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31-Jähriger aus Jemgum
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Lars Wunder wird seit sechs Wochen vermisst

Silke Looden 21.01.2016 0 Kommentare

Kea Wunder kommt gerade vom Coldeborger Siel. Dort am Emsdeich im Niemandsland zwischen Hatzum und Critzum versucht sie ihrem Sohn irgendwie nah zu sein. „Das ist sein Lieblingsplatz“, sagt die Mutter. Die Verzweiflung schwingt in ihrer Stimme mit. Seit mehr als sechs Wochen ist der 31-jährige Lars Wunder aus Jemgum (Landkreis Leer) verschwunden. Über Nacht.

Lars Wunder
Der seit Dezember 2015 vermisste Lars Wunder ist tot. (Polizei)

Am Nikolaustag hatte seine Frau, Meike Wunder, ihren Mann als vermisst gemeldet. Bei Facebook postete sie: „Mein Mann wird seit heute Nacht 1.00 Uhr vermisst. Er heißt Lars Wunder ist 31 Jahre alt. Hat braune Augen. Ist schlank, dunkle Haare, 183 cm groß. Hat ihn jemand die letzte Nacht oder heute morgen, heute Mittag, irgendwo gesehen??“ 23 826 Mal wurde der Beitrag in dem sozialen Netzwerk geteilt. Ein entscheidender Hinweis hat sich daraus bislang nicht ergeben.

Kea Wunder beschreibt ihren Sohn als „zuverlässig, einer, der nicht einfach so verschwindet“. Noch am Vorabend seines Verschwindens hatte Kea Wunder ihren Sohn um elf Uhr von einem Fest im Feuerwehrhaus Critzum zum Sielhus gefahren. „Später ist er wieder ins Feuerwehrhaus. Danach verliert sich seine Spur“, sagt Kea Wunder. Nicht ganz.

Das Handy liegt am Wegesrand - ausgeschaltet

Kameraden der freiwilligen Feuerwehr haben das Handy des 31-Jährigen in der Critzumer Straße gefunden. Ausgeschaltet, am Wegesrand. Der Bremer Profiler Axel Petermann vermutet, dass das Mobiltelefon Lars Wunder aus der Tasche gefallen ist. Vielleicht wurde es auch weggeworfen. Die Polizei schickte einen Personensuchhund auf die Spur: Der Mantrailer musste hinter Midlum aufgeben.

Meike Wunder aber gibt nicht auf. Zu Weihnachten postete sie abermals das Foto ihres Mannes mit dem Aufruf. 51 236 Mal wurde der Beitrag geteilt. Wieder ergab sich kein entscheidender Hinweis. „Wir suchen, bis wir ihn finden“, sagt sie in die Kamera. Die Arzthelferin kann sich das Verschwinden ihres Mannes nicht erklären. Dass er einfach abgehauen sein könnte, kommt für sie nicht infrage. „Er ist ein Familienmensch“, sagt sie. Eher glaubt Meike Wunder an einen Unfall oder ein Unglück.

Verbrechen nicht ausgeschlossen

Die Polizei in Leer schließt ein Verbrechen nicht aus. Sprecherin Kristina Eckert erinnert an den Fall Christoph Hackmann. Der 20-Jährige aus dem Emsland war 2014 in Leer nach einem Besuch des Weihnachtsmarktes verschwunden. Wochen später wurde seine Leiche im Leeraner Hafenbecken entdeckt. „Ich bin mir sicher, auch in diesem Fall gibt es eine Erklärung“, sagt die Polizeisprecherin. Bislang aber hätten die rund 50 Hinweise aus der Bevölkerung die Ermittler nicht weiter gebracht.

„Die Ungewissheit ist das Schlimmste“, sagt die Mutter des Vermissten. Bis heute habe sie nicht wirklich realisiert, dass es ihr Junge ist, den alle suchen. „Es ist so unwirklich“, sagt die Rheiderländerin. Hier im Grenzland zu Holland ticken die Uhren ohnehin anders. Hier gibt es noch so etwas wie eine Dorfgemeinschaft. „Alle haben nach ihm gesucht“, sagt Kea Wunder.

„Wir haben jeden Stein umgedreht“, bestätigt die Polizeisprecherin. Mit Hubschraubern, Sonarbooten und Hunden suchten nicht nur Polizisten nach Lars Wunder. Feuerwehrkameraden aus dem ganzen Rheiderland durchkämmten Wiesen und Gräben. Die Fischer aus Ditzum fuhren die Ems mit ihren Kuttern ab. „Die Hilfsbereitschaft ist enorm, die Anteilnahme groß“, bestätigt Kea Wunder – und ist doch lieber allein in der Einsamkeit am Emsdeich.

Suche auch bei Facebook

Laut Bundeskriminalamt in Wiesbaden gab es Anfang des Jahres mehr als 13.000 vermisste Personen in Deutschland. Täglich werden bis zu 300 Fahndungen erfasst und wieder gelöscht. Erfahrungsgemäß erledigten sich 50 Prozent der Fälle innerhalb der ersten Woche, binnen eines Monats 80 Prozent. Der Anteil der Personen, die länger als ein Jahr vermisst werden, liege bei drei Prozent. Bis zu 30 Jahre lang bleiben Personenfahndungen bestehen.

Meike Wunder wird nicht müde, auf Facebook nach ihrem Mann zu fragen. Kraft geben ihr die Familie und Freunde. Meike Wunders Vater, Herbert Mühlena, unterstützt seine Tochter bei der Suche. Er war es, der sich an Petermann wandte und ihn schließlich auch zu Lars Wunders Lieblingsplatz führte. Lieblingsorte sind für Petermann potenzielle Suizid-Orte. Einen Selbstmord aber kann sich die Familie von Lars Wunder überhaupt nicht vorstellen.


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Leserkommentare
holger_sell am 21.10.2019 13:11
Kretzschmar: Seit der Diskussion um den Brexit ist europaweit die Unterstützung für die EU gewachsen, sowohl in der Politik als auch in den ...
peteris am 21.10.2019 12:30
Vielleicht wissen wir am 1.11. um 11:11h mehr.


Sie meinen sicher den 11.11. um 11:11h?
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