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Gerichte der Region sind Pioniere auf dem Gebiet der Mediation
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Die Lizenz zur Konfliktlösung

Henrik Zein und Justus Randt 09.03.2011 0 Kommentare

Armin torbecke spricht mit zukünftigen Mediatoren.
Armin torbecke spricht mit zukünftigen Mediatoren. (Lübke)

Armin Torbecke liebt die Ruhe - zumindest privat. Gemeinsam mit seiner Partnerin und seiner Tochter lebt der 41-Jährige in Steyerberg bei Nienburg in einem kleinen Haus am Wald. In seinem Beruf geht es dagegen auch schon einmal etwas lauter zu. Als Mediator vermittelt Torbecke zwischen streitenden Parteien. Auch wenn Kontrahenten ihren Konflikt bereits vor Gericht austragen, ist es nicht zu spät für eine gütliche Einigung - dank der gerichtsnahen Mediation.

Ob Scheidungen oder Auseinandersetzungen mit Nachbarn und Kollegen: Mediatoren sollen dafür sorgen, dass Konflikte außergerichtlich gelöst werden. Auch in Niedersachsen wird die Ausbildung zu Streitschlichtern immer beliebter. Überall dort, wo es zu Konflikten kommen kann, ist Torbecke gefragt: Chef gegen Angestellten, Ehemann gegen Ehefrau oder Lehrer gegen Schüler sind nur einige von vielen Beispielen. Seit fünf Jahren bildet Torbecke auch andere zu Mediatoren aus.

"Das Interesse an meinen Seminaren ist in den vergangenen Jahren gestiegen", sagt Torbecke. In 200 Unterrichtsstunden lernen die angehenden Mediatoren auf ein Jahr verteilt Theorie und Praxis der Streitschlichtung. Die Teilnehmer an Torbeckes Kursen kommen dabei aus den unterschiedlichsten Bereichen - unter anderem aus Schulen, Banken, Versicherungen oder Universitäten. Das Altersspektrum reicht von Anfang 20 bis Anfang 60.

Zur Ausbildung gehören vor allem Rollenspiele, in denen die Teilnehmer Fälle aus der Realität nachspielen. Dort lernen sie die Grundkenntnisse der Streitschlichtung: Gesprächsführung, Vermittlung zwischen Parteien und Hilfe bei der Konfliktlösung. Am Ende arbeiten die Teilnehmer eine Echt-Mediation schriftlich aus und erhalten ein Zertifikat - ohne Benotung. "Für einige Teilnehmer stellt die Ausbildung eine Zusatzqualifizierung innerhalb des Berufs dar, andere werden sich als Mediatoren selbstständig machen", sagt Torbecke.

Befriedung statt Sieg

Der Hannoveraner Rainer Korn hat solch eine Mediationsausbildung in den vergangenen zwölf Monaten gemacht. Der 42-Jährige möchte seine Kenntnisse beruflich und privat nutzen. Korn arbeitet als Kommunikationstrainer bei einer Bank. "Ich helfe sehr gerne dabei, dass Konflikte ohne Sieger und Gewinner gelöst werden", so Korn. Seit fünf Jahren beschäftigt sich der Hannoveraner mit Mediation - vor allem im Bereich gewaltfreie Kommunikation.

Nach Angaben von Konsens, einem Verein zur Förderung der Mediation in Niedersachsen, sind derzeit rund 30 zertifizierte Streitschlichter in Niedersachsen gelistet. Konsens-Vorsitzender Professor Thomas Trenczek geht davon aus, dass die Anzahl der anerkannten Mediatoren in den nächsten Jahren weiter steigen wird. Der Grund: Die Bundesregierung hat im Januar ein Mediationsgesetz beschlossen, das insbesondere die außergerichtliche Streitschlichtung stärken soll. Die Anzahl aufwendiger und kostspieliger Gerichtsverfahren soll somit verringert werden. Trenczek hofft, dass durch das Gesetz die Akzeptanz der Mediation gesteigert werden kann.

Allerdings sollten streitende Parteien darauf achten, dass nur gut ausgebildete und zertifizierte Streitschlichter kontaktiert werden. Eine Mediation eines anerkannten Streitschlichters kostet zwischen 80 und 180 Euro pro Stunde, drei bis sechs Sitzungen mit jeweils 1,5 Stunden sind der Normalfall für eine Konfliktlösung. Trenczek warnt: "In dem Bereich tummeln sich auch viele schwarze Schafe." Berufsmäßig in schwarze Roben gewandete Richter-Mediatoren sind damit wohlgemerkt nicht gemeint.

Guido Clostermann, Richter am Sozialgericht Stade, war von 2002 bis 2005 Mitglied der Projektkommission gerichtsnahe Mediation, die vom damaligen Landesjustizminister Christian Pfeiffer ins Leben gerufen worden war. Träger war damals der Verein Konsens, die Klosterkammer unterstützte die Suche nach neuen Möglichkeiten, Konflikte beizulegen. "Niedersachsen hat das als erstes Bundesland flächendeckend eingerichtet", sagt Clostermann, "heute gibt es die Mediation landesweit an allen Landgerichten, vielen Amtsgerichten, Verwaltungs- und Oberverwaltungsgerichten". Zu den Pionieren zählten das Oberlandesgericht Óldenburg, die Landgerichte Verden und Oldenburg und die Amtsgerichte Delmenhorst, Syke, Oldenburg und Rotenburg. Wann immer der Gang vor Gericht nicht im Vorfeld hat verhindert werden können, haben die gerichtsnahen Mediatoren die Möglichkeit, ein Verfahren durch einen sogenannten Ruhensbeschluss zu stoppen - und es noch einmal mit Befriedung zu versuchen: Wenn beide Parteien

einwilligten, könne der Vermittlungsversuch auch noch in diesem Stadium der Auseinandersetzung gestartet werden, sagt Michaela Brunssen, Richterin am Landgericht Verden. Dort landen jährlich etwa 800 Verfahren in der Mediationsabteilung, rund ein Drittel der Beteiligten stimmten dem zu, sagt Brunssen. "Davon sind durchschnittlich 75 bis 80 Prozent erfolgreich, das heißt, es kommt zu einer Einigung, zumeist in Form eines Vergleichs."

Seit einer Woche verfügen auch das Stader Verwaltungsgericht über einen und das Sozialgericht über zwei Mediatoren. Einer von ihnen ist Guido Clostermann: "Im vergangenen Jahr", sagt er, "gab es eine Ausbildungsoffensive."


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Leserkommentare
Gissmo am 23.10.2019 09:36
Danke für die konstruktive Antwort, man kann sich scheinbar ja doch noch ohne Beleidigungen hier im Kommentarbereich austoben, so machts doch allen ...
RalfBlumenthal am 23.10.2019 09:28
Was macht ein Ortsamtsleiter, der seinen Willen nicht bekommt ?
Er macht nichtöffentlich, was öffentlich gehört !
So geht das nicht, Herr ...
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