Sänger Joris im Interview

„Musik muss man gemeinsam erleben können“

Der in Brinkum geborene Sänger Joris bringt in dieser Woche sein drittes Album „Willkommen Goodbye“ heraus. Außerdem ist er in der neuen Staffel der Vox-Sendung „Sing meinen Song“ zu sehen.
10.05.2021, 05:04
Lesedauer: 5 Min
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„Musik muss man gemeinsam erleben können“
Von Eike Wienbarg
Joris, Sie sind in Brinkum in der Gemeinde Stuhr geboren. Was verbinden Sie mit der Region? Schauen Sie ab und zu mal vorbei?

Joris: Ich bin sehr früh nach Ostwestfalen gezogen, aber natürlich hat man trotzdem eine gewisse Verbindung zu seinem Geburtsort. Außerdem habe ich meine Patentante immer sehr oft und sehr gerne in Bremen besucht. Musikalisch ging es für mich dann mit der Breminale 2015 los. Seitdem bin ich häufiger auf Konzerten in der Hansestadt.

Sie sind in der neuen Staffel der Vox-Sendung „Sing meinen Song“ unter anderem gemeinsam mit DJ Bobo, Nura, Gentleman und Stefanie Heinzmann zu sehen. Was reizt Sie an diesem Format?

Der größte Reiz an „Sing meinen Song“ war für mich das Konzept. Es ist eines der ganz wenigen Formate im Fernsehen, wo es nur um die Musik und die Geschichten dahinter geht. Außerdem waren wir dieses Mal eine so diverse Truppe wie noch nie zuvor, das fand ich spannend.

Die Sendung wurde aufgrund der Corona-Pandemie an der Ostsee und nicht in Südafrika gedreht. Wie haben Sie den Dreh unter Pandemie-Bedingungen wahrgenommen?

Das Sicherheitskonzept war enorm. Wir wurden jeden Tag getestet und es durften sich nur bestimmte Gruppen vom Produktionsteam begegnen. Das Schlossgut direkt am Ostseestrand war komplett abgeschirmt. Wir waren wie in einer Blase. Dadurch hatten wir das große Glück, dass wir uns auf dem Sofa abends ganz nah sein konnten, ohne Masken. Das war in Zeiten, die momentan auf Abstand basieren, ein Privileg. Es hat unfassbar viel Spaß gemacht, dort zu sein. Wir waren die meiste Zeit in einem großen, herrlich warmen Festivalzelt, in das sie extra die Kulisse aus Südafrika hineingebaut hatten. Wir haben uns also wirklich so gefühlt, als wenn wir dort gewesen wären.

Oftmals geht es in der Sendung sehr emotional zu. Das gilt wohl auch für die aktuelle Staffel?

Ich bin eigentlich nicht so der Typ, der seinen Arm ausstreckt und sagt: „Boah, ich habe durchgehend Gänsehaut.“ Oder diese Fernsehmomente unbedingt abfeiert, wenn die Leute anfangen zu weinen und man sich fragt: Ist das jetzt, weil die Kameras an sind, oder ist das so, weil der gerade wirklich etwas fühlt? Ich kann aber im Nachhinein sagen, dass es eine unfassbar schöne und intensive Zeit war. Das war natürlich auch dadurch bedingt, dass wir seit einem Jahr auf Distanz leben und sehr lange keine Musik mehr spielen konnten. Dadurch wurde einfach ein Ventil aufgemacht. Wir hatten sehr viel Freude daran, Musik wieder gemeinsam zu erleben. Mein emotionalster Moment der Staffel war wahrscheinlich der, als ich den Song „Aileen“ für Ian Hooper (Mighty Oaks) singen durfte. Das Stück hat er für seine verstorbene Mutter geschrieben.

Am 23. April erschien Ihr neues Album „Willkommen Goodbye“. In der gleichnamigen Single geht es vor allem um das Thema Hoffnung. Welche Botschaft möchten Sie mit Ihrem Album vermitteln?

Es geht um das Stolpern und Wiederaufstehen im Leben. Es wird immer Krisen geben, die es zu überwinden gilt. Man muss nur lernen, daran zu wachsen und sehen, dass sich dadurch auch neue Türen öffnen können. In gewisser Weise durchlaufen wir das ja aktuell alle ein Stück weit. Ich möchte mit „Willkommen Goodbye“ auch Mut machen, denn wenn ich eines in den letzten Jahren gelernt habe, dann, dass es immer mit neuen, schönen Wegen weitergehen kann.

Ist es das passende Album zur passenden Zeit?

