Wetter: Regen, 10 bis 18 °C
Nährstoffbericht
Der Artikel wurde zur Merkliste hinzugefügt.
Die Merkliste finden Sie oben links auf der Seite.

Niedersachsens Bauern düngen zu viel

Peter Mlodoch 24.04.2019 0 Kommentare

Viele Grundwasser-Gütemessstellen, auch die in Trinkwassergebieten, weisen eine bedenklich Nitratkonzentration von über 50 Milligramm pro Liter aus.
Viele Grundwasser-Gütemessstellen, auch die in Trinkwassergebieten, weisen eine bedenklich Nitratkonzentration von über 50 Milligramm pro Liter aus. (Philipp Schulze/dpa)

Nach wie vor kippen Niedersachsens Landwirte deutlich mehr Gülle und Industriedünger auf ihre Felder und Äcker, als dort eigentlich benötigt werden. Das ergibt sich aus dem neuen Nährstoffbericht, den Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) am Mittwoch in Hannover vorgestellt hat. Zwischen Juli 2017 und Juni 2018 betrug der Überschuss an Stickstoff fast 50 000 Tonnen.

Sieben Landkreise im tierhaltungsintensiven Westen reißen die zulässige Obergrenze für den Nährstoff: In Ammerland, Cloppenburg, Emsland, Grafschaft Bentheim, Oldenburg Rotenburg und Vechta fallen trotz der Verbringung von Gülle-Teilmengen in andere Regionen teilweise deutlich mehr als die erlaubten 170 Kilogramm Stickstoff pro Hektar an. Während der Überschuss landesweit insgesamt um 18.000 Tonnen sank, stieg er hier noch einmal deutlich an.

Fünf hoch belastete Landkreise

Ähnlich sieht es bei Phosphat aus. Insgesamt reduzierte sich der Überhang zwar um 6300 auf 23.700 Tonnen. Doch die Zahl der hoch belasteten Landkreise, die die erlaubte Grenze von 18 Kilogramm pro Hektar überschreiten, stieg von vier auf fünf an: Zu den Sündern zählen hier ebenfalls die Kreise Cloppenburg, Emsland, Grafschaft Bentheim, Oldenburg und Vechta. Sechs weitere Landkreise sind Kandidaten, wenn der Phosphat-Höchstwert auf zehn Kilo fällt.

Folge der Überdüngung: Viele Grundwasser-Gütemessstellen, auch die in Trinkwassergebieten, weisen eine bedenklich Nitratkonzentration von über 50 Milligramm pro Liter aus. 21 der 37 Landkreise in Niedersachsen überschreiten den Grenzwert beim Sickerwasser. Will man diesen dort auf unter 50 Milligramm drücken, müsste man jährlich 56.000 Tonnen Stickstoff einsparen.

Mehr zum Thema
Kommentar zur Überdüngung der Äcker: Es stinkt zum Himmel
Kommentar zur Überdüngung der Äcker
Es stinkt zum Himmel

Wenn Massentierhalter ihre Gülle nicht mehr ordnungsgemäß entsorgen können, müssen sie eben ihre ...

 mehr »

„Wir haben es mit einer jahrzehnteamten Last zu tun, die zunehmend zu einem gesamtgesellschaftlichen Problem wird“, erklärte die Ministerin. Sie hoffe, den Stickstoff-Überschuss in drei Jahren auf Null zu senken. „Wir sind auf dem richtigen Weg.“ Konkrete Schritte nannte Otte-Kinast allerdings nicht; sie bot den Bauern Unterstützung an und sprach sich für eine genaue Erfassung der Düngermengen und Gülle-Transporte aus.

Vor einem Jahr hatte die Ressortchefin noch die Ausweisung von Risikogebieten mit scharfen Kontrollen und in letzter Konsequenz auch harten Sanktionen für Landwirte, die gegen die Vorschriften verstoßen, angekündigt. Auch die Reduzierung von Tierbeständen bis hin zur Schließung einzelner Mastbetriebe schloss die CDU-Politikerin damals nicht aus.

Bund fordert mehr Initiative für den Gewässerschutz

„Die Ministerin ist ganz offensichtlich von der Agrarlobby zurückgepfiffen worden“, kritisierte die agrarpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, Miriam Staudte. „Statt aktiv gegen die Verseuchung unserer Gewässer vorzugehen, verkündet sie nur, weiter Daten sammeln zu wollen.“ Auch der Bund für Umwelt und Naturschutz (Bund) forderte die rot-schwarze Landesregierung auf, endlich mehr für den Gewässerschutz zu tun.

Die von der Ministerin gelobte Reduktion des Mineraldüngers sei vor allem auf die Trockenheit im vergangenen Jahr zurückzuführen. Langfristig führe kein Weg an geringeren Tierbeständen vorbei. Druck kam auch vom Koalitionspartner. Umweltminister Olaf Lies (SPD) forderte die konsequente Reduzierung des Düngereinsatzes. „Beim Grundwasserschutz in Niedersachsen ist es teilweise bereits fünf nach zwölf.“

Mehr zum Thema
Überschuss von 50.000 Tonnen: Erneut zu viel Dünger auf den Äckern in Niedersachsen
Überschuss von 50.000 Tonnen
Erneut zu viel Dünger auf den Äckern in Niedersachsen

Zu viel Dünger auf den Äckern ist ein Problem für Flüsse, Seen und das Grundwasser. Die Vorgaben ...

 mehr »

Ein Artikel von
Sonderthemen aus der Region
Sonderthemen aus der Region
Sport aus der Region
Sport aus der Region
WESER-KURIER Kundenservice
Anzeige

Ihr Wetter in Bremen
Temperatur: 18 °C / 10 °C
Vormittag:
/__wetterkontor/images/wr/50/Regen.png
Nachmittag:
/__wetterkontor/images/wr/50/wolkig.png
  Regenwahrscheinlichkeit: 90 %
Leserkommentare
heinmueckausbremerhaven am 21.10.2019 20:47
Es gibt nur eine Chance wieviel Artikel beschrieben. Und jetzt schwindet mit dem Artikel von Stefan Rahmstorf das Argument, dass die BRD nur für ...
Bremen99 am 21.10.2019 20:41
Das Parken in Wild-West-Manier rund um den Freimarkt hat Tradition. Vor über 40 Jahren konnte man auch schon regelmäßig beobachten wie dreiste ...
Veranstaltungen in der Region