Erdgasförderung im Raum Rotenburg Neue Ergebnisse zur Gesundheitsgefährdung

Nach einer Häufung von Krebsfällen in der Nähe von Erdgasförderanlagen im Raum Rotenburg geht in der Region die Angst um. Nun hat Niedersachsens Gesundheitsministerium neue Untersuchungsergebnisse vorgelegt.
19.08.2019, 19:45
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Neue Ergebnisse zur Gesundheitsgefährdung
Von Silke Looden

Mit Sorge schauen Erdgasgegner in der Region auf die Samtgemeinde Bothel im Landkreis Rotenburg. Dort war es 2014/2015 zu einer Häufung von Krebsfällen gekommen. Eine 2018 veröffentlichte landesweite Studie im Auftrag des niedersächsischen Gesundheitsministeriums ergab ein leicht erhöhtes Krebsrisiko in Erdöl- und Erdgasfördergebieten, konnte jedoch keinen direkten Zusammenhang zwischen Wohnort und Erkrankung feststellen. Am Montag stellte das Ministerium nun Zusatzauswertungen vor, wonach das leicht erhöhte Risiko auch für andere Standorte gilt.

Nachdem das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) der Deutschen Erdöl AG (DEA) weiterhin erlaubt, Erkundungen im Bereich Unterweser und damit auch in Lilienthal und Grasberg durchzuführen, geht die Sorge vor möglichen gesundheitlichen Risiken durch die Erdgasförderung um. Nun haben die Zusatzauswertungen ergeben, dass das Risiko, an Krebs zu erkranken, in der Nähe von Erdgasförderstätten nicht nur in Bothel leicht erhöht ist. Der Zusammenhang sei im Landkreis Rotenburg allerdings so deutlich, dass den Ursachen weiter nachgegangen werden sollte, empfehlen die Verfasser der Studie.

"Tendenzielle Risikoerhöhung"

Diese „tendenzielle Risikoerhöhung“ gelte auch für Fracking-Regionen, so das Gesundheitsministerium, dies sei jedoch „statistisch nicht auffällig“. Eine Erklärung dafür sei die geringe Zahl der vorliegenden Fälle sowie die Vielzahl der Risikofaktoren für eine Krebserkrankung. Hinzu komme, dass die Ursachen dafür häufig Jahre zurücklägen.

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Anja Büssenschütt von der Bürgerinitiative „No Moor Gas“, die die Erdgasförderung in der Region verhindern will, überrascht das Ergebnis der Zusatzuntersuchungen nicht. Sie meint: „Das war zu erwarten.“ Schließlich handele es sich um eine Studie nach Aktenlage, die lediglich die Daten des Krebsregisters mit dem Melderegister vergleiche. „Wir sind keineswegs beruhigt“, betont sie und verlangt, dass dem Verdacht weiter nachgegangen wird. Auch die Zusatzuntersuchungen hätten nicht bewiesen, dass es keinen Zusammenhang zwischen der Erdgasförderung und dem Krebsrisiko gibt. Außerdem sei die Gesundheit nur ein Aspekt, verweist sie auf die zahlreichen Erdbeben in der Erdgasregion.

"Sorgen berechtigt"

„Für mich unterstreicht dieses Ergebnis, dass die Sorgen der Anwohnerinnen und Anwohner in der Region absolut berechtigt sind“, sagt der SPD-Bundesabgeordnete für den Wahlkreis Rotenburg-Heidekreis, SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil. Er findet den Zusammenhang zwischen einem erhöhten Krebsrisiko und der Wohnortnähe zu Erdgasförderstellen „augenfällig“ und setzt sich für eine weitere Erforschung der Ursachen ein. Er wolle „alle politischen Möglichkeiten ausschöpfen, um die Gesundheit der Menschen in der Region zu schützen“. Klingbeil fordert weiterhin ein Moratorium für die Erdgasförderung.

Der Bundesverband Erdgas, Erdöl und Geoenergie e.V. (BVEG) indes betont, dass die Zusatzauswertung „keine belastbaren Belege“ ergeben habe, wonach ein Zusammenhang zwischen Krebserkrankungen und der Wohnortnähe zur Erdgasförderung bestehe. Der BVEG empfiehlt, andere denkbare Ursachen für die Auffälligkeiten in Rotenburg zu untersuchen. „Wir haben großes Verständnis für die Betroffenen und für ihren Wunsch nach Aufklärung. Alle bisherigen Studien zeigen jedoch: Wir kennen die Ursache nicht“, so Ludwig Möhring, Hauptgeschäftsführer des BVEG.

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