Ich glaube, es passt im Grunde in jede Zeit. Das Leben ist für die meisten kein langer, ruhiger Fluss, sondern besteht aus vielen Kurven und Abzweigungen. Schwere und traurige Momente gehören leider genauso zum Leben dazu, wie die schönen. Ich war aber schon immer der Meinung, dass man mit einem Lächeln und einem gesunden Optimismus besser durchs Leben kommt. Es ist völlig okay, auch mal durchzuhängen, aber genauso wichtig ist es, neuen Mut zu fassen, um weiterzumachen. Mir gibt Musik dabei eine unheimliche Kraft. Es ist auch wichtig, nicht zu vergessen, dass man schwere Phasen nicht alleine durchstehen muss.

Wie schwierig ist es, in Corona-Zeiten ein neues Album auf den Markt zu bringen?

Es ist nicht wirklich schwierig, es ist einfach anders, weil der Entstehungsprozess anders war. Ich hatte durch die Ausnahmesituation die Möglichkeit, viel mehr zu Hause zu sein, Mucke zu machen und mich einfach nochmal ein bisschen stärker auf den Prozess einzulassen als sonst. Und ich habe zum ersten Mal in meinem Leben – vielleicht auch ein bisschen bedingt durch den Lockdown, der im zweieinhalbjährigen Entstehungsprozess dazugekommen ist – alles so aufgenommen, wie es gekommen ist und kommen wollte. Ich habe die Dinge nicht zerdacht.

Anfang Juni sollten Sie beim Bassum-Open-Air auftreten. Dieser Termin muss allerdings verschoben werden. Wissen Sie schon, wann Sie nach Bassum kommen?

Ja, leider musste auch dieser Termin verschoben werden. Das ist natürlich unfassbar schade, aber das wird nachgeholt. Auch wenn ich aktuell leider noch nicht weiß, wann ich ganz konkret das nächste Mal nach Bassum kommen werde.

Im August ist ein Auftritt auf der Bremer Seebühne geplant. Wie sehr vermissen Sie aktuell Auftritte vor Live-Publikum?

Ich liebe es, unterwegs zu sein. Wer schon mal auf meinen Konzerten war, weiß, dass ich Live-Musiker durch und durch bin. Das ist, was mich und meine Band ausmacht. Daher vermisse ich die Auftritte extrem. Musik muss man gemeinsam erleben können. Aber ich bin froh darum, dass es in diesem Jahr trotzdem wenigstens ein paar coronakonforme Konzerte für uns geben wird. Auch wenn das nur ein kleiner Ersatz ist. Und im Frühjahr 2022 hoffe ich natürlich, die geplante Tour zum Album spielen zu können.

Viele Künstler weichen derzeit auf Streaming-Konzerte aus. Ist das für Sie eine Alternative mit Zukunft?

Ehrlich gesagt ist es für mich keine Alternative. Es ist eine gute Möglichkeit, um mit seinen Fans in Verbindung zu bleiben. Aber es wird niemals das Gefühl von echten Konzerten ersetzen können.

Wollen Sie den Auftritt in Bremen für einen Abstecher nach Stuhr nutzen?

Wenn, dann eher für einen Abstecher zu meiner Patentante, die ich schon wieder viel zu lang nicht gesehen habe.

Das Interview führte Eike Wienbarg.

Info

Zur Person

Joris (31)

heißt eigentlich Joris Ramon Buchholz. Er ist in Brinkum geboren, zog dann aber nach Ostwestfalen. Der Singer-Songwriter hat mit „Hoffnungslos Hoffnungsvoll“ (2015) - inklusive der Hitsingle „Herz über Kopf“ - und „Schrei es raus“ (2018) bereits zwei Alben veröffentlicht. 2016 gewann er in drei Kategorien des deutschen Musikpreises „Echo“.

Info

Zur Sache

Neues von Joris

Das neue Album von Joris ist am Freitag, 23. April, unter dem Titel „Willkommen Goodbye“ bei Four Music/Sony Music erschienen. Bereits seit Dienstag, 20. April, ist Joris in der neuen Staffel der Vox-Sendung "Sing meinen Song" zu sehen. Gastgeber Johannes Oerding trifft darin neben Joris jeweils dienstags ab 20.15 Uhr auch auf DJ Bobo, die Rapperin Nura, den Reggae-Star Gentleman, die Pop- und Soulsängerin Stefanie Heinzmann und den Frontmann der Folk-Band "Mighty Oaks“ Ian Hooper. Die Musiker setzen sich dabei in jeder Folge mit dem musikalischen Werk eines Teilnehmers auseinander und singen deren Lieder. Die Sendung über Joris war am 27. April zu sehen. Weitere Informationen dazu gibt es unter www.vox.de/cms/sendungen/sing-meinen-song-das-tauschkonzert.html. Im Anschluss der Sendung folgt auch noch ein Porträt über den Sänger.

Des Weiteren soll Joris auch am 5. August ab 20 Uhr auf der Seebühne an der Bremer Waterfront auftreten. Tickets dafür gibt es bei Nordwest-Ticket im Internet unter www.nordwest-ticket.de oder telefonisch unter 0421/363636.

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