Worpsweder Kirchenstreit: Versöhnung nicht in Sicht Neuer Pastor - verhärtete Fronten

Worpswede. Die Landeskirche hat einen erfahrenen Pastor mit der Seelsorge in der von tiefen Gräben zerrissenen Worpsweder Gemeinde betraut. Der 55-jährige Kurt Liedtke soll am 1. August von Hannover ins Künstlerdorf wechseln und versöhnend wirken.
27.05.2010, 06:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Michael Wilke

Worpswede. Die Landeskirche hat einen erfahrenen Pastor mit der Seelsorge in der von tiefen Gräben zerrissenen Worpsweder Gemeinde betraut. Der 55-jährige Kurt Liedtke soll am 1. August von Hannover ins Künstlerdorf wechseln und versöhnend wirken. Unterdessen verhärten sich die Fronten. Der Kirchenkreisvorstand kritisiert die Landeskirche ungewohnt deutlich. Dass das Kirchenamt in Hannover noch nicht über die Absetzung des Kirchenvorstands entschieden hat, sehen die Repräsentanten des Kirchenkreises als 'nur schwer hinnehmbare Zumutung für alle Betroffenen in der Gemeinde.'

Eckart Richter, Vorsitzender des Kirchenkreistags und Mitglied der Landessynode, des Landesparlaments der evangelischen Kirche, spricht von einer 'Verschleppung der Entscheidung.' Die Landeskirche weist die Vorwürfe zurück. Richter will seine Kirchenämter so lange ruhen lassen, bis der Streit entschieden ist, und sich nun öffentlich äußern. Im Dezember 2009 hat er bei der Landeskirche die Absetzung der Worpsweder Kirchenoberen 'mangels gedeihlichen Wirkens' beantragt und das auch mit Mobbing gegenüber kirchlichen Mitarbeitern begründet. Der Kirchenvorstand bestreitet das (wir berichteten).

Er werde seine Zurückhaltung aufgeben, zumal sich der Worpsweder Kirchenvorstand nicht an entsprechende Absprachen gehalten habe, betont Richter in einer Pressemitteilung des Kirchenkreisvorstands. 'Die Vorkommnisse in Worpswede zerstören eine gedeihliche Zusammenarbeit in Kirchengemeinde, Region und im gesamten Kirchenkreis heute und auch in Zukunft'. Der Kirchenkreisvorstand steht hinter Richter. Er dankt dem Pennigbütteler 'für seine bisherigen Bemühungen' und nimmt seine Entscheidung 'mit Respekt zur Kenntnis'.

Nach der vorzeitigen Pensionierung von Pastor Ewald Dubbert hat das Landeskirchenamt Kurt Liedtke mit der Pfarrstelle im Künstlerdorf betraut. 'In der schwierigen Situation, in der sich die Kirchengemeinde Worpswede befindet, ist es aus Sicht der Landeskirche wichtig, die vakante Pfarrstelle in Worpswede schnell mit einem erfahrenen Seelsorger zu besetzen', betont der neue Landessuperintendent des Sprengels Stade, Hans Christian Brandy, in einer Presseerklärung. 'Wir wünschen Pastor Liedtke, dass er versöhnend für alle Glieder der Gemeinde tätig sein kann.' Liedtke ist nach Angaben von Sonja Domröse, Sprecherin des Sprengels Stade, seit 24 Jahren Pastor - in den Kirchenkreisen Verden und Northeim und in Hannover.

Unabhängig von der Besetzung der Pfarrstelle werde das Verfahren zur Auflösung des Kirchenvorstandes fortgesetzt, betont die Landeskirche in der Presseerklärung. Dazu werde im Juni eine Anhörung des Vorstands in Hannover stattfinden.

Eckart Richter versteht den Beschluss der Landeskirche, den neuen Pastor trotz der ungeklärten Situation in Worpswede einzusetzen, überhaupt nicht. 'Diesen neuen Pastor mit dem alten Kirchenvorstand zusammenarbeiten zu lassen, ist nicht verantwortbar', sagt der Pennigbütteler. Die Entscheidung habe nicht der neue Landessuperintendent Brandy, sondern der Bischofsrat der Landessuperintendenten unter Vorsitz des Lüneburger Landesvorsitzenden Hans-Hermann Janzten gefällt. Richter wirft Jantzen eine einseitige Moderation bei seinen Schlichtungsversuchen vor. Und er moniert, dass Jantzen mehrfach mit dem Worpsweder Kirchenvorstand, aber nur einmal mit dem Kirchenkreisvorstand gesprochen habe. 'Mit den beteiligten Personen, die gemobbt wurden, hat er nicht gesprochen.'

Dagegen bescheinigt die Landeskirche Jantzen eine gute Arbeit. 'Er hat sich bemüht, mit beiden Seiten ins Gespräch zu kommen. Die Moderation war ganz und gar nicht einseitig', sagt Johannes Neukirch, Sprecher des Landeskirchenamts.

'Das gibt es nirgendwo'

Richter kreidet der Landeskirche an, dem Kirchenvorstand trotz verstrichener Fristen neue Terminvereinbarungen ermöglicht zu haben. 'Das gibt es nirgendwo', zürnt der Pennigbütteler. 'Es gibt eine rechtliche Frist, um Stellung zu nehmen und wenn sich jemand bis dahin nicht äußert, war?s das.' Erst sei vom 1. April die Rede gewesen, nun solle es im Juni eine Anhörung in Hannover geben. Auch hier widerspricht Neukirch. 'Wir haben immer betont, dass es ein kompliziertes Rechtsverfahren ist, wenn ein ehrenamtliches, demokratisch gewähltes Gremium abgesetzt werden soll. Das kann nur mit höchster Verantwortung und sorgfältigster Prüfung geschehen.' Die erste Frist bis April habe nichts mit dem Verfahren zu tun, sagt Neukirch. 'Der Kirchenvorstand sollte sich äußern, ob er zurücktritt oder nicht.' Erst danach sei es um eine Absetzung gegangen.

Ulf Franzke, Kirchenvorstandsvorsitzender in Worpswede, hat das ganz anders in Erinnerung: 'Es war nie die Rede davon, dass der Kirchenvorstand freiwillig zurücktritt.' Ansonsten hat Franzke volles Vertrauen in die Arbeit der Landeskirche. 'Ich denke, dass das Landeskirchenamt seine Arbeit gründlich macht und so bald wie möglich entscheiden wird.' Richters Vorwürfe hält Franzke für unbegründet. Der Kirchenvorstand habe sich sehr zurückgehalten mit öffentlichen Stellungnahmen, vielleicht sogar zu sehr.

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