Wetter: Regen, 10 bis 18 °C
Nachwuchskräfte gesucht
Der Artikel wurde zur Merkliste hinzugefügt.
Die Merkliste finden Sie oben links auf der Seite.

Aus eigener Kraft

Bernhard Komesker 22.04.2019 0 Kommentare

Die Ausbildungsabsolventen beim Landkreis Osterholz - das Foto zeigt den Jahrgang 2018 - haben beste Aussichten auf Weiterbeschäftigung.
Die Ausbildungsabsolventen beim Landkreis Osterholz - das Foto zeigt den Jahrgang 2018 - haben beste Aussichten auf Weiterbeschäftigung. (Christian Kosak)

Landkreis Osterholz. Na klar: Als attraktiver Arbeitgeber möchte jeder Betrieb da stehen, erst recht in Zeiten des Fachkräftemangels. Die Osterholzer Kreisverwaltung bildet da keine Ausnahme. „Für uns ist das nicht nur ein Etikett“, schickt Dezernent Werner Schauer voraus und verweist auf den Kontrakt zwischen Kreispolitik und Verwaltung. Schon vor mehr als zehn Jahren, als der demografische Wandel unübersehbar wurde, seien Rekrutierung und Qualifizierung der Nachwuchskräfte auf neue Beine gestellt worden. Die Überlegung dahinter: Eine frühe und gute Mitarbeiterbindung erspart so manche Personalsuche auf dem Arbeitsmarkt. Und die ist heute aufwendiger als früher, wie Hauptamtsleiterin Susanne Greinert einräumt.

So hat die Gemeinde Lilienthal zuletzt mit einer öffentlichkeitswirksamen Plakataktion von sich reden gemacht, bei der die Verwaltungsbediensteten für Jobs in ihrem Rathaus werben. Die Identifikation der eigenen Leute solle sichtbar werden, erklären sie dazu an Wörpe und Wümme. Klappern gehört eben zum Handwerk; man zeigt Gesicht, will glaubwürdig und sympathisch rüberkommen. Im Kreishaus sei eine solche Kampagne einstweilen nicht geplant, erwidert Werner Schauer auf Nachfrage unserer Zeitung. Ob Azubi oder ausgelernt: „Ein Pfund für uns ist die Mund-zu-Mund-Propaganda, das haben uns die Bewerber immer wieder bestätigt.“ Angesichts von 550 Beschäftigten weiß der Volksmund: „Ein großes Haus hat viel zu bieten.“

Stellenanzeigen in der gedruckten Tageszeitung seien ebenfalls weiterhin unverzichtbar, aber allein darauf könne und wolle man sich nicht mehr verlassen, sagt der Dezernent. Inzwischen würden selbstredend auch die digitalen Kanäle bespielt. Die eigenen Azubis werben auf Info-Tagen und Job-Messen für den Landkreis als Ausbildungsbetrieb. Jährlich gibt es etwa 40 Praktikumsplätze. Und für die Kreistagsabgeordneten als Multiplikatoren sowie für die interessierte Öffentlichkeit fertigen die Landkreis-Azubis mit Ausbildungsleiterin Jasmin Heuser alljährlich einen Ausbildungsbericht.

Er enthält Bilder einer Lehre im Kreishaus und dokumentiert einige Besonderheiten, auf die auch Susanne Greinert Wert legt: qualifizierte Ansprechpartner und individuell anpassbare Arbeitszeiten, große Ressort- Bandbreite und feste Digitalarbeitsplätze. „Die Auszubildenden sollen nicht als billige Arbeitskräfte nebenher laufen. Sie sollen überall mal reinschnuppern“, sagt Greinert und nennt als Mindestanforderung vier Bereiche, die zu absolvieren sind: eine Querschnitts-Station wie Kämmerei oder Hauptamt; einen Bereich im Feld von Verwaltung und Pädagogik (Jugend, Gesundheit, Soziales); eine juristische Abteilung wie Ordnungsamt oder Straßenverkehrsamt; ein Ingenieur-Ressort wie Bauen, Straßen, Natur, Umwelt. Hinzu kommen ein Wunschressort zum Ausbildungsende sowie die Mitarbeit in ressortübergreifenden Projekten wie Kreisentwicklung oder E-Government. Wer Karriere machen möchte, kann ein Mentoring-Programm für Nachwuchsführungskräfte nutzen. Zurzeit befinden sich nach Angaben von Verwaltungssprecherin Jana Lindemann 29 junge Menschen in einer Ausbildung beim Landkreis, und in der Regel wird jedem Absolventen anschließend eine Übernahme angeboten. Dazu werden regelmäßig Personalentwicklungsgespräche geführt. Greinert: „Es geht bei den jungen Leuten darum, die eigenen Stärken und Interessen zu erkennen.“ Einige Absolventen verlassen den Landkreis für ein Jura-Studium, andere satteln ein Duales Studium drauf und bleiben der Kreisverwaltung auf diese Weise erhalten.

