Kirchweyher gibt Filmmagazin heraus Faszination Horror

Horrorfilme faszinieren den Kirchweyher Kevin Zindler schon seit seiner Jugend. Nun hat er gemeinsam mit anderen das Filmmagazin „Art Of Horror“ gegründet.
14.05.2020, 21:32
Lesedauer: 5 Min
Zur Merkliste
Faszination Horror
Von Eike Wienbarg

Wer das Arbeitszimmer von Kevin Zindler betritt, bemerkt sofort, wofür das Herz des Kirchweyhers schlägt: An den Wänden hängen Filmplakate; DVDs und Blu-Rays reihen sich in Regalen eng aneinander oder stapeln sich in Schubladen. In der Mitte steht sein Schreibtisch mit Computer und Fernseher. Seit seiner Kindheit ist Zindler fasziniert vom Film – vor allem Action- und Horrorfilme haben es ihm angetan. Und der 43-Jährige lässt andere nur zu gerne an seiner Leidenschaft teilhaben. So war er in der Vergangenheit selbst als Filmproduzent tätig, brachte unter anderem den Film „Atomic Eden“, in dem auch Hollywood-Star Fred Williamson (bekannt unter anderem aus dem Film „From Dusk Till Dawn“) mitspielte, heraus und verlagerte die Deutschland-Premiere ins Syker Hansa-Kino. Auch unter die Autoren ist Zindler kürzlich gegangen und veröffentlichte Bücher zum Thema Film. Nun hat er ein neues Projekt: Mit zwei Mitstreitern gibt er das Horrorfilm-Magazin „Art Of Horror Volume 2“ heraus. An diesem Freitag, 15. Mai, erscheint die erste Ausgabe.

Als Autor für Magazine und Fanzines ist Zindler dabei schon etwas länger tätig. Seit fünf Jahren schrieb der gebürtige Rieder für die Zeitschrift „X-Rated“, berichtet er. Als das Magazin im Februar nach 27 Jahren eingestellt wurde, war Zindler ein wenig enttäuscht. So sei der Abschied von dem Magazin mit einer Auflage von 15 000 Exemplaren durch den Verlag recht „unpersönlich“ kommuniziert worden, berichtet Zindler. Gemeinsam mit dem ehemaligen „X-Rated“-Chefredakteur Matthias Bogner und dem Herausgeber vom Verlag Subversiv Media, Michael Cholewa, fasste er die Idee, dass es irgendwie weitergehen müsse. „Wir machen ein eigenes Magazin“, berichtet Zindler über das Ergebnis der Überlegungen.

Bei der Namensfindung orientierten sich die Magazin-Gründer an ihren Vorgängern. „Die ‚X-Rated‘ hieß früher ‚Art Of Horror‘“, erzählt Film-Enthusiast Zindler. Der Name sei nicht geschützt gewesen. So entschieden sich die Verantwortlichen dazu, „Art Of Horror“ wieder aufleben zu lassen. „So haben wir auch einen Bezug zu den alten Lesern“, sagt Zindler, der gemeinsam mit Christoph N. Kellerbach die Stammredaktion des neuen Magazins mit dem alten Namen bildet. Als Chefredakteur fungiert Kompagnon Bogner, Herausgeber ist Cholewa.

Gemeinsam mit vielen freien Mitarbeitern aus der Szene wollen Zindler und Co. die Leser mit allem versorgen, was das Horrorfilm-Genre so hergibt. „Von Untergrund- bis zu den großen Kinoproduktionen“, erklärt der Kirchweyher das Vorhaben. Dazu zählen Filmkritiken, DVD-Neuerscheinungen aber auch Berichte über Klassiker auf VHS, exklusive Interviews und Specials, zählt Zindler auf. Statt 32 Seiten wie die „X-Rated“ soll das „Art Of Horror“-Magazin 56 Seiten bieten. „Wir wollen von allem ein bisschen mehr“, sagt Zindler über das Konzept. Das neue Magazin soll dann viermal im Jahr erscheinen. Auch für das bereits begonnene Jahr verspricht Zindler insgesamt vier Ausgaben. Bei einem Erfolg könne er sich auch Sonderhefte vorstellen, so der 43-Jährige weiter.

