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Mehr als 40 Pferde verschwunden - wurden Tiere geschlachtet?

Justus Randt 03.03.2018 1 Kommentar

Wim Bob in Aktion. Ein Fotos aus besseren Zeiten. Seit seine frühere Besitzerin Beate L. dem Fuchswallach einen Altersruhesitz alsBeistellpferd gesucht hat, ist das Pferd verschwunden.
Wim Bob in Aktion. Ein Fotos aus besseren Zeiten. Seit seine frühere Besitzerin Beate L. dem Fuchswallach einen Altersruhesitz als Beistellpferd gesucht hat, ist das Pferd verschwunden. (privat)

Um die Jahreswende waren es 29, inzwischen sind es schon 43 Tiere, die einer Frau aus Beverstedt als Beistellpferde überlassen worden sein sollen. Ehemalige Besitzerinnen, die ihre Tiere gegen Auflagen und zum symbolischen Kaufpreis von einem Euro abgegeben hatten, verfolgen die Annoncen in Internetportalen – und zählen eins und eins zusammen: Niemand braucht so viele Pferde, nur damit seine „durchtrittige Zuchtstute“ nicht so allein ist. Und warum ist fast keines der Pferde jemals wieder aufgetaucht?

Es sei Besuchsrecht vereinbart worden, sagt Beate L. aus der Region Hannover. Ihren Fuchswallach Wim Bob, der in Beverstedt seinen Alterssitz haben sollte, hat sie nie wiedergesehen. Inzwischen haben Beate L.‘s Recherchen viele Betroffene zusammengeführt – und die Gewissheit genährt, dass das Leben der meisten Pferde nicht auf dem Ponyhof, sondern beim Schlachter endete.

Über den Austausch ehemaliger Pferdebesitzerinnen, die sich betrogen fühlen, war eine Martfelderin ihrem zwar abgegebenen, aber doch vermissten Tier auf die Spur gekommen: Statt in Beverstedt oder auf einem Reitvereinsgelände in Grasberg zu stehen, fand sich ihr Wallach zwei Wochen nach dem Besitzerinnenwechsel unter den Verkaufsangeboten eines Pferdehändlers im Kreis Vechta wieder, der das Tier an einen Kollegen weiterreichte. Dem kaufte die Martfelderin ihr Pferd schließlich wieder ab. Natürlich nicht für einen symbolischen Preis, sondern für 4000 Euro.

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Mit Hilfe ihrer Anwältin Iris Müller-Klein aus Schwarme, laut Selbstreferenz Fachfrau für Pferderecht, fordert die Martfelderin die 4000 Euro von der Käuferin aus Beverstedt zurück. Ein erster Termin beim Amtsgericht Geestland war Anfang Februar anberaumt. Inzwischen hat das Amtsgericht einen Beweisbeschluss verkündet. Zur Fortsetzung des Verfahrens und zur Beweisaufnahme durch Zeugenvernehmung, erklärt Amtsgerichtsdirektor Axel Döscher, sei jetzt ein weiterer Termin im Mai anberaumt. „Durch Beweisaufnahme soll geklärt werden, ob die Beklagte vorgetäuscht hat, das Pferd als Beistellpferd zu verwenden, obwohl sie von Anfang an vorhatte, das Pferd weiterzuverkaufen.“

Mehrere Strafanzeigen

„Meine Mandantin dachte zuerst, das sei ein Einzelfall. Sie wollte ihrem Pferd frühzeitig einen Alterssitz verschaffen, es sollte noch Verwendung finden“, sagt Iris Müller-Klein. „Das Pferd hat ein orthopädisches Problem, ist aber reitbar. Meine Mandantin hatte es zur Auflage gemacht, dass das Pferd nicht weiterverkauft werden darf.“ Die Anwältin geht davon aus, dass sich die Beverstedterin „gezielt Pferde erschlichen“ und einige „innerhalb von 24 Stunden“, andere später veräußert habe. „Ich halte das für vorsätzliche sittenwidrige Schädigung.“

