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„Vom Junkie zum YouTuber“
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Buxtehuder Internet-Star Montanablack stürmt die Bestseller-Listen

Sven Husung 20.04.2019 0 Kommentare

Platz eins der Sachbuch-Charts: Es läuft gut für den Buxte­huder Internet-Star Marcel Eris mit dem Pseudonym Montanablack.
Platz eins der Sachbuch-Charts: Es läuft gut für den Buxte­huder Internet-Star Marcel Eris mit dem Pseudonym Montanablack. (Sven Husung)

In seinem neongrünen Lamborghini brettert Marcel Eris alias Montanablack über die A 26 zwischen Stade und Buxtehude. Auf und ab, der erfolgreiche Youtuber testet sein neues Spielzeug. Drückt aufs Gaspedal, lässt den Motor des italienischen Sportwagens aufheulen. Das PS-Spektakel bekommt irgendwann die Polizei mit, winkt den 31-Jährigen raus. „Ich hatte einfach Lust auf ’ne Polizeikontrolle. Ne Polizeikontrolle gehört für mich zu einem schönen Auto einfach dazu“, wird er später seinen Fans in einem Video auf der Internetplattform Youtube erzählen.

Es sind diese prollig anmutenden Sprüche, die die Fans von Montanablack – auch Monte oder Monti genannt – erwarten. Marcel Eris lebt von seinem Image als böser Bube. In seinen Videos sitzt er für gewöhnlich im Unterhemd und mit Goldkette geschmückt vor dem Computer, kloppt provokante Sprüche. Was beim älteren Publikum fassungsloses Kopfschütteln auslöst, begeistert die Zehn- bis 20-Jährigen.

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Fast zwei Millionen Abonnenten folgen ihm mittlerweile bei Youtube, beim Live-Streaming-Portal Twitch ist er mit 1,5 Millionen ­Zuschauern der erfolgreichste Videospieler Deutschlands. Die Faszination der sogenannten Let’s Plays – das Vorführen und Kommentieren von Computerspielen – erklärt Judith Ackermann, Professorin für digitale Medien von der Fachhochschule Potsdam, mit dem Reiz aus der Kombination von Spielhandlung und sprachlicher Rahmung durch die Spieler über einen langen Zeitraum hinweg. Montanablack habe „sehr viel richtig gemacht, weil er sich über das Thema Gaming eine sehr aktive Fan-Gemeinde erarbeitet hat und diese intensiv an seiner (vermeintlichen) Persönlichkeit und seiner teilweise schwierigen Vergangenheit teilhaben lässt“. Seine Zuschauer bewundern seinen Aufstieg oder betrachten ihn kritisch. Aber sie bleiben dran.

Die Zuschauerzahl beschert ihm monatlich Einnahmen zwischen 30.000 und 80.000 Euro allein durch Youtube. Hinzu kommen Twitch, Werbung und Merchandising. Das ergibt Summen, bei denen mancher Otto Normalverdiener vor Neid erblasst.

Autobiografie wird zum Bestseller

Mit seinem Buch „MontanaBlack: Vom Junkie zum YouTuber“ ist nun eine weitere Einnahmequelle hinzugekommen. Schon vor der Veröffentlichung Anfang April schoss die Autobiografie auf Platz eins der Charts des Onlineversandhändlers Amazon und führt nun die zweite Woche in Folge die „Spiegel“-Bestseller-Liste Sachbuch an – aktuell vor dem Neueinsteiger „Der Ernährungskompass“. Zu einer Signierstunde in Lübeck vor einigen Tagen pilgerten mehrere Tausend Jugendliche zu einer Buchhandlung, um den Internetstar persönlich zu treffen und ein gemeinsames Bild zu machen.

Dass das Buch in die Bestseller-Listen einsteigen würde, hatte Eris einkalkuliert. Das Ausmaß des Erfolges übertrifft jedoch seine Erwartungen. „Ich finde es sehr interessant, wie viele Leute das Buch lesen. Auch Leute, die sich sonst nicht gerade als Monte-Zuschauer outen und die Videos schauen.“ Dass sich nun auch ein Youtube-fernes Publikum mit ihm und seinem Leben befasse, sei für ihn „ein cooles Gefühl“. Besonders freut ihn, dass viele Buxtehuder zu dem Buch greifen. Marcel Eris schwärmt für seine Heimatstadt, genießt das freundliche Miteinander.

