Anerkennung des Ehrenamts Niedersächsische Ehrenamtskarte findet großen Anklang

Lilienthal. Anerkennung für das Ehrenamt soll es geben und gerecht soll die sein. Darüber waren sich bei der Veranstaltung zur Ehrenamtskarte in der Gaststätte Rohdenburg alle Anwesenden einig. Ob die in Niedersachsen eingeführte goldfarbige Ehrenamtskarte dafür das richtige Medium ist, sollte der Abend, zu dem der CDU-Landtagsabgeordnete Axel Miesner eingeladen hatte, klären.
31.01.2010, 15:51
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Niedersächsische Ehrenamtskarte findet großen Anklang
Von Undine Zeidler

Lilienthal. Anerkennung für das Ehrenamt soll es geben und gerecht soll die sein. Darüber waren sich bei der Veranstaltung zur Ehrenamtskarte in der Gaststätte Rohdenburg alle Anwesenden einig. Ob die in Niedersachsen eingeführte goldfarbige Ehrenamtskarte dafür das richtige Medium ist, sollte der Abend, zu dem der CDU-Landtagsabgeordnete Axel Miesner eingeladen hatte, klären. Das Thema interessierte offenbar, fast alle Plätze im Saal waren besetzt.

'Die Ehrenamtlichen sind uns Gold wert', sagte Miesner mit Blick auf die seit 2007 von der Landesregierung angebotene, niedersachsenweit gültige Ehrenamtskarte.

Diese ermöglicht beispielsweise im ganzen Bundesland vergünstigte Besuche in öffentlichen Einrichtungen, wie Schwimmbad, Bibliothek oder Theater. Miesner befürwortet die Karte. Auf seinen Antrag hin wurde in der Gemeinde darüber diskutiert. Die Mehrheit der Lokalpolitiker setzte bisher jedoch auf die gemeindeeigenen Vergünstigungen für Ehrenamtliche. Nach den Beratungen im Fachausschuss prüft derzeit die Verwaltung die Einführung der Karte.

Der Abend sollte die anwesenden Vereinsvertreter über die Karte informieren. Zur Unterstützung hatte Miesner Thomas Böhme von der niedersächsischen Staatskanzlei aus Hannover eingeladen.

2,4 Millionen Menschen seien in Niedersachsen ehrenamtlich tätig, sagte Böhme. Die Ehrenamtskarte sei dabei 'Teil der sogenannten Anerkennungskultur'. Diese moderne Form im Scheckkartenformat brauche es laut Böhme, um auch junge Menschen für das 'bürgerschaftliche Engagement' zu begeistern. Bedenken hinsichtlich anfallender Kosten für die Karten zerstreute er.

Diese werde kostenlos von der Landesregierung zur Verfügung gestellt, gleichfalls Werbematerial und fachliche Unterstützung. Grundvoraussetzung sei, dass die Gemeinde mindestens zehn Vergünstigungen für die Karteninhaber anbiete - von öffentlicher und privater Seite.

Bisher wurden laut Böhme 4227 Karten ausgegeben. 600 Vergünstigungsangebote gebe es landesweit für deren Inhaber - abrufbar unter www.freiwilligenserver.de im Internet. Des Weiteren stehe es jeder Gemeinde offen, so Böhme, ihren Ehrenamtlichen zusätzliche Anerkennungen zukommen zu lassen.

Anerkennung, die über ein Schulterklopfen hinausgeht, mahnte auch Referent Egon Hastedt als Vorsitzender der Sportkonferenz an. Ohne die ehrenamtlich Tätigen, sei die Gemeinde ärmer sagte er. Nun gebe es zwar in Lilienthal Anerkennungsrichtlinien für den Sozialbereich und die Jugendarbeit, 'aber warum müssen die Bereiche Kultur und Sport ausgeklammert bleiben?', fragte Hastedt eindringlich. Seiner Ansicht nach bestehen in Lilienthal überdenkenswerte Ansätze für Vergünstigungen, die im Rahmen der Ehrenamtskarte angeboten werden können: 'Wir müssen nur erst die Karte in Lilienthal einführen.'

Dass selbst diese in der Sozial- und Jugendrichtlinie verankerten Vergünstigungen für Ehrenamtliche nicht in vollem Umfang gewährt werden, ergänzte der Vorsitzende des Seniorenbeirats, Detlef Stormer. Der Seniorenbeirat spreche sich grundsätzlich für die Ehrenamtskarte aus. Jedoch müsse realistisch eingeschätzt werden, was in Lilienthal an Vergünstigungen möglich sei. Er äußerte Zweifel, dass die Wirtschaftsbetriebe dabei mitmachen.

Der Vorsitzende der AG Kultur Lilienthal, Peter Geittner, sprach in seinem Referat vom Wandel im Ehrenamt. Früher habe das dazugehört, heute sei das anders. Es sei daher zu überlegen, wie Jüngere bewegt werden können, 'Verantwortung zu übernehmen'.

Ehrenamt bedeute nicht nur den Einsatz von Zeit, sondern auch von Geld. Die Ehrenamtskarte sei darum ein guter Ansatz, diese 'Tätigkeit für die Gesellschaft anzuerkennen'.

Laut Geittner begrüße es die AG Kultur, wenn die Gemeinde Lilienthal bereit sei, die Ehrenamtskarte einzuführen, gerade weil sie landesweit gelte. Uwe Kempf verfolgte den Abend in Doppelfunktion - als AWO-Vorsitzender und stellvertretender Bürgermeister.

Er stellte ebenfalls fest, dass die Anerkennung des Ehrenamts nach der Jugend- und Sozialrichtlinie 'nicht mehr zeitgemäß' sei, weil Sport und Kultur fehlen. Für die Weiterentwicklung 'könnte diese Karte eine Option sein', sagte er.

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