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Proteste in Wietze
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Groß-Demo für Agrarwende

31.08.2013 0 Kommentare

Demonstranten auf dem Weg zu einem Geflügelschlachthof in Wietze. 
Demonstranten auf dem Weg zu einem Geflügelschlachthof in Wietze.  (dpa)

Tausende getötete Hähnchen pro Stunde in einer einzigen Fabrik - das haben viele Menschen satt. Kritiker der Massentierhaltung umzingeln daher in Celle aus Protest einen der größten Schlachthöfe Europas. Sie fordern die Abkehr von den industriellen Maximen billig und viel.

Tausende Gegner von Massentierhaltung und industrieller Landwirtschaft haben am Samstag in Wietze im Kreis Celle für eine Wende in der Agrarpolitik demonstriert. Die Polizei zählte rund 2500 Menschen, die nach einer zentralen Kundgebung zu einem umstrittenen Geflügelschlachthof zogen. Er gilt als einer der größten in ganz Europa. Mit zwei genehmigten Schlachtlinien besteht eine Gesamtkapazität von rund 2,6 Millionen Hähnchen - pro Woche. Nach Angaben der "Celler Land Frischgeflügel" ist derzeit erst eine der Linien gebaut und zu 100 Prozent ausgelastet. Rechnerisch sind aber schon damit täglich fast 200 000 geschlachtete Hähnchen möglich.

Unterstützung erhielten die Protestierenden unter anderem von der Grünen-Bundesvorsitzenden Claudia Roth. Sie sagte laut Mitteilung: "In der Massentierhaltung werden billiges Fleisch, Milchprodukte und Eier durch millionenfaches Tierleid und den massiven Einsatz von Antibiotika erkauft." Das sei unverantwortlich und gehöre gestoppt.

Die sogenannte Agrarwende hin zu einer dezentraleren, bäuerlich geprägten Landwirtschaft ist ein Kernziel der neuen niedersächsischen Regierung aus SPD und Grünen. Ihnen sind riesige Mastanlagen ebenso ein Dorn im Auge wie hohe Subventionen für die Großagrarindustrie. So wollen die Partner laut ihrem Koalitionsvertrag die "Förderung einer zukunfts-, tier- und umweltgerechten Landwirtschaft insbesondere durch Agrarumweltmaßnahmen und Stärkung des Ökologischen Landbaus."

Kritiker werfen Rot-Grün vor, das utopische Bild einer heilen Bio-Welt voller Kleinbauern zu pflegen, die in der Realität nie den Fleischhunger der Nation stillen könnten. Die Forderung der Grünen nach einer vegetarischeren Ernährung sorgte zusätzlich für Zündstoff.

Hinter dem Mastbetrieb in Celle steht die Franz-Josef Rothkötter GmbH & Co. KG. Laut Bundesanzeigerauszug für die jüngste Jahresbilanz (Stichtag 30. Juni 2012) beklagt der Konzern die zuletzt "wachsenden Herausforderungen medialer und politischer Natur". Mit Fakten müsse die Ernährungsindustrie "versuchen, populistische Fehlentwicklungen zu verhindern". Die Unternehmensgruppe ist nach eigenen Angaben im Wesentlichen in der Hähnchenfleisch- und Mischfutterproduktion sowie der Brüterei tätig. Mit 817,7 Millionen Euro gelang dem Konzern im Geschäftsjahr 2011/2012 ein Umsatzsprung um 21 Prozent. Die Gruppe zählte zuletzt rund 2200 Mitarbeiter. Ihr zufolge liegt Deutschland mit 11,8 Kilogramm Hähnchenfleisch pro Einwohner und Jahr am unteren Ende des EU-weiten Durchschnitts, der 17,6 Kilogramm betrage.

(dpa)


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Leserkommentare
werderfan am 23.10.2019 21:15
Ich versuche das mal kurz für die Demokratiefreunde zu erläutern:
1. Der Umweltausschuss des Beirats Blumenthal tagt am nächsten Montag ...
IhrenNamen am 23.10.2019 21:02
Ich bin mal sehr gespannt wie sich das auf die Spendensumme auswirkt.
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