Absage für gesamten Landkreis Diepholz Verständnis für ausfallende Osterfeuer

Die Bürgermeister der Kommunen im Landkreis Diepholz haben auch für dieses Jahr die Osterfeuer komplett abgesagt. Bei den Organisatoren vor Ort stößt diese Entscheidung weitgehend auf Verständnis.
16.03.2021, 17:45
Lesedauer: 4 Min
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Verständnis für ausfallende Osterfeuer
Von Jürgen Juschkat

Osterfeuer gehören für viele zu dem Fest wie die Suche nach Eiern oder der Osterhase, auch wenn sie in den vergangenen Jahren aufgrund der Feinstaub-Belastung von zunehmend Menschen auch kritisch betrachtet werden. Aufgrund der Corona-Pandemie fiel das traditionelle Abbrennen aber bereits im vergangenen Jahr komplett aus. Und auch in diesem Jahr genehmigen die Kommunen des Landkreises Diepholz zu Ostern keine Brauchtumsfeuer. Darauf haben sich die Bürgermeister vor Kurzem verständigt (wir berichteten). Grund ist natürlich erneut die Corona-Lage, aufgrund derer Ansammlungen und Versammlungen nicht gestattet sind. Bei den Organisatoren der Traditionsveranstaltungen trifft diese Entscheidung aber weitgehend auf Verständnis.

„Wir als Ortsfeuerwehr Leeste hatten schon vor der Bürgermeister-Konferenz festgelegt, dass unser Osterfeuer auch in diesem Jahr nicht durchführbar sein wird", berichtet Ortsbrandmeister Jonas Baum von der Ortswehr Leeste der Freiwilligen Feuerwehr Weyhe. Schließlich sei der Osterräderlauf auf dem Mühlenkampgelände mit mehreren tausend Besuchern eine Großveranstaltung, zu der nach einem Jahr Corona-Pandemie vermutlich eher noch mehr Gäste kommen würden. "Die zu erwartenden Auflagen würden solch eine Veranstaltung für uns unmöglich machen", erklärt Baum. Vor einiger Zeit habe man dann auch bereits in der Runde aller Weyher Ortsfeuerwehren beschlossen, keine Osterfeuer in diesem Jahr zu veranstalten. "Für uns ist es zwar schade, diese traditionelle Veranstaltung nun schon zum zweiten Mal in Folge absagen zu müssen, aber mit Blick auf die übrigen Einschränkungen durch die Pandemie ist es wohl noch eine der kleineren Unannehmlichkeiten", sagt der Ortsbrandmeister.

Auch Rolf Soost, Schriftführer beim Förderverein Gut Varrel, zeigt Verständnis für die Entscheidung: „Die Absage durch die Bürgermeister kommt für unseren Verein nicht überraschend", sagt er. "Wegen der Corona-Abstandsregeln lässt sich unser Osterfeuer am Gut Varrel natürlich nicht durchführen." Denn auch bei dem wohl größten Osterfeuer in der Gemeinde Stuhr rechnen die Veranstalter normalerweise mit einer Teilnehmerzahl von etwa 3000 bis 5000 Gästen, die sich sowohl draußen als auch in der Gutsscheune aufhalten. "Aus diesem Grunde haben wir selbstverständlich auch keinen Genehmigungsantrag gestellt“, erklärt Soost, der den Ausfall des Brauchtumsfeuers aber bedauert. „Wir vermissen natürlich die Geselligkeit, die auch durch die Absage von allen Veranstaltungen am Gut Varrel leidet", sagt er.

