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Elb-Link Fährgesellschaft in Geldnot

Justus Randt 15.11.2017 0 Kommentare

Elbfähre zwischen Brunsbüttel und Cuxhaven
Die Elb-Fährschiffe, als sie noch fuhren: Erst zwei, dann eins – jetzt keins. Angeblich soll der Betrieb zwischen Cuxhaven und Brunsbüttel im März wieder aufgenommen werden. Wenn das Unternehmen den Winter übersteht. (dpa)

Auf knapp 4000 Unterstützer hat es eine Online-Petition mittlerweile gebracht – Initiatorin Anja Möller und Mitstreiter aus Nah und Fern wollen, dass die Fährverbindung Cuxhaven-Brunsbüttel erhalten bleibt. Bernd Bässmann findet das gut. Er ist Geschäftsführer der Elb-Link Fährgesellschaft mbH, die  jede Hilfe brauchen kann.

Das Unternehmen bitte bei Landkreisen und Kommunen um finanzielle Unterstützung – leihweise. Rund 200.000 Euro aus der öffentlichen Hand sollen reichen als finanzieller Rettungsring ausreichen, um Elb-Link und die etwa 45 Beschäftigten über den Winter zu bringen – bis der Betrieb ab März mit einem Schiff wieder aufgenommen werden könne.

Dass das Geschäft erneut auf Grund zu laufen droht, wurde erst offenbar, als der Schiffsverkehr am 10. Oktober eingestellt wurde. Das Unternehmen ist Nachfolger der Elb-Link-Reederei, die im August 2015 mit zwei Schiffen an den Start gegangen war. Die Staatsanwaltschaft Stade ist dabei, dieser Tage die Ermittlungen wegen möglicher Insolvenzverschleppung gegen die damalige Geschäftsleitung abzuschließen.

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200.000 Euro seien „nicht viel, wenn man es durch vier teilt“, sagt Brunsbüttels Bürgermeister Stefan Mohrdieck. Bittbriefe sind auch an die Stadt Cuxhaven und an die Landkreise Cuxhaven und Dithmarschen gegangen. Ob der finanzielle Rettungsring wirklich ausgeworfen wird, ist allerdings fraglich.

„Es geht nicht um den Betrag, sondern um den Vorteil, den man dem Unternehmen verschaffen würde.“ Die nun erbetenen insgesamt 200.000 Euro seien der höchste Betrag, der nach europäischem Beihilferecht denkbar sei. „Wir denken ernsthaft darüber nach“, sagt Mohrdieck, „aber die Rechtsgrundlage ist kompliziert.“

Rechtsgrundlage soll geprüft werden

Auch Cuxhavens Oberbürgermeister Ulrich Getsch stellt sich die Frage: „Kann man einem Wirtschaftsunternehmen so eine Hilfe geben?“ Ursprünglich sei sogar von deutlich mehr als 200.000 Euro die Rede gewesen. Getsch will  die Sache mit seinem Kollegen Mohrdieck abstimmen und die Rechtsgrundlage prüfen lassen. „Wir haben eigene Beihilfe-Experten aus dem Tourismusbereich.“

Der Verwaltungsausschuss der Stadt Cuxhaven hat das Thema an diesem Donnerstagabend auf der Tagesordnung. „Herr Bässmann ist eingeladen, um uns die Situation zu erläutern“, sagt Getsch. Der Oberbürgermeister „würde der Politik nicht empfehlen, so was zu machen“, sagt er mit Blick auf die monatelange Betriebsunterbrechung: „Wer schlummert, muss nicht unbedingt wieder aufwachen.“

Der Landkreis Dithmarschen, teilt dessen Sprecher Björn Jörgensen mit, „bedauert die wirtschaftliche Situation, in der sich die Elb-Link Fährgesellschaft aktuell befindet, da eine funktionierende Fährverbindung zwischen Brunsbüttel und Cuxhaven sowohl für die regionale Wirtschaft als auch für den Tourismus eine attraktive Alternative zu anderen Anreisewegen in unsere Region darstellt.“

