Mitteilung des Justizministeriums

Niedersachsen verdient an beschlagnahmten Bitcoin

Digitale Währungen sind im Alltag noch nicht weit verbreitet – Kriminelle nutzen die Anonymität von Bitcoin und Co. schon heute. Fliegen die Täter auf, profitiert auch die niedersächsische Landeskasse.
02.10.2019, 15:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Christopher Weckwerth
Niedersachsen verdient an beschlagnahmten Bitcoin

Niedersachsen profitiert von Einnahmen durch beschlagnahmte Bitcoin.

DADO RUVIC

Das Land Niedersachsen profitiert finanziell zunehmend von der Verwertung beschlagnahmter virtueller Währungen wie dem Bitcoin. Im laufenden Jahr wurden so bis Ende August rund 650.000 Euro eingenommen - von 2010 bis 2018 waren es dagegen insgesamt nur rund 410.000 Euro, wie das Justizministerium in Hannover mitteilte. Virtuelle Währungen sind legal, werden von Kriminellen aber auch zur Geldwäsche, bei Erpressungen oder zum illegalen Handel im Darknet, einem verborgenen Teil des Internets, genutzt.

Die Staatsanwaltschaft Göttingen plant in den kommenden Wochen laut Ministerium die nächste Verwertung von rund vier Bitcoin. Das entsprach am Mittwoch einem Wert von rund 30.000 Euro.

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„Cyberangriffe auf Krankenhäuser oder Verwaltungen sind eine reale Bedrohung für uns alle“, sagte Niedersachsens Justizministerin Barbara Havliza (CDU). Oft würden die Institutionen digital lahmgelegt, um Bitcoin im Wert von Millionen zu erpressen. Deswegen sei die Verwertung beschlagnahmter virtueller Währungen wichtig: „Damit treffen wir Cyberkriminelle dort, wo es wehtut: beim Geld.“

Kryptowährungen - also verschlüsseltes, digitales Geld - können ganz legal genutzt werden, etwa für Pizzabestellungen im Internet. Sie gelten aber auch als Hauptzahlungsmittel illegaler Plattformen. Die verbreitetste Kryptowährung ist der Bitcoin, gefolgt von Ether und Ripple. Auch Facebook hat mit Libra eine eigene Währung angekündigt.

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Mit zunehmender Verbreitung werden die Währungen auch für die Strafverfolgung immer bedeutender. Anders als Euro oder Dollar werden die Währungen aber nicht von einer Zentralbank kontrolliert, und ihre Kurse schwanken stark. So hatte sich der Wert von 64 Bitcoin, die die Staatsanwaltschaft Berlin 2017 beschlagnahmt hatte, binnen Monaten von 76.000 Euro auf mehr als 700.000 Euro fast verzehnfacht.

Oberstaatsanwalt Frank Lange, Leiter der Zentralstelle Informations- und Kommunikationstechnik bei der Staatsanwaltschaft Verden, betonte allerdings, dass die Behörden nicht auf Kurssteigerungen spekulierten. Die Währungen würden verwertet, sobald dies rechtlich möglich sei. Vor dem Abschluss eines Strafverfahrens geht das nur mit Zustimmung des Betroffenen.

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Technisch wird bei Bitcoin und Co. jede Transaktion in einer Liste von Datenblöcken, der sogenannten Blockchain, gespeichert. Weil die Daten digital und verschlüsselt sind, ist es für die Strafverfolger eine Herausforderung, der Spur des Geldes zu folgen. Man müsse zwar kein Technikexperte mehr sein, um mit virtuellen Währungen zu handeln, sagte Oberstaatsanwalt Lange. Die Ermittler bräuchten aber digitale Affinität, um die komplexen Vorgänge ans Licht zu bringen.

Gebündelt werden die niedersächsischen Ermittlungen zur Internetkriminalität seit März 2018 bei den Staatsanwaltschaften Verden, Osnabrück und Göttingen. Dort sind auch die Zentralstellen zur Verwertung virtueller Währungen angesiedelt.

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