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„Wir hatten den Hafen mitten in der Krise eröffnet“

Jürgen Hinrichs 20.03.2019 0 Kommentare

Der Jade-Weser-Port könnte in Richtung Norden erweitert werden. Eine Machbarkeitsstudie gibt es bereits. 
Der Jade-Weser-Port könnte in Richtung Norden erweitert werden. Eine Machbarkeitsstudie gibt es bereits.  (Jade-Weser-Port)

Herr Andersen, Sie sind von Beginn an dabei. Wie beurteilen Sie die Entwicklung im Jade-Weser-Port?

Mikkel Andersen: Der Start war schwierig. Wir haben den Hafen mitten in der Krise eröffnet, die Rahmenbedingungen hatten sich fundamental verändert, auch und gerade in der Schifffahrt. Aber das ist Geschichte. Mittlerweile bin ich zufrieden. Drei Jahre hintereinander ein zweistelliges Wachstum – das kann sich sehen lassen.

Wie wird es weitergehen? Wagen Sie eine Prognose?

Nein, das machen wir grundsätzlich nicht, das wäre bei so vielen Unwägbarkeiten nicht seriös. Was ich aber sagen kann, ist, dass die ersten beiden Monate in diesem Jahr sehr gut gelaufen sind. Die Chancen sind da, ein ähnliches Wachstum zu generieren wie in den Vorjahren.

Eurogate hat für den Tiefwasserhafen viel investiert. Auch wenn er jetzt offenbar ins Laufen kommt – Gewinne verbuchen konnten Sie noch nicht, oder?

Das stimmt, wir schreiben bisher keine schwarzen Zahlen. Unsere Gesellschafter sind aber keine Investmentbanker, die auf schnelle Rendite aus sind. Sie wissen, dass man manchmal einen langen Atem haben muss. Langfristig und schon auf mittlere Sicht wird der Jade-Weser-Port so funktionieren, dass Eurogate davon profitiert, da bin ich mir sicher. Es ist der Hafen für die Zukunft, weil die nautischen Bedingungen speziell für die großen Schiffe so gut sind. In der Hinsicht gibt es in Nordeuropa ja nur uns in Wilhelmshaven und Rotterdam.

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Glauben Sie, dass die Entwicklung bei den Schiffsgrößen so weitergeht?

Wir wissen, dass 50 dieser Mega-Carrier noch in den Orderbüchern steht. Der größte Frachter wird 24 000 TEU tragen können. Wieder ein Weltrekord. Ob das je enden wird? Ich weiß es nicht. Jedenfalls sind wir mit unserer Wassertiefe am Kai für alles gerüstet. Andere Häfen sind das nicht.

Sie haben vor einem Jahr angekündigt, zu ihren 400 Mitarbeitern im Verlauf von zwei Jahren weitere 200 Leute einstellen zu wollen.

Ja, und das ist gar nicht so einfach, wir müssen die Mitarbeiter schließlich selbst ausbilden und überhaupt erst einmal geeignete finden. Wir sind aber einigermaßen im Plan. 90 Stellen konnten bereits besetzt werden, hauptsächlich sind das Hafenarbeiter.

Die Arbeiter müssen unter anderem acht Containerbrücken bedienen. Aus Sicht von Nordfrost, des größten Gewerbebetriebs im Jade-Weser-Port, ist das zu wenig, um bei der Abfertigung von Schiffen flexibel agieren zu können. Eurogate wird dafür kritisiert. Zurecht? Angekündigt war ja tatsächlich das Doppelte, 16 Brücken.

Die Planung besteht weiterhin. Wir investieren aber bedarfsgerecht, und da ist es so, dass die bestehenden Brücken noch längst nicht ausgelastet sind. Wir könnten über sie das Doppelte und mehr abwickeln.

Nordfrost bleibt im Hafen stark präsent, investiert mittlerweile aber auch woanders, obwohl das Unternehmen in Wilhelmshaven noch freie Flächen hat.

Das hat aber nichts mit der Anzahl der Brücken zu tun. Ein Teil des Geschäfts von Nordfrost ist der Import von Obst und Gemüse. Die Ware kommt mit kleineren Schiffen aus Südamerika, und die legen bei uns nicht an, weil sie es traditionell eher in den Westhäfen tun. Nordfrost, so stark das Unternehmen auch aufgestellt ist, hat noch nicht die Größe erreicht, dass die Schiffe dafür extra nach Wilhelmshaven umziehen.

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Niedersachsen und Bremen, die beiden Eigentümer des Hafens, denken in Erwartung weit höherer Umschlagszahlen darüber nach, den Kai um das Doppelte zu verlängern. Wie sehen Sie das?

Planen kann man immer, zumal es in Deutschland in der Regel sehr lange dauert, bis gebaut werden kann. Ich wäre aber vorsichtig damit, das Projekt bereits konkret anzugehen. Die Hafenkapazitäten in Nordeuropa reichen aus, mehr brauchen wir derzeit nicht. Man muss auch sehen, dass die Zeiten vor der Krise, als es Zuwächse von bis zu zehn Prozent jährlich gab, wohl nicht wiederkommen werden.

Wie kommen Sie zu dieser Einschätzung?

Zwei Faktoren, nein, drei: Dass Ware weltweit in Containern transportiert wird, ist längst Standard, diese Entwicklung ist abgeschlossen und verspricht kein weiteres Wachstum. Ausgereizt ist auch das Phänomen der verlängerten Werkbank, dass also günstig in Asien produziert wird. Heute geschieht das oft wieder in Europa, weil mit Robotern gearbeitet werden kann und nicht mehr mit teurer menschlicher Arbeitskraft. Zuletzt ist es die Konsolidierung bei den Reedereien. Es gibt heute die großen Allianzen und begrenzte Chancen, mit ihnen ins Geschäft zu kommen.

 

Das Interview führte Jürgen Hinrichs.

Zur Person

Mikkel Andersen (41) ist Geschäftsführer von Eurogate in Wilhelmshaven. Der Däne hat an der Jade begonnen, als es den Tiefwasserhafen noch gar nicht gab.


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Leserkommentare
peteris am 19.10.2019 17:47
Das Affentheater geht also in die nächste Runde. ...
onkelhenry am 19.10.2019 17:00
Hallo @Suzi ....

Was Sie da immer so verstehen ;-)

Das erklärt auch, warum Sie so oft falsch liegen!

Ja zu ...
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