In intensiven Gesprächen

Bereits in der vergangenen Woche habe der Hauptausschuss des Kreises das Fährthema erörtert. Ergebnis: Ein Darlehen oder eine Beihilfe wird es nicht geben. Es sei „nicht verantwortbar“, öffentliche Mittel zu gewähren, „wenn nicht erkennbar ist, dass nach dem Überbrückungszeitraum eine dauerhafte, wirtschaftlich tragfähige Lösung besteht.“

Die Absage, so Jörgensen, sei der Fährgesellschaft am Mittwoch übermittelt worden. Der Landkreis Cuxhaven, teilt das Vorzimmer des Landrats und der Dezernentin für Bau, Regionalentwicklung und Umwelt, Babette Bammann, mit, wolle erst das Beratungsergebnis des Kreisausschusses von Mittwochabend abwarten, bevor eine Aussage getroffen werden könne.

„Wir sind derzeit in intensiven Gesprächen mit Politik, Banken und möglichen Vercharterern mit dem Ziel, spätestens im Frühjahr wieder mit einem zukunftsfähigen Konzept den Fährbetrieb wieder aufzunehmen“, lautet die letzte Mitteilung der Fährgesellschaft, deren Geschäftsführer für eine Stellungnahme nicht zu erreichen war.

Betriebseinstellung kam für Kunden überraschend

Dass der Fahrverkehr abrupt endete, habe die Gespräche mit Investoren erschwert, hatte Bässmann im Oktober erklärt. Die Betriebseinstellung vor fünf Wochen kam für die Kunden überraschend. Ende September sei die Charter für das Fährschiff ausgelaufen, hatte Bernd Bässmann gesagt.

Dass die Eigner das Schiff aus dem Verkehr zog, sei für ihn „überraschend“ gekommen. Es sei vereinbart gewesen, „dass wir bis Mitte November weiterfahren können“. Christian Schulz, der für die Schiffseigner, die Shuttle Ferry Holdings Ltd. in Malta, die Verhandlungen mit der Fährgesellschaft führte, war bis zu deren Insolvenz selbst Geschäftsführer der Elb-Link-Reederei.

Fährverbindungen zwischen Brunsbüttel und Cuxhaven gab es schon mehrfach. Zuletzt pendelte die Elbe-Ferry von 1999 bis 2001 zwischen den Hafenstädten. Ihre Schiffe waren jedoch zu alt und vor allem zu groß für einen verlässlichen und rentablen Betrieb. Von 2001 bis zum August 2015 lag die Fährverbindung brach.

Weiterer Elbtunnel bei Drochtersen

Die Schiffsverbindung über die Außenelbe musst sich als dritte Elbquerung in einer relativ dünn besiedelten Region gegen die bereits bestehende Fährverbindung zwischen Wischhafen und Glückstadt und gegen den Hamburger Elbtunnel behaupten.

Ein Gutachten vom April 2014 war zu dem Schluss gekommen, dass eine Fährverbindung zwischen Brunsbüttel und Cuxhaven bei hoher Auslastung wirtschaftlich betrieben werden kann, wenn moderne Schiffe mit Flüssiggasbetrieb eingesetzt werden. Im Zuge des geplanten Baus der Küstenautobahn A 20 soll bei Drochtersen ein weiterer Elbtunnel entstehen.


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Leserkommentare
adagiobarber am 21.10.2019 18:36
viele kleine gelungene schritte ...

in eine verdiente, sichere zukunft.

glückwunsch.

manch' heimischer hat ...
bremenkenner am 21.10.2019 18:08
Leider sehen das hier sehr viele genau anders herum und sind im festen Glauben dass Afrika zig mal in Europa reinpasst. Und viele Afrikaner glauben ...
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