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In historischem Viertel beginnen nach jahrelangen Protesten die Bauarbeiten
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Sanierung kommt in die Gänge

Berit Waschatz 10.10.2013 0 Kommentare

Gängeviertel in Hamburg
Das Hamburger Gängeviertel: Künstler bewahrten es durch Proteste vorm Abriss. Jetzt wird es saniert. (Stephan Pflug)

Enge Gassen schlängeln sich durch das Hamburger Gängeviertel. Sie führen in kleine Innenhöfe, die vom turbulenten Treiben der nahen Innenstadt völlig abgeschottet sind. Dicht an dicht schmiegen sich hier die ehemaligen Arbeiterhäuser aneinander. Ringsherum ragen moderne Glastürme in den Himmel. Beinahe hätte auch das historische Quartier neuen Bürokomplexen weichen müssen. Doch Künstler besetzten die maroden Häuser und brachten die Stadt dazu, das Gängeviertel zum Sanierungs- und Stadtumbaugebiet zu erklären. Jetzt rücken nach und nach die Handwerker an.

Zwar soll erst Ende Oktober das Bauschild feierlich enthüllt werden. Doch schon in den vergangenen Tagen haben die ersten Bauarbeiten begonnen. In den nächsten acht Jahren sollen alle 13 Gebäude des Gängeviertels saniert werden. Zunächst werden zwei Wohnhäuser in der Caffamacherreihe modernisiert. Nach eineinhalb Jahren Bauzeit sollen hier 13 Wohnungen und fünf Gewerbeeinheiten bezugsfertig sein.

Im Frühjahr 2014, so der Plan, beginnt die Sanierung der „Fabrique“. In dem Industriegebäude wurden früher Gürtel und Schnallen hergestellt. Künftig soll es Mittelpunkt des Quartiers sein und es mit kulturellen und sozialen Angeboten beleben. Für die Sanierung der „Fabrique“ wurden EU-Fördermittel beantragt. Insgesamt kostet die Sanierung des historischen Gängeviertels rund 20 Millionen Euro. Davon übernimmt die Stadt 15 Millionen. Die restlichen fünf Millionen Euro will die Stadterneuerungsgesellschaft Hamburg (steg) am Kapitalmarkt aufnehmen.

Insgesamt soll aus dem Gängeviertel ein lebendiges, innerstädtisches Quartier werden, das für alle gesellschaftlichen Strömungen offen ist. Konkret sind in den 13 denkmalgeschützten Häusern 79 preiswerte Wohnungen sowie 21 Ateliers und Ausstellungsräume geplant. Dabei unterliegen die Wohnungen 21 Jahre lang einer Mietpreis- und Belegungsbindung. Klassische Büros sind verboten. Langfristig will eine von den ehemaligen Besetzern gegründete Genossenschaft das Quartier übernehmen und verwalten.

Die Initiative „Komm in die Gänge“ hat damit ihre Forderungen gegenüber der Stadt durchgesetzt und den drohenden Abriss der inzwischen denkmalgeschützten Häuser verhindert. Sie hatte im Sommer 2009 das Gängeviertel besetzt, nachdem die Stadt das Quartier an einen niederländischen Investor verkauft hatte. Dieser wollte die Häuser weitestgehend abreißen und durch Büroneubauten ersetzen.

Doch durch die Besetzung und die daraus resultierende öffentliche Diskussion sah sich die Stadt gezwungen einzulenken. Sie einigte sich mit dem Investor auf die Rückabwicklung der Verträge und erstattete ihm einen Teil der Aufwendungen – insgesamt knapp 2,8 Millionen Euro. Danach legte sie den Streit mit den Besetzern bei und erarbeitete mit ihnen ein Integratives Entwicklungskonzept.

Inzwischen beschreibt STEG-Geschäftsführer Hans-Joachim Rösner die Kooperation mit den Ex-Besetzern als konstruktiv. „Natürlich wird auch mal heftig gestritten – vor allem wenn es um Geld geht.“ Und einige hätten noch immer grundsätzliche Vorbehalte wegen der Zusammenarbeit mit der Stadt. Rösner: „In der Summe kommen wir aber gemeinsam gut voran.“


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Leserkommentare
theface am 18.10.2019 20:54
Das kann so nicht stimmen, sonst wären SPD und Grüne ja nicht mehr in der Landesregierung.
Opferanode am 18.10.2019 20:48
Ich hatte die gleiche Frage. Aber eine vernünftige Antwort würde mir besser gefallen, als so schulmeisterlich daherzukommen, mit der Aufforderung, ...
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