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Am 19. August nimmt Elb-Link den Fährverkehr auf / Namen der Schiffe erinnern an den Betrieb vor 100 Jahren
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Hin und her mit „Grete“

Justus Randt 27.06.2015 0 Kommentare

Greten Handorf, Cuxhaven, Reederin
Die frühere Cuxhavener Reederin Greten Handorf (Mitte) an Bord eines ihrer Schiffe. (Stadtarchiv Cuxhaven)

Wenn erst alles bereit ist an den Terminals in Cuxhaven und Brunsbüttel und „Grete“ und „Anne-Marie“ den Pendelverkehr über die Elbe aufnehmen, endet eine lange Pendelpause: Am 19. August, teilte die Cuxhavener Reederei Elb-Link GmbH am Freitag mit, werde der Fährverkehr wieder aufgenommen. 14 Jahre lang hatte der Betrieb geruht, nachdem die Harms Elbe Ferry 2001 den Verkehr nach rund zwei Jahren aus wirtschaftlichen Gründen wieder aufgegeben hatte.

Nun soll es wieder losgehen, soll die bestehende Elbe-Fährverbindung zwischen Wischhafen und Glückstadt entlastet werden – und vor allem „der Verkehrsknotenpunkt Hamburg“. Da sind sich die niedersächsischen Verkehrsstaatssekretärin Daniela Behrens und ihr schleswig-holsteinischer Kollege Frank Nägele einig.

Die Fährgesellschaft plant Abfahrten alle anderthalb Stunden, zwölf mal täglich von beiden Anlegern. An beiden Orten engagieren sich die Länder. Niedersachsen will rund zwei Millionen Euro investieren, um die Verkehrsflächen herzurichten und Dalben zu rammen.

Inzwischen haben die Umbauarbeiten am Cuxhavener Steubenhöft-Anleger laut Elb-Link-Geschäftsführer Christian Schulz begonnen. „In Brunsbüttel haben wir die Kampfmitteluntersuchungen abgeschlossen und sind dabei, das Hydraulik-System instand zu setzen.“ Ende Juli seien weitere Arbeiten an den Rampen vorgesehen.

Jahrhundertealte Fährverbindung

Bereits im 18. Jahrhundert habe es eine Fährverbindung zwischen Cuxhaven und Brunsbüttel gegeben, davon geht das Verkehrsministerium in Hannover aus. Mit dem bislang letzten Betreiber, Harms, ist der Diplom-Ingenieur Jürgen Grzeskowiak bestens vertraut, er war technischer Berater des Unternehmens. Gemeinsam mit seinem Bremer Partner Naval Consult Lasse und Pache hat sich der Wahl-Cuxhavener Gedanken darüber gemacht, wie sich der Fährbetrieb über die Elbe wirtschaftlich gestalten ließe.

Frühere Fährverbindungen seien schlicht wegen zu hoher Betriebskosten eingestellt worden, lautete ihr Fazit. „Wir haben gute Kontakte zu Bauwerften und Reedereien“, hatte Lasse im vergangenen Jahr gesagt. Er konnte sich eine Mittlerrolle zu künftigen Betreibern gut vor-

stellen – „vorausgesetzt, wir machen die Gesamtplanung“. Kern des neuen Elbe-Ferry-Konzepts war es, mit 71 Metern Länge eher kleine Schiffe einzusetzen.

Nun ist Elb-Link am Start – mit rund 98 Meter langen Schiffen, die rund dreieinhalbmal so viele Passagiere aufnehmen können, wie Grzeskowiak es der Aus-

lastung wegen für rentabel hält. Die von ihm vorgesehene Kapazität für 200 Fahrgäste – bei stündlichen Abfahrten – sei realistisch, nicht aber für 690. Der Stundentakt aber lasse sich kaum halten, wenn eine „auf der Elbe in Aussicht gestellte Geschwindigkeitsreduzierung von maximal 15 Knoten für Schiffe ab 90 Meter Länge“ wahr wird.

Dieses und andere Rechenbeispiele Grzeskowiaks lassen die Elb-Link-Geschäftsführung offenbar eher kalt. Auf der noch im Aufbau befindlichen Homepage der Reederei reagiert Elb-Link auf Skeptiker: „Nachdem die anfängliche ,Euphorie’ jetzt etwas abgeklungen ist, kommen doch jetzt mehr und mehr kritische Stimmen zu Wort. (...) Vielleicht sollten wir an dieser Stelle ausführen, dass Schiffe die doppelt so groß sind wie andere, nicht die doppelten Kosten am Tag benötigen, um den Betrieb zu gewährleisten.“

Während die Vorbereitung für das neue neue Projekt laufen, gibt sich die eigens gegründete Reederei Elb-Link einen traditionsbewussten Anstrich: Die neuen Namen der beiden 2010 und 2011 in Norwegen gebauten Schiffe, „Grete“ und „Anne-Marie“, sollen an das Cuxhavener Original Greten Handorf erinnern. Dass sie offiziell und mit vollem Namen Margaretha Catherina Handorf hieß, musste auch das Stadtarchiv erst recherchieren. Schließlich ging die Reederin nach dem Ersten Weltkrieg als Greten Handorf in die Heimatgeschichte ein, nachdem sie sich die für den privaten Fährbetrieb zwischen Cuxhaven und Brunsbüttel erforderliche Konzession selbst im Berliner Ministerium geholt haben soll – unter der Androhung, das Büro ohne die Lizenz nicht mehr zu verlassen.

Überliefert wird die Anekdote von einem, der sich auskennt auf der Elbe: Karl B. Kühne hat „Die Geschichte der Schiffsverbindungen Cuxhavens mit Schleswig-Holstein“ verfasst. Die 16-seitige Schrift wurde 1999 von der Elbe Ferry GmbH veröffentlicht. Die „Grete“, heißt es, war ein fast neuer Krabbenkutter, mit dem Greten Handorf 1919 den Fährverkehr aufnahm. Einige Jahre später sei der Fischkutter „Anne-Marie“ hinzugekommen. Schließlich wurde die Fährflotte durch den ehemaligen Schlepper „Merkur“ verstärkt.

Ab der zweiten Jahreshälfte 2016 soll im Stundentakt abgelegt werden. Auch die Elb-Link-Fähren „Grete“ und „Anne-Marie“ sollen Unterstützung durch ein drittes Schiff bekommen. Ob es „Merkur“ heißen wird, ist noch ungewiss.


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Leserkommentare
heinmueckausbremerhaven am 21.10.2019 20:47
Es gibt nur eine Chance wieviel Artikel beschrieben. Und jetzt schwindet mit dem Artikel von Stefan Rahmstorf das Argument, dass die BRD nur für ...
Bremen99 am 21.10.2019 20:41
Das Parken in Wild-West-Manier rund um den Freimarkt hat Tradition. Vor über 40 Jahren konnte man auch schon regelmäßig beobachten wie dreiste ...
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