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„Maschen und Motive“ – Wallhöfener Galerie kd.kunst kombiniert zwei Akteure mit eigenwilligen gestalterischen Vorlieben zu einer ungewöhnlichen Ausstellung
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Brave Kerle aus gehäkelter Wolle treffen auf dreidimensionale Fotokunst

Malin von Döllen 07.10.2015 0 Kommentare

OHZ
Gerne beantworteten die beiden Künstler Michel Lamoller und Jürg Benninger (Zweiter und Dritter von links) die Fragen der Besucher. Im Vordergrund sind einige „Bonhommes“ von Benninger zu sehen. MVD· (Malin von Döllen)

Ein gehäkelter Leopard hängt über der Pforte und versperrt fast zur Hälfte den Durchgang: So wurden die Galerie-Gäste bei kd.kunst in Wallhöfen jetzt zur Ausstellungseröffnung begrüßt. Die Besucher von „Maschen und Motive“ erwartet dort eine kontrastreiche Schau. Jürg Benninger zeigt seine gehäkelten Kunstwerke, während Michel Lamoller seine dreidimensionalen Fotos präsentiert.

Diese Fotos sind etwas Besonderes, bisher Einzigartiges. Lamoller schichtet mehrere Exemplare auf, wodurch ein dreidimensionales Objekt entsteht. Dieter Begemann verglich sie in seiner Einführungsrede mit den Guckkästen des 19. Jahrhunderts. Sechs bis 20 Fotos zerschneidet und schichtet Lamoller zu sogenannten Layerscapes auf. Der Name setzt sich aus dem englischem Wort „layer“ für Schicht und „scape“ von „Landscape“ – Landschaft – zusammen, da seine Arbeiten hauptsächlich Landschaften und Architektur zeigen.

Zum ersten Mal stellt der Künstler zudem seine Serie „tautochronos“, griechisch für zeitgleich, aus. Die Fotos sind alle am gleichem Ort aufgenommen. Auch hier schichtet Lamoller mehrere Aufnahmen übereinander. So ist am Ende nicht nur der Ort oder das Gebäude zu sehen, sondern beispielsweise auch ein Mensch; das Werk verändert sich je nach Blickwinkel.

Fotografie solle einen Moment einfangen, in seinen Werken würden sich mehrere Momente vermischen, erklärt Lamoller. Er sei im Schwarzwald geboren und aufgewachsen. Dort sei die Landschaft nicht flach. Die Berge und Täler hätten ihn schon immer inspiriert und dazu verleitet, die Räumlichkeit zu entschlüsseln, wie er sagt. „Wer weiß, ob ich jemals solche Bilder machen würde, wenn ich beispielsweise im Norden aufgewachsen wäre; wahrscheinlich nicht“, führt er weiter aus.

Während die Bilder von Michel Lamoller an den Wänden Platz finden, nutzt Jürg Benninger den gesamten Raum für seine Werke. In fast jeder Ecke findet man ein gehäkeltes Werk des Schweizers. Ob alle Gäste jedes Kunstwerk auf Anhieb entdeckt haben, ist zu bezweifeln. In der Mitte des Raumes hat der Künstler „Les Bonhommes“ platziert. Acht weiße Kerle ohne Augen, dafür mit großen schwarzen Mündern; sie sind zwischen 35 und 120 Zentimeter hoch. „Les Bonhommes – die braven Kerle. Sie sind weiß, unschuldig; stehen ratlos staunend vor der Welt. Wie auch wir?“, fragt Dieter Begemann. Benningers meist farbenfrohe Werke hätten neben ihrer Absurdität eine ironische Qualität, einen philosophischen Gehalt, so Begemann weiter.

Wenn der Schweizer ein Werk beginne, habe er meist noch keine konkrete Idee. Wenn es gut laufe, bekomme das Objekt eine Art eigene Seele und sage, wie es vollendet werden wolle, berichtet der Künstler. Wichtig sei ihm, dass die Figuren am Ende für sich selber stünden. Selbst bei konkreten Ideen sehe es am Ende eigentlich nie so aus wie anfangs geplant. Die Werke entwickeln sich im Schaffensprozess.

Vieles sei Ausprobieren und das sei das Schöne an Wolle. Man könne sie fast endlos immer wieder umformen, Maschen dazunehmen, auftrennen, die Farbe wechseln. „Wenn man bei einer Holzskulptur zu viel wegsägt, muss man es wieder mühsam anleimen“, gibt Benninger zu bedenken. Selbst die bereits fertigen Kunstwerke könnten immer noch in der Haltung verändert werden, da sie nicht massiv seien. Heute fassen sich zwei der „braven Jungs“ an die Hand, morgen streckt der eine von ihnen vielleicht lieber die Hände nach vorn. „Es ist wie ein Spiel.“, erzählt der Schweizer. Das Innenleben seiner Figuren bestehe aus Draht, Sand und Schaumstoff.

Wie Benninger zum Häkeln kam, klingt unspektakulär. „Ich wollte meine Werke zusammenlegen können, um sie leichter transportieren zu können. Deshalb hab ich angefangen, zuerst 2-D-Kunstwerke anzufertigen, die sich wie ein Teppich zusammenklappen ließen. Es hat lediglich praktische Gründe gehabt“, erzählt der Künstler lächelnd. Auch die dreidimensionalen Kunstwerke ließen sich platzsparend transportieren. Man könne sie „wie ein Kuscheltier in den Koffer stopfen“, sagt Benninger.

Den ganzen Nachmittag über standen die Künstler den Gästen Rede und Antwort. Die Besucher konnten die Arbeiten bei Wasser oder Wein in Ruhe auf sich wirken lassen. Auch für ein großes Kuchenbüfett hatten die Inhaber Volker Kaiser und Doris Dickert gesorgt. Ein wenig Musik untermalte das Ganze. Wer sich mit eigenen Augen ein Bild von den Werken machen möchte hat bis 25. Oktober die Möglichkeit dazu. Die Ausstellung ist sonntags von 15 bis 18 Uhr sowie nach Vereinbarung unter Telefon 0 47 93 / 95 57 55geöffnet.


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Leserkommentare
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