Initiative gegen Tetra-Strahlen in Lilienthal

Offenbar kein alternativer Standort für Funkturm

Lilienthal. Die Hoffnung der Bürgerinitiative "Lilienthal stoppt Tetra-Strahlen" ist auf ein Minimum gesunken. Ihrem Ziel, eine Standort-Alternative für den aufgestellten Tetra-Funkturm in der Edisonstraße zu finden, setzte die Projektgruppe Digitalfunk Niedersachsen jetzt ein klares Nein entgegen.
05.08.2010, 06:00
Lesedauer: 3 Min
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Offenbar kein alternativer Standort für Funkturm
Von Peter Hanuschke

Lilienthal. Seit Dienstagabend ist die Hoffnung der Bürgerinitiative 'Lilienthal stoppt TETRA-Strahlen' auf ein Minimum gesunken. Ihrem Ziel, eine Standort-Alternative für den aufgestellten TETRA-Funkturm in der Edisonstraße zu finden, setzte die Projektgruppe Digitalfunk Niedersachsen jetzt ein klares Nein entgegen. Genau diese Projektgruppe hatte der Initiative im Vorfeld aber Hoffnung gemacht. Sie hatte suggeriert, dass ein alternativer Standort nicht gänzlich ausgeschlossen sei - bei der Informationsveranstaltung werde auf diese Thematik eingegangen. Helfen kann der Initiative nun nur noch politischer Druck. Der soll sogar aufgebaut werden, kurioserweise von den Fraktionen, die mittelbar an der jetzigen Standortentscheidung beteiligt waren.

Axel Behnke hielt Wort und ging gleich zu Beginn auf die Thematik Standort ein. Der Polizeioberrat aus Hannover entschied sich dabei für die Taktik offenes Visier. Bei der Informationsveranstaltung im Borgfelder Landhaus, zu der die Initiative zusammen mit der Gemeinde eingeladen hatte und zu der etwa 200 Bürger kamen, ließ er keine Zweifel am jetzigen Standort aufkommen. Behnke, stellvertretender Projektleiter und zuständig für Taktik und Öffentlichkeitsarbeit, machte deutlich, dass es aus Sicht der Projektgruppe nicht einen einzigen Grund gebe, den Funkturm abzubauen. Der jetzige Standort sei optimal.

Schockstarre im Saal

Dass keiner der Bürger daraufhin den Saal verließ, war wohl auf eine Schockstarre zurückzuführen. Und offensichtlich lähmte Behnkes Taktik auch die Bürgerinitiative. Sprecher Christoph Zeidler und seine Kollegen auf dem Podium hatten eingangs klargestellt, dass die Initiative jedem der Gesprächsteilnehmer seinen Raum gebe und insgesamt auf Konsens setze - diesen grundsätzlich sehr löblichen Kurs zogen sie bis zum Ende durch, unbeirrt davon, dass die Projektgruppe Digitalfunk frühzeitig ein mehr als deutliches Signal gesendet hatte.

Unruhig wurde das Publikum bei dem sehr zeitintensiven Vortrag von Hauke Brüggemeyer. Der externe Berater der Projektgruppe, der für den Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz arbeitet, zitierte eine Studie nach der anderen - alle kämen zu dem gleichen Ergebnis, dass bei Berücksichtigung entsprechender Abstände keine Gefährdung des Menschen durch TETRA-Strahlung zu befürchten sei. Allerdings räumte Brüggemeyer ein, dass es keine belastbaren wissenschaftlichen Untersuchungen hinsichtlich einer Bestrahlung des Menschen über mehrere Jahre hinweg gebe.

Genau das kritisiert die Bürgerinitiative. Zudem nannte sie Untersuchungen, die eben zu anderen Ergebnissen kommen. Und gerade, weil es keine Langzeituntersuchungen gebe, so Zeidler, müssten solche Funktürme wesentlich weiter entfernt von Wohnbebauungen stehen. Grundsätzlich habe die Initiative nichts gegen dieses neue Digitalfunksystem, das die Kommunikation zwischen Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben - sprich Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten - verbessern soll und bundesweit eingeführt wird. In welchen Abständen TETRA-Funktürme zur Wohnbebauung stehen dürfen, darüber habe im übrigen letztlich die Politik entschieden - nicht explizit die Wissenschaft, ergänzte Brüggemeyer. Grundsätzlich müssten allerdings Grenzwerte eingehalten werden.

Behnke erläuterte im Verlauf der Sitzung außerdem, dass ein jetziger Ab- und Neubau nicht nur mehr als eine Million Euro kosten dürfte. Eine solche Entscheidung habe auch zur Folge, dass der neue Funkturm aus dem ganzen Auftragsbündel herausfalle und somit erst in 18 Monaten realisiert werden könne. Dazu ein Bürger, ein Polizist im Ruhestand, der sich für dumm verkauft fühlte: '18 Monate, was sind schon 18 Monate? Schon vor 30 Jahren wurde uns bei der Polizei versprochen, dass wir Digitalfunk bekommen sollten - 18 Monate Verzögerung machen da nichts mehr aus.'

Mehr Zeit würde auch der Initiative nichts ausmachen. Sie hat noch ein Fünkchen Hoffnung. Zeidler: 'Ich bin von Haus aus Optimist.' Ihre Hoffnung setzt die Initiative nun in die Lokalpolitiker. Heiner Haase (Grüne), Andrea Vogelsang (SPD) und Heidi Kupsch (FDP) sicherten ihre Unterstützung zu, Egon Hastedt (CDU) muss das nach eigenem Bekunden zunächst noch mit seiner Fraktion abstimmen. Dass der Baustopp, anders als bisher angenommen, nicht bis zum nächsten Jahr dauern könnte, ließ Behnke noch durchblicken. Wenn der aufgehoben sei, 'werden wir unmittelbar mit der technischen Ausrüstung des Turms beginnen.'

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