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Die Staatsanwaltschaften Verden und Stade verfolgen derzeit mehrere Strafanzeigen gegen die Frau aus Beverstedt, eine Anzeige hat die Staatsanwaltschaft Hannover nach Stade abgetreten. Beate L. geht von 22 Anzeigen aus, die Behörden bestätigen halb so viele. Beate L. hat den symbolischen Kaufvertrag für Wim Bob angefochten, ihr Anwalt glaubt, dass der Straftatbestand der arglistigen Täuschung erfüllt sein könnte. Ein Ultimatum ist zu Jahresbeginn verstrichen, es droht die Klage. Beate L. hatte schon im Dezember befürchtet: „Die gesuchten Pferde sind vermutlich gewinnbringend als Reitpferde oder aber als Schlachtpferde veräußert worden.“

Anwältin Müller-Klein sieht das ähnlich. „Meine Mandantin ist die einzige, die ihr Pferd wiedergefunden hat. Ruckzuck sind die Pferde beim Schlachter, das machen viele. Das bringt 300 bis 500 Euro. Ich habe solche Fälle häufig. Wir sind zwar nicht so eine Pferdefleisch-Nation, aber Frankreich oder Italien …“ Für sie ist klar, dass unter den abgegebenen Pferden auch „viele alte und kaputte“ waren. „Die Leute können sich alte Pferde nicht mehr leisten. Die Politik spielt da eine große Rolle, wenn man sieht, dass erste Kommunen eine Pferdesteuer
erheben“, sagt Iris Müller-Klein. 30 Leute, glaubt sie, melden sich auf eine Annonce, wenn jemand ein Beistellpferd sucht. Kein Einzelfall also, was die Beverstedterin da mutmaßlich betrieben hat, aber: „Die hat es einfach übertrieben und ist zu gierig geworden.“

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Zwischenzeitlich hat auch Beate L. die Hoffnung aufgegeben, Wim Bob noch einmal zu sehen. „Auf die Frage, wie kann man sein altes Pferd vor solch einem Missbrauch schützen, gibt es nur eine Antwort: behalten und den letzten Weg selber gehen.“ Eine Auffassung, die Anwältin Müller-Klein teilt. „Die Tiere, die abgegeben wurden, waren teilweise 25 oder 26 Jahre alt. Meistens sind Pferde zur Lebensmittelgewinnung gedacht und zugelassen. Man muss den Leuten sagen: Diese alten Tiere braucht kein Mensch, sie sollten den Weg aller Wege gehen. „Und: Ja, ich habe selbst Pferde – und die verlassen den Hof mit den Füßen voran.“

Kooperation mit der Veterinärbehörde

Beate L. hofft derweil darauf, dass eine neue sogenannte Equidenpass-Verordnung, die die Erfassung von Pferden und die Pflichten der Eigentümer regelt, von den Veterinärbehörden intensiv durchgesetzt wird. Dann, meint sie, wäre aufgefallen, dass die Beverstedterin „kein einziges Pferd umgemeldet“ habe. Das ist einer von mehreren mutmaßlichen Verstößen, beispielsweise gegen die Viehverkehrsordnung, das Tierschutz- und das Tiergesundheitsgesetz, die Beate L. dem Kreisveterinäramt Cuxhaven angezeigt hat.

„Wir gehen den Hinweisen nach und arbeiten mit den Staatsanwaltschaften zusammen“, sagt Amtsleiterin Isabell Tolmien. Und weil auch ein im Landkreis Osterholz ansässiger Reitverein eine Rolle spielen könnte, bezieht die Kooperation die dortige Veterinärbehörde mit ein. „Das ist hochkomplex und berührt verschiedene Rechtsbereiche, wobei wir uns natürlich auf das Veterinärrecht beschränken.“

Unter den verschwundenen Tieren, weiß Beate L., seien auch ehemalige Reitpferde, die als nicht zum Verzehr geeignet gekennzeichnet sind, weil ihnen Medikamente verabreicht wurden. „Eine 15-jährige Traberstute war voll mit Cortison“ – sei aber möglicherweise geschlachtet worden.


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Leserkommentare
peteris am 19.10.2019 17:47
Das Affentheater geht also in die nächste Runde. ...
onkelhenry am 19.10.2019 17:00
Hallo @Suzi ....

Was Sie da immer so verstehen ;-)

Das erklärt auch, warum Sie so oft falsch liegen!

Ja zu ...
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