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Sven Bartel stellt Cajóns her und gibt Workshops
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Schlagzeug für unterwegs

Lars Fischer 27.08.2014 0 Kommentare

Cajon
In seiner Hanstedter Werkstatt baut Sven Bartel die Cajóns, Percussionskisten aus Holz. (Lars Fischer)

Sting und Peter Maffay haben eine Cajón, Stefan Stoppok sowieso. Aber auch Shanty-Chöre oder Schulkassen nutzen das Percussion-Instrument, das ein ganzes Schlagzeug ersetzen kann. Der Worpsweder Sven Bartel spielt nicht nur Cajón, er baut sie auch in seiner Werkstatt in Hanstedt. Außerdem gibt er Workshops, bei denen die Teilnehmer ihr Instrument selber zusammensetzen können, bevor sie erste Rhythmen darauf lernen.

Ein Schlagzeug für 100 Euro? Das kann sicher kein klanglich überzeugendes Spitzen-Instrument sein. Es sei denn, man verabschiedet sich von der traditionellen Vorstellung von Schlagzeug und greift zur komprimierten Variante in einer Kiste. Das spanische Wort dafür lautet „Cajón“, und so heißt auch das Percussion-Instrument, das bei kleineren akustischen Besetzungen immer öfter die klassische „Schießbude“ verdrängt und dennoch mehr ist als ein bloßer Ersatz.

Seit Mitte der 90er Jahre wird die Trommel-Kiste immer beliebter, obwohl sie schon rund 20 Jahre zuvor durch den Flamenco-Gitarristen Paco de Lucia nach Europa kam. Dabei hat sie eine viel längere Geschichte, wie Sven Bartel zu berichten weiß. Die Ursprünge des Instruments liegen in Peru. Mitte des 19. Jahrhunderts untersagten die Kolonialherren den afrikanischen Sklaven dort das Trommeln und verboten deren traditionelle Instrumente.

Es waren weniger musikalische Gründe als handfeste politische: Trommeln war Kommunikationsmittel, eine Sprache, die die Herrscher nicht verstanden und die ihnen suspekt war. Also begannen die Sklaven auf den Kisten, die sie tragen mussten, zu trommeln. Sie verfeinerten die Klangeigenschaften im Laufe der Zeit durch Umbauten. In dieser Tradition wirkt Bartel heute weiter. Er spielt nicht nur leidenschaftlich gerne Cajón, er baut sie auch selber und experimentiert dabei mit optischen und klanglichen Varianten. „Bocfish“ heißt sein Label.

Viel steckt in den Wunderkisten gar nicht drin, umso mehr kommt es auf Material und Verarbeitung an. Der Rahmen wird aus stabilen Holzplatten zusammengesteckt und verleimt, aber bei der Spielfläche, der Vorderseite der späteren Kiste, auf der man beim Spielen sitzt, sind die Variationsmöglichkeiten groß. Sie besteht aus einer dünnen Sperrholzschicht mit einer Lage Furnier darüber. Jede Holzart hat unterschiedliche Klangeigenschaften, Bartel bevorzugt eher härtere Hölzer wie Esche, Palisander, Tineo (indischer Apfel) oder Mahagoni, weil sie, wie er sagt, „mehr Wumms“ hätten. Sein Ziel ist es, dass seine Cajóns auch unverstärkt durchsetzungsfähig klingen, deshalb baut er neben den normal großen Exemplaren mit einer Sitzfläche von 30 mal 32 Zentimetern auch seine „Fette Henne“ mit einer 36er Seitenlänge.

„Wie der Sound ist, weiß ich immer erst, wenn ich fertig bin“, sagt der Instrumentenbauer. „Manchmal freue ich mich, manchmal bin ich enttäuscht. So manches Exemplar ist schon im Feuerkorb gelandet.“ Unterschiedliche Holzarten und -maserungen, verschiedene Beizungen oder Lackierungen machen jede Cajón zum Einzelstück. Bei seinen Experimenten kann der gelernte Pädagoge und Musik-Fachhändler aus dem Vollen schöpfen. Er teilt sich die Werkstatt in Hanstedt mit einem Möbelrestaurator. Der hat Furniere in allen Varianten, auf die Bartel zurückgreifen kann.

Prototyp im Waschmaschinen-Design

Die Werkstatt, in der der gebürtige Bremerhavener schon während seiner Ausbildung jobbte, kam ihm wieder in Erinnerung, als er vor einigen Jahren ein neues Betätigungsfeld suchte. Mit Musik sollte es weiter zu tun haben. Neben seinen handwerklichen und kaufmännischen Fähigkeiten wollte er auch seine pädagogischen Erfahrungen weiter nutzen.

Also baut er nicht nur selber Instrumente, die er für etwa 200 Euro pro Stück direkt vermarktet, sondern spann die Idee weiter. Er entwickelte Konzepte für Workshops mit Jugendlichen und Erwachsenen, die sich aus zugesägten Bausätzen selber ihre Cajóns bauen, ehe sie lernen, darauf zu spielen. 100 Euro kostet das pro Teilnehmer inklusive Material. Natürlich gibt er auch Kurse für Anfänger, die schon ein Instrument haben.

In seiner Werkstatt aber tüftelt er weiter. Im Inneren der Kästen wird ein durchteilter sogenannter Snare-Teppich, also ein Drahtgeflecht, für den typischen schnarrenden Klang im oberen Bereich eingebaut. Dafür können alternativ auch Gitarrensaiten verwendet werden. Darunter sitzt der Bass, dessen Durchschlagskraft durch Verstärkungen rund um das Schallloch an der Rückwand des Instruments verändert werden kann. Der obere Bereich der Spielfläche wird nicht wie der Rest mit dem Rahmen verleimt, sondern nur verschraubt. Sogenannte Tipps, ganz leichte Schläge mit den Fingerspitzen, in dieser Region geben einen dritten Klang. Durch Anziehen oder Lösen der Schrauben lässt sich die Tonhöhe verstellen.

Manchmal baut Bartel noch zusätzliche Schlagflächen in die Seitenwände ein. Ein Exemplar aus seiner Werkstatt sieht aus wie eine Waschmaschine. Das liegt daran, dass in der Front statt einer Holzfläche ein rundes Schlagzeugfell verbaut ist. Stefan Stoppok, der seine Cajón zusätzlich zur Gitarre spielt und deshalb per Fußmaschine bedient, hat sie bestellt. Eine Bocfish-Prototyp, der vielleicht Schule macht.

Mit Stoppok hat Bartel, der regelmäßig bei der Worpsweder Session von Steve Westaway mitmacht, beim Festival der Music Hall zusammengespielt. Außerdem tritt er noch mit drei weiteren Formationen auf. Ganz neu ist das Trio Tres, das im September im Bahnhof in Neu St. Jürgen sein Debüt geben wird. Dann sollen auch wieder Workshops im Worpsweder Moma Kaffeehaus angeboten werden. Infos dazu gibt es im Internet auf www.facebook.com unter „Cajon Atelier Sven Bartel“ oder telefonisch unter 0 47 92 / 62 3 1 2 97.


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Leserkommentare
abrakadabra am 22.10.2019 09:50
Als wenn es dem SUV Fahrer auf dem Weg zum Suff auf ein paar Euro ankommt...
Dr.NOHB am 22.10.2019 09:43
So sieht es aus. Aber andere Stadtteile werden gar nicht erwähnt. Hier im Barkhof-Viertel ist die Situation außerhalb des Freimarkts ähnlich. Z.B. ...