimmt noch ein paar Jahre in Georgien". Dennoch: Wenn sie ihre Eltern in Beckedorf besucht, dann weiß sie eines ganz genau: "Mit jedem weiteren Jahr im Ausland, definiere ich speziell Norddeutschland mehr als meine Heimat."

In der Reihe "Losgezogen" porträtieren wir in loser Folge Menschen, deren Lebensweg sie von der Region um Bremen-Nord weg zu neuen Ufern geführt hat. Längst nicht alle, aber eben doch manche von ihnen, haben auf diesem Weg das große Los gezogen.

Neue Aufgabe in Georgien

Losgezogen: Die Beckedorferin Uta Beyer arbeitet seit vielen Jahren in verschiedenen Ländern / Liebe zu Afrika

Zitat:

"Mit jedem weiteren Jahr

im Ausland, definiere

ich Norddeutschland

mehr als meine Heimat."

Uta Beyer aus Beckedorf

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