Für den Förderverein Gut Varrel bedeutet die Absage des Osterfeuers aber auch finanzielle Einbußen: "Da wir den Aufbau und den Betrieb unseres Osterfeuers durch ehrenamtliche Mitglieder durchführen, entsteht natürlich auch ein Einnahmeverlust", erzählt er, betont aber gleichzeitig: "Wir lasten diese Absage aber nicht den Bürgermeistern an, sondern der Corona-Pandemie.“

Von der Entscheidung der Bürgermeister zeigt sich auch Volker Kammann, Fachbereichsleiter der Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen, nicht überrascht. „Wir haben hier bei der Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen bereits die Absage erwartet und im Vorfeld nach der Möglichkeit einer alternativen Entsorgung von Grünschnitt gesucht", erzählt er. So sei schließlich die Organisation der sogenannten Schreddertage ins Auge gefasst und zwischenzeitlich umgesetzt worden.

Dabei handelt es sich, wie berichtet, um ein Angebot, das nicht nur in diesem Jahr, sondern bis einschließlich 2023 als Pilotprojekt bestehen soll. An den drei Sonnabenden vor Ostern kann dafür in den vier Mitgliedsgemeinden der Samtgemeinde kostenlos Schnittgut abgegeben werden. Ziel ist es, die Osterfeuer auf die tatsächlich als Brauchtum zu definierenden öffentlichen Veranstaltungen von Vereinen und Verbänden zurückzuführen. „In der Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen wurden in der Spitze bis zu 80 Osterfeuer angemeldet. Diese Zahl soll deutlich vermindert werden“, erklärt Kammann.

Dass die Osterfeuer abgesagt worden sind, findet auch Frank Tecklenborg, Ortsbrandmeister in Schwarme, in Ordnung. „Ich denke, die Bürger hatten ohnehin wegen Corona damit gerechnet", vermutet er. Schließlich seien Menschenansammlungen nicht möglich und erlaubt. "Insofern hält sich die Enttäuschung in Grenzen", sagt Tecklenborg. Seines Wissens hätten die Bürger ohnehin nicht damit geplant, nachdem bereits 2020 alle Osterfeuer pandemiebedingt ausgefallen waren. "Natürlich möchte man gern am Feuer mit Freunden und Bekannten etwas essen, trinken und schnacken. Aber es geht ja sowieso kaum etwas in diesen Zeiten", bedauert er.

Allein in Schwarme hatte es 2019 noch 18 angemeldete Osterfeuer gegeben. "Alles in allem waren das definitiv zu viele", sagt Tecklenborg. Zumal sicherlich einige das nicht als Brauchtumsfeuer gesehen hätten, sondern eher auf diese Weise ihren Baum- und Strauchschnitt und vielleicht auch noch andere Materialien kostengünstig und schnell durch das Abbrennen entsorgt hätten. "Umso besser finde ich die Regelung, die Politik und Verwaltung jetzt im Rahmen des Pilotprojektes mit der AWG gefunden haben“, sagt er. „Das soll jetzt erst mal getestet werden. Ich bin fest davon überzeugt, dass sich durch diesen Service die Anzahl der Brauchtumsfeuer auch in den nächsten Jahren erheblich reduzieren wird.“

Info

Zur Sache

Schreddertage in Bruchhausen-Vilsen

An den drei Sonnabenden, 20. und 27. März sowie 3. April, können Hobbygärtner bei den Schreddertagen in Bruchhausen-Vilsen an folgenden Stellen ihr Schnittgut beziehungsweise ihre Grünabfälle kostenlos abgeben: In Asendorf auf dem Hof von Dietrich Fiddelke, Steimker Weg 6, sowie in Bruchhausen-Vilsen im Gewerbegebiet Kreuzkrug auf dem Gelände der Firma Froese, Dr.-Neidhard-Straße 1, jeweils in der Zeit von 9 bis 17 Uhr. Beide Adressen sind schon als Grünabfall-Sammelstelle bekannt. In Martfeld kann für das Entsorgen der Hof von Friedhelm Fiddelke, Alter Schulweg 16, angesteuert werden, in Schwarme die Skateranlage hinter dem Freibad an der Verdener Straße. Hier ist das Zeitfenster auf 9 bis 13 Uhr begrenzt. Die Abfallwirtschaftsgesellschaft (AWG) wird das angelieferte Material anschließend vor Ort schreddern und einer weiteren Kompostierung und Verwertung zuführen.

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