Achim

Neue Quartiersmitte hat Schönheitsfehler

Achim. In der Quartiersmitte sind die Fortschritte des Programms "Soziale Stadt" greifbar. Bei einer Besichtigungstour der Stadtteilkonferenz hat daher gute Stimmung geherrscht. Doch hinterher hat es auch kritische Töne zum Magdeburger Viertel gegeben.
23.03.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Neue Quartiersmitte hat Schönheitsfehler
Von Ralf Michel

Achim. In der Quartiersmitte sind die Fortschritte des Programms "Soziale Stadt" greifbar. Bei einer Besichtigungstour der Stadtteilkonferenz hat daher gute Stimmung geherrscht. Doch hinterher hat es auch kritische Töne zum Magdeburger Viertel gegeben.

Dem langen, strengen Winter zum Trotz: Der Bauabschnitt "Erweiterung Spielgelände" für die Altersgruppe der zehn bis 18-Jährigen innerhalb des Gesamtkonzeptes "Soziale Stadtentwicklung Magdeburger Viertel" ist abgeschlossen. Auf der einen Seite neben dem Kleinspielfeld des Deutschen Fußballbundes gibt es jetzt einen Basketballplatz, auf der anderen eine Fläche mit mehreren Ballspielangeboten sowie Trimm- und Spielgeräten.

Das Ganze in einer so weit wie möglich offenen Sichtlinie zur Astrid-Lindgren-Grundschule. Auf deren Gelände sollen in Kürze weitere Spielmöglichkeiten entstehen, diesmal mit Blick auf die Altersgruppe sechs bis zehn Jahre.

"Naturspiel fürs Grundschulalter"

Geplant ist, den angrenzenden Hügel zur Spielfläche umzugestalten, wobei die Fläche weitgehend naturbelassen bleibt, erklärte Simon Bauermeister von der "Gruppe Freiraumplanung" aus Langenhagen, die das Projekt im Auftrag der Stadt umsetzt. "Wir wollen den Hügel möglichst natürlich belassen, damit die Kinder da herumklettern können."

Auf eine große Hangrutsche, die in den Hügel integriert ist, dürfen sich die Kinder trotzdem freuen. Außerdem wird es eine Nestschaukel und einen Sandspielbereich zum Buddeln geben. "Naturspiel fürs Grundschulalter" bringt Achims Stadtplanerin Angelika Steinbach diesen Bauabschnitt auf eine griffige Formel.

An Steinbach war es am Montagabend auch, für weitere Wünsche um Geduld zu bitten. "Wo bleiben denn die geplanten Spiele für Senioren?", erkundigte sich eine ältere Teilnehmerin während der Besichtigung. Sei alles geplant, versicherte Steinbach. Ebenso wie eine weitere Spielfläche für Kleinkinder. Aber die Städtebaufördermittel könnten nun einmal nur scheibchenweise abgerufen werden. "Und wir haben ja noch drei Jahre." Die Senioren kämen voraussichtlich 2012 zum Zuge.

Für manche der Anwohner tut sich allerdings schon heute viel zu viel in der neuen Quartiersmitte. Ältere Jugendliche, die bis spät in den Abend hinein auf dem Kleinspielfeld lärmen - "das geht so gar nicht", entrüstete sich eine Frau. Ebenso ärgerlich sei der herumliegende Müll, ergänzte ein anderer Anlieger. Ein Thema, dass inzwischen wegen der offenen Bauweise auch den Schulhof der Grundschule erreicht hat, wie eine Lehrerin berichtete.

"Wir haben das im Blick und kümmern uns drum", versprach Angelika Steinbach und kündigte als Maßnahme gegen die nächtlichen Fußballer eine entsprechende Beschilderung an. Nur so hätte die Polizei eine Handhabe, um eingreifen zu können.

Kontroverse Meinungen gab es auch zu den beiden anderen Themen der Stadtteilkonferenz - die Ansiedlung eines Supermarktes (siehe Artikel links) und das künftige Raumnutzungskonzept des Bürgerzentrums (BÜZ). Die Verwaltung schlägt vor, das heutige Haus der Projekte abzureißen und stattdessen am BÜZ anzubauen. 200 Quadratmeter Nutzfläche, die für einen Teil der bislang im Haus der Projekte untergebrachten Angebote wie "KinderWissen", Fahrradwerkstatt oder Frauenprojekte genutzt werden sollten.

Bedenken gegen diese Planung brachte Axel Eggers vor. "Brauchen wir das alles hier?" Er halte die Erweiterung des BÜZ für ein politisch falsches Signal, das die Separation der vor allem türkisch stämmigen Bewohner des Viertels untermauere. Integration werde so nicht erreicht, findet Eggers und nannte als Beispiel die Sprachkurse im BÜZ. Warum könnten die nicht wie andere Kurse auch in den Räumen der Volkshochschule abgehalten werden? "Wir sollten genau diskutieren, was wir hier vor Ort an Angeboten noch brauchen und was nicht."

Diese Position wiederum bezeichneten mehrere andere Teilnehmer der Versammlung als unrealistisch. Tenor dabei: "Für Bildungsangebote geht niemand von hier extra in die Innenstadt."

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