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Schulterschluss gegen den Wolf

Justus Randt 26.09.2018 3 Kommentare

Künftig sollen Wölfe nur noch im Tierpark – wie auf dem Foto – sicher sein: Niedersachsen will dem Raubtier an den Pelzkragen.
Künftig sollen Wölfe nur noch im Tierpark – wie auf dem Foto – sicher sein: Niedersachsen will dem Raubtier an den Pelzkragen. (Sebastian Gollnow/dpa)

In Sachen Wolf hat der Wind in Niedersachsen gedreht. Mit dem Beschluss des Landeskabinetts, eine „Initiative zum Umgang mit dem Wolf“ in den Bundesrat einzubringen, wird vor allem eines angestrebt: Das Ende der Bedingungslosigkeit, mit der das erst allmählich wieder in unseren Breiten heimische Wildtier durch das Naturschutzgesetz geschützt wird – obwohl mit „Kurti“ schon vor Jahren ein auffälliger Wolf in Niedersachsen getötet worden war. Mit wachsender Population wird der Wolf mehr und mehr als Räuber gesehen, der Weidetiere reißt und dem manche Schlimmeres zutrauen: Angriffe auf Menschen.

In der vergangenen Woche hatte mutmaßlich ein Wolf ein Alpakaschaf in Heemsen im Landkreis Nienburg gerissen – in der Nähe eines Kindergartens. Laut einem Bericht der Lokalzeitung „Die Harke“ sind die Eltern „so verängstigt, dass sie überlegen, den Kindergarten in Eigenregie einzuzäunen“. Tags darauf wurde im selben Ort ein Kalb gerissen.

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Dirk Toepffer, Vorsitzender der CDU-Fraktion im Landtag, hatte daraufhin gefordert, es müsse schnell geklärt, werden, wie mit den Wölfen im Landkreis Nienburg verfahren werden solle: „Die Bürger in den betroffenen Gebieten verlangen zu Recht, dass der Schutz ihrer Kinder und auch der ihrer Nutztiere höchste Priorität hat. Wir werden nicht dabei zusehen, wie Kindergärten und Schafsherden weiträumig umzäunt werden, damit der Wolf in Freiheit leben kann.“

Diese Sicht auf den Wolf macht sich mittlerweile auch Umweltminister Olaf Lies (SPD) zu eigen: „Die Rückkehr des Wolfes stellt vor allem die Menschen auf dem Lande vor neue Herausforderungen. Deshalb ist die Akzeptanz gerade dort der Schlüssel für den erfolgreichen Artenschutz eines großen Beutegreifers wie dem Wolf“, heißt es in einer Mitteilung des Ministeriums zum Kabinettsbeschluss vom Dienstag. „Ein bedingungsloser Schutz auch problematischer Wölfe würde jedoch in eine Sackgasse führen.“ Ein in allen Bundesländern abgestimmtes Vorgehen und entsprechende Rechtssicherheit seien unabdingbar. „Dafür wollen wir im Bundesrat werben“, sagt Lies.

Drei illegal getötete Wölfe in Niedersachsen

Für CDU-Fraktionschef Dirk Toepffer ist ohnehin klar: „Der Abschuss des Wolfes ist dort, wo keine anderen Abwehrmaßnahmen zielführend sind, die einzige richtige Antwort auf die zunehmende Bedrohung.“ Darüber hatte zuletzt und mit Vehemenz die Vereinigung Deutscher Landesschafzuchtverbände geklagt. Deren Sprecher, Wendelin Schmücker aus Winsen, hatte demonstrativ einen Waffenschein beim Landkreis Harburg beantragt. Die Schäfer sähen ihre Bewaffnung als letzte Option – weil der Staat versagt, hatte Schmücker vor vier Wochen mitgeteilt.

Zu diesem Zeitpunkt, Ende August, war just aus dem Landkreis Lüneburg bekannt geworden, dass ein erschossener Wolf auf einem Rübenacker gefunden wurde. Es ist bereits der dritte illegal getötete Wolf in Niedersachsen in diesem Jahr. 15 Tiere starben seit Jahresbeginn im Verkehr. Sobald der Fortbestand des Wolfes nicht länger gefährdet sei, gehöre der Wolf, wie jedes andere Wildtier auch, ins Jagdrecht aufgenommen, fordert Toepffer.

Woran lässt sich ein Wolf erkennen? 
Wölfe sind ungefähr so groß wie Schäferhunde. Ihr Fell ist grau-braun und unterhalb der Schnauze weiß. Der Schwanz ist kurz und hat eine schwarze Spitze.
Nicht wegrennen.
Den Wolf beobachten und, wie zu anderen Wildtieren auch, respektvoll Abstand halten. Wer sich unwohl fühlt, kann sich langsam mit Blickrichtung zum Tier zurückziehen. 
Wer eine Kamera dabei hat, kann den Wolf fotografieren, das hilft den Experten bei der Identifizierung.
Ruhig bleiben.
Wenn das Tier den Menschen bemerkt, wird es sich in der Regel zurückziehen. Dazu muss man ihm Zeit und Raum lassen. Der Wolf flüchtet meistens nicht panisch, sondern trabt langsam davon und dreht sich dabei eventuell noch einige Male um.
Fotostrecke: Das ist zu tun, wenn Sie einem Wolf begegnen

Raoul Reding, Wolfsbeauftragter der Landesjägerschaft Niedersachsen, kann der Bundesratsinitiative zumindest aus dieser Perspektive etwas abgewinnen: „Aus Sicht des fachlichen Wildtiermanagements wäre es eine tolle Sache, wenn es eine einheitliche Richtlinie gäbe.“ In Niedersachsen befinde sich derzeit einer der Verbreitungsschwerpunkte des Wolfs in Deutschland, sagt Lies.

Ein bundesweites Wolfskonzept, wie es dem Minister vorschwebt, könne von Lösungsansätzen anderer EU-Mitgliedsstaaten profitieren. So könne etwa der in Frankreich eingeschlagene Weg als Beispiel dienen. Dort, so Lies, könne sich die Wolfspopulation „kontrolliert in Richtung eines günstigen Erhaltungszustandes entwickeln.“ In Frankreich wird – mit Stand vom Frühjahr – von insgesamt rund 52 Wolfsrudeln ausgegangen, jährlich sollen laut Managementplan zehn Prozent des Bestandes getötet werden, 40 in diesem Jahr.

In Niedersachsen sind laut Raoul Reding derzeit 20 Rudel und drei Wolfspaare in 23 Territorien nachgewiesen, insgesamt 200 bis 250 Tiere. Bundesweit, so sieht es die Initiative vor, solle der Erhaltungszustand des Wolfes künftig jährlich „und nicht nur alle sechs Jahre überprüft und berichtet werden“. Ein nationales Herdenschutzzentrum könne bundesweit Erfahrungen zusammentragen, Weidetierhalter sollen zusätzliche Unterstützung erhalten.


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Leserkommentare
theface am 18.10.2019 20:54
Das kann so nicht stimmen, sonst wären SPD und Grüne ja nicht mehr in der Landesregierung.
Opferanode am 18.10.2019 20:48
Ich hatte die gleiche Frage. Aber eine vernünftige Antwort würde mir besser gefallen, als so schulmeisterlich daherzukommen, mit der Aufforderung, ...
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