Wortkonfetti
Als es Sandra Lachmann vor rund neun Jahren nach Bremen verschlug, wusste sie nur wenig über ihre neue Heimat, und auch eine Suche im Internet machte die 37-Jährige nicht wirklich schlauer: Sie fand dort keine Lokale, die nicht in Reiseführern gelistet waren, und auch die besonderen Orte, die sich von anderen abheben, konnte sie dort nicht ausfindig machen.
Daraufhin gründete sie 2009 ihren Blog Wortkonfetti, auf dem sie Bremen so zeigt, wie Einheimische es erleben. Seit sie ihren Lütten hat, wie sie ihren Sohn liebevoll nennt, stehen auf ihrem Blog vor allem auch Orte im Fokus, die Eltern mit ihren Kindern erkunden können - von Hamam über Breminale bis Kunsthalle.
Kistengrün
Kartoffeln, Kapuzinerkresse, Salat, Bohnen, Tomaten - all das wächst auf dem Balkon von Melanie Öhlenbach, dabei ist er nur knapp sechs Quadratmeter groß. Wie sie das macht, welche Gemüsesorten sich auch auf engem Raum mitten in der Stadt anbauen lassen und was sich aus der Ernte alles zubereiten lässt, zeigt sie auf ihrem Blog Kistengrün.
Dort dreht sich alles um grüne Themen: vom Samen-Ziehen und Anpflanzen über Reise- und Ausflugsberichte bis hin zu Buchtipps. Und nicht nur ihr Gartenwissen gibt sie gerne an andere weiter, sondern auch ihr Know-how über Blogs:
Fotostrecke: Diese Blogs aus Bremen sollten Sie kennen

Schon seit Jahren spricht Eris offen in einer Videoreihe über seine Fehltritte und Drogenmissbrauch, diese „Therapie für die Seele“ hätte er am liebsten in Form eines Rapsongs fortgeführt. Weil ihm dazu das Talent fehle, sei es eben ein Buch geworden. Das Ergebnis der Zusammenarbeit mit dem Journalisten Dennis Sand liest sich unaufgeregter als zu erwarten war. Abgesehen von einigen Passagen wie dem pathosreichen Einstieg „Es ist die Hoffnung, die uns Menschen auch in unseren dunkelsten Stunden am Leben hält“ führt Eris in ruhigem Ton durch seine Kindheit, Jugend und die Drogenzeit in Buxtehude bis hin zum Aufstieg als Youtube-Star. Das Ganze schildert er in einfacher Sprache, aber nicht primitiv. Tränen, Schwäche und Reue für seine Lügen vor allem seiner geliebten Oma gegenüber – das alles verschweigt er nicht.

Im Interview Mit den „Stader Tageblatt“ zeigt Marcel Eris, dass diese ernsthafte Seite nicht nur auf seinen Auftragsschreiber zurückzuführen ist. Er ist ein schlagfertiger Gesprächspartner, der mit seiner festen und vom Zigarettenrauch geformten Reibeisenstimme überzeugend wirkt. Und seinem Gegenüber sehr genau zuhört. Jemand, der auf einer Talkshow-Couch beim TV-Publikum auch mit einer kontroversen Meinung punkten könnte. „Digger“, „Ehrenbruder“ oder „Dully“ – Eris bleibt der Jugendsprache treu, schaltet im persönlichen Gespräch aber einen Gang runter.

„Klar bin ich ein Stück mehr Monte, wenn ich ein Youtube-Video mache. Klar macht man vor der Kamera noch mal einen Witz mehr“, sagt er. Ansonsten sei er sich treu geblieben. In seinem Buch schreibt Eris, dass er auf dem Markt von seiner Oma gelernt habe, eine bestimmte Version von sich zu präsentieren, um Waren zu verkaufen. In seinen Videos kehrt er seit zehn Jahren gerne seine prollige Seite hervor. Und die Unterhaltungsshow funktioniert. „Ich bin halt gern mal ein Assi“, sagt er dazu. Dass er Glück hatte, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, ist ihm bewusst.

Skandale gehören zur Geschichte

Auch Skandale gehören zur Geschichte von Montanablack. Zurzeit laufen Ermittlungen wegen illegaler Werbung für ein in Deutschland nicht erlaubtes Online-Casino. Auch mit Rassismus- und Sexismusvorwürfen sieht sich Montanablack konfrontiert. Im vergangenen Jahr schrieb er im Internet „Ich hasse Regen“ und deutete darauf hin, das letzte Wort rückwärts zu lesen. Also: „Ich hasse Neger.“ Ein dummer Spruch, für den er sich entschuldigt habe. „Es ist mir völlig egal, ob ein Mensch arm oder reich, schwarz oder weiß, gelb oder braun ist“, schreibt Eris.

So redeten Video- und Computerspieler unter sich, ohne darüber nachzudenken. Das Problem: Montanablack ist schon lange nicht mehr mit seinen Kumpels unter sich – ein junges Millionenpublikum hängt an seinen Lippen. Ob die Grenzüberschreitungen aus Naivität oder aus Kalkül passieren, bleibt sein Geheimnis. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass sich Marcel Eris im Gespräch auch Gedanken um die Sicherheit seiner Fans bei schlecht organisierten Live-Auftritten macht, vor seinem früheren Lebensstil warnt. Weiter hinten im Lamborghini-Video bricht er gar eine Lanze für die Arbeit der Polizei: „Stellt euch mal ein Land ohne Polizei vor. Die Polizei macht einen guten Job. Ich habe kein Problem mit der Polizei, solange die korrekt zu mir sind. Und das sind die meisten.“


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Leserkommentare
peteris am 21.10.2019 12:30
Vielleicht wissen wir am 1.11. um 11:11h mehr.


Sie meinen sicher den 11.11. um 11:11h?
suziwolf am 21.10.2019 12:19
Und dann ... @kretschmar -
[auch wieder] eine gemeinsame Währung -

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