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„Quoten sind nur Trostpflaster“

Marc Hagedorn 11.05.2019 0 Kommentare

Es muss den Frauen jetzt mal egal sein, ob der Pfarrer sie lobt oder in dem Moment böse guckt.
Es muss den Frauen jetzt mal egal sein, ob der Pfarrer sie lobt oder in dem Moment böse guckt. (Patrick Pleul/dpa)

Frau Florin, was passiert da gerade unter dem Motto Maria 2.0?

Christiane Florin: Maria 2.0 ist ein Zeichen dafür, dass die Frauen in der katholischen Kirche es satt haben, sich still und demütig ehrenamtlich in den Dienst der Kirche zu stellen. Sie haben es satt, dass sie von Klerikern ihren Platz zugewiesen bekommen, und dass sie dankbar zu sein haben für jedes Mini-Schrittchen zu mehr Gleichberechtigung.

Bahnt sich da ein Aufbruch an?

Der Druck von der Basis war lange Zeit nicht stark. Mein Buch „Weiberaufstand“ (es ist 2017 erschienen, Anm. d. Red.) heißt so, weil es bisher keinen Weiberaufstand gab. Aber jetzt tun sich Frauen zusammen und sagen: Wir treten nicht aus der Kirche aus, wir bleiben da, aber wir ermächtigen uns selbst. Wir machen eigene Gottesdienste, wir machen uns von den Klerikern unabhängig.

Wie schwer fällt dieser Schritt?

Es ist Katholikinnen anerzogen worden, dafür zu sorgen, dass der Laden läuft. Es fällt nicht leicht, mit diesen Erwartungen zu brechen. Aber es muss den Frauen jetzt mal egal sein, ob der Pfarrer sie lobt oder in dem Moment böse guckt. Das Rollenbild der Frau in der katholischen Kirche hat viel mit Maria, der Mutter Gottes, zu tun: Die Frau hat demütig zu sein, ihr Schicksal zu ertragen. Frauen hatten lange Zeit nur die Wahl zwischen dem Role Model Jungfrau oder Gattin und Mutter. Sie galten rund 2000 Jahre lang in der Kirche als minderwertig, und diese Vorstellung schleppt das katholische Lehramt bis heute mit, auch wenn Päpste und Bischöfe das nicht mehr so ausdrücklich aussprechen wie früher. Wir haben es in der katholischen Kirche mit einer institutionalisierten Diskriminierung von Frauen zu tun.

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Es gibt in der katholischen Kirche inzwischen Quoten für Frauen in Führungspositionen. Bewegt sich da was?

Quoten sind nur ein Trostpflaster, ein Ablenkungsmanöver von der Weihefrage. Ohne Weihe gibt es nun mal keine Gleichberechtigung. Wenn man qua Geschlecht keinen Zugang zu bestimmten Stellen hat, dann ist das diskriminierend. Diese grundsätzliche Benachteiligung spüren viele Frauen, nicht nur die wenigen, die sich zum Priesterinnenamt berufen fühlen. Eine solche Diskriminierung schafft man nicht ab, indem man den Weg zu anderen Posten öffnet. Denn wenn es um entscheidende Fragen geht, machen geweihte Männer die Tür hinter sich zu und auch die Frauen in Führungspositionen bleiben draußen.

In den Interviews für Ihr Buch haben Gesprächspartner Sätze gesagt wie: „Man kann eher ein Stück Holz weihen als eine Frau“. Wer sagt so etwas?

Die hohen Würdenträger ziehen sich bei der Frage nach der Weihe für Frauen auf das päpstliche Wort von Johannes Paul II. von vor 25 Jahren zurück, der sagt: Es ist entschieden, die Kirche hat keine Vollmacht, Priesterinnen zu weihen. Der Satz mit dem Stück Holz kam von einem Theologiestudenten. Ansonsten prägen im Internet betonkatholische Blogger und Bloggerinnen den Diskurs. Und da heißt es dann zum Beispiel: „Männer können eben keine Kinder bekommen und Frauen nicht die Priesterinnen-Weihe. Das ist nur gerecht“.

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Abschließend: Welche Wucht kann Maria 2.0 entwickeln?

Die Resonanz ist groß. Die Aktionen, die für die nächsten Tage geplant sind, sind praxisnah. Diese Woche bringt eine produktive Unruhe in die Gemeinden hinein. Es bewegt sich etwas, was wiederum nicht heißt, dass sich die Kirchenleitung bewegt.

Das Gespräch führte Marc Hagedorn.

Zur Person

Christiane Florin ist Politikwissenschaftlerin und Journalistin. Florin, Jahrgang 1968, war Redaktionsleiterin bei „Christ und Welt“ und arbeitet seit drei Jahren als Redakteurin beim Deutschlandfunk. Sie hat das Buch „Weiberaufstand – Warum Frauen in der katholischen Kirche mehr Macht brauchen“ geschrieben.


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