Die erste, an diesem Freitag erscheinende Ausgabe beschäftigt sich – wie soll es in Corona-Zeiten auch anders sein – in einem Special unter anderem mit Pandemie-Filmen, verrät Zindler. Auf sechs Seiten geht es aber auch um die Filmreihe „Freitag der 13.“, die vor 40 Jahren startete. Des Weiteren gibt es ein Interview mit der Schauspielerin Anne Bergfeld („Finale“). In Nachrufen werden das Werk des US-amerikanischen Regisseurs und Produzenten Stuart Gordon und des Schauspielers Dieter Laser gewürdigt, gibt Zindler weitere Einblicke. Auch Zindlers Podcast-Partner Florian Wurfbaum und Tom Burgas sind mit Beiträgen vertreten. Autor Tom Graupner kümmert sich in seiner „Untergrundkolumne“ dann um Filme ganz weit ab des Mainstreams. „Auch der ganze ‚Schrott‘ ist drin“, sagt Zindler mit einem Augenzwinkern. So soll das Heft wirklich die ganze Welt des Horrors abdecken.

Dass die Einschränkungen der Corona-Krise, der allgemeine Rückgang der Leserschaft von gedruckten Medien oder die teilweise kostenlose Verfügbarkeit von Informationen im Internet den Erfolg des Magazins gefährden und den Start beeinflussen könnten, macht Zindler nach eigenen Angaben keine Angst. Aber wie soll sich das Print-Magazin gegen die Konkurrenz aus dem Internet behaupten? „Wir wollen zu 100 Prozent exklusive Inhalte und nicht nur die Null­acht­fünf­zehn-Sachen“, erklärt der Kirchweyher die Strategie. Im Blick hat er vor allem exklusive Interviews und die Rezensionen aus den eigenen Federn. „Wir schreiben, was wir denken. Wir lassen uns nicht beeinflussen“, sagt er über die Unabhängigkeit des Magazins.

Finanziert werden soll das Heft, das in einer Auflage von 6000 Exemplaren erscheint, durch den Verkauf und Anzeigen. „Ziel ist es, das Magazin durch Werbeeinnahmen zu finanzieren“, erklärt Zindler. Mitten in Corona-Zeiten sei das aber schwieriger, da viele Produktionsfirmen aktuell ihre Filme zurückhalten bis die Kinos wieder öffnen und somit auch nicht bewerben. Die Resonanz auf die erste Ausgabe der Magazins mit Blick auf die geschalteten Anzeigen habe ihn aber „positiv überrascht“, sagt Zindler, ergänzt aber auch: „Reich wird man dadurch nicht.“

Mit Blick auf die potenziellen Leser hat Kevin Zindler noch weniger Bedenken. „Horror-Fans sind die loyalsten“, hat er beobachtet. Viele Sammler bevorzugen immer noch anfassbare Medien gegenüber den digitalen, kann Zindler berichten. Auch wie die Fans der Szene zu erreichen sind, weiß der Kenner. „Man hat die Fans, man hat die Kanäle“, sagt Zindler, der dabei auf die eigenen Erfahrungen zurückgreifen kann.

Gedruckt wird das Magazin in Deutschland. Der Verkauf soll zunächst nur über das Internet abgewickelt werden. Einen Vertriebspartner in Österreich hat Zindler ebenfalls schon aufgetan, wie er berichtet. Für die erste Ausgabe habe er bereits rund 600 Vorbestellungen. Einige Leser haben gleich mehrere Exemplare geordert. Sollte es erfolgreich laufen, könnte „Art Of Horror“ auch den Weg in die Kioske finden, überlegt Zindler.

Parallel zum neuen Magazin hat Kevin Zindler gemeinsam mit Dominik Starck und Florian Wurfbaum auch ein neues Buch herausgegeben. Unter dem Titel „Death Wish – Ein Filmbuch sieht rot“ beschäftigen sich die Autoren unter anderem mit der „Death Wish“-Filmreihe mit Kult-Schauspieler Charles Bronson, die in Deutschland unter dem Namen „Ein Mann sieht rot“ begann. Zindler beschreibt das Buch als „Querschnitt durch sämtliche Selbstjustizfilme“. Es sei keine „wissenschaftliche Analyse“, sondern mehr ein Buch „von Fans für Fans“. „Es wird aber auch viel analysiert und erklärt“, verspricht Zindler, der mit „Meine 1980er-Jahre – Horrorfilme, die mich prägten“ und „Regisseure im Kampf um den deutschen Genrefilm“ bereist zwei andere Bücher veröffentlicht hat.

Zunächst freut sich der Kirchweyher jetzt aber auf die Ankunft der neuen Magazine. Allerdings verzögere sich diese ein wenig, muss Zindler berichten. In der kommenden Woche sollen die Hefte aber auf die Reise gehen, verspricht er.


Das Magazin „Art Of Horror“ von Mitbegründer Kevin Zindler aus Kirchweyhe ist ab sofort im Internet unter www.subversiv-shop.de bestellbar. Sein neues Buch „Death Wish – Ein Filmbuch sieht rot“ gibt es ausschließlich beim Online-Händler Amazon.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+