Schauer, zuständig für Finanzen, Organisation und Personal, beobachtet mit der Zeit einige Veränderungen bei Angebot und Nachfrage. Der klassische Verwaltungsinspektor wird demnach seltener, das Duale Studium hat Zulauf. Weil die Bewerberzahlen unterm Strich sinken, werden die Anwärter-Stellen inzwischen nicht mehr nur einmal, sondern zweimal jährlich ausgeschrieben. „Die Absolventen sind heute anders aufgestellt.“ Ihre Laufbahn-Entscheidungen sind weniger langfristig angelegt. Und weil neben der Mittelbehörde auch die Kommunen und die freie Wirtschaft nach Fachkräften suchen, sind beim Landkreis flexible Arbeitszeitmodelle und Telearbeit mittlerweile gang und gäbe. „Wir machen sehr gute Erfahrungen damit“, betont Schauer. Auf einen Altersmix im Jahrgang – zwischen 16 und über 20 – achte die Verwaltung ebenfalls.

Spezialisten und Soft Skills

Neben den Generalisten der Verwaltungsfachangestellten und Kreisinspektoren (mit Bachelor in Allgemeiner Verwaltung oder in Verwaltungsbetriebswirtschaft) werden auch Spezialisten ausgebildet: Fachinformatiker, Bachelors in Sozialer Arbeit, Straßenbauer sowie Hygiene- und neuerdings auch Lebensmittelkontrolleure. Die mehrstufigen Einstellungstests orientieren sich an Standards der Deutschen Gesellschaft für Personalwesen. Vor allem das duale BA-Studium in Sozialer Arbeit sei stark gefragt, sagt Susanne Greinert.

Auf Nachfrage sagt sie, manche Azubi-Kandidaten ließen im Laufe des Bewerbungsverfahrens einen gewissen Schulungsbedarf erkennen. Das betreffe nicht nur Rechtschreibung oder Allgemeinwissen zum Verwaltungsaufbau, sondern auch den sogenannten Business-Knigge: „Kundenorientierung und Umgangsformen können nicht mehr so selbstverständlich vorausgesetzt werden“, sagt die Amtsleiterin. Folglich biete der Landkreis auch ausbildungsbegleitende Schulungen in sogenannten Soft Skills an.

Für Quereinsteiger mit abgeschlossener Ausbildung gibt es Entsprechendes: Verwaltung für Nicht-Verwaltungsmitarbeiter. Neue Kollegen durchlaufen in den ersten Monaten mehrere Stationen im Kreishaus. Noch sei die Betriebsgröße überschaubar, findet Greinert, die auf ein familiäres Betriebsklima setzt. Gesucht sind vor allem Techniker und Ingenieure, EDV-Spezialisten, Pädagogen und Mediziner. „Da ist der Markt leergefegt“, sagt Schauer.

Notfallkonzepte und Wohlfühlpakete

Die Gemeinde Ritterhude kämpft längst mit dem Fachkräftemangel. In einigen Fachgebieten mehr, in anderen weniger. Am stärksten jedoch im Bereich der Kindertagesstätten. „Da sind wir im ständigen Bewerbungsmodus und kriegen trotzdem keine Erzieherinnen“, berichtet Bürgermeisterin Susanne Geils. Zurzeit gebe es wieder extreme Engpässe wegen Krankheitsfällen. Das Notfallkonzept, mit dem sie als einzige Gemeinde im Landkreis arbeiteten, sei zwar hilfreich, aber: „Wir wissen nicht mehr, wo wir noch Mitarbeiterinnen her bekommen können“, räumt Geils ein.

Nur zu gern würde sie daher Mitarbeiter mit besonderen Zugeständnissen, wie etwa einer gestellten Wohnung oder einem Firmenwagen, gewinnen. „Aber das können wir natürlich nicht.“ Zum einen habe die Gemeinde nicht die Mittel dafür, zum anderen seien sie an tarifvertragliche Vorgaben gebunden. Sie müssten anders bei den Bewerbern punkten: damit, ein familienfreundlicher Arbeitgeber zu sein, ein gutes Arbeitsklima und flexible Arbeitszeiten zu bieten sowie Angebote zur Gesundheitsförderung vorzuhalten. Der Gemeinde sei es wichtig, dass sich ihre Mitarbeiter wertgeschätzt, gut aufgehoben und wohl fühlten. Kurz: „Wir spielen auf der Klaviatur, die uns zur Verfügung steht.“

In der Samtgemeinde Hambergen ist der enge Arbeitsmarkt ebenfalls angekommen. „Wir merken das schon“, sagt Samtgemeindebürgermeister Reinhard Kock. Der geringere Umfang mache es noch relativ einfach, Auszubildende zu finden. „Wir bilden für unseren Bedarf aus“, erklärt Kock. Pro Jahr beginnt ein Auszubildender in der Verwaltung. Vor zwei Jahren war allerdings ein Auszubildender noch kurzfristig abgesprungen. Ein Ersatz sei nicht mehr zu finden gewesen. Große Personal-Werbemaßnahmen seien derzeit kein Thema für die Samtgemeinde, sagt Kock.

Auch auf dem städtischen Baubetriebshof, so Rolf Wehlers, Fachbereichsleiter für Organisation, Personal und Recht im Osterholz-Scharmbecker Rathaus, ist der Fachkräftemangel kein Thema. "Handwerker, die in den öffentlichen Dienst wollen, finden sich immer. Im Bereich Erziehungs- und Sozialdienst jedoch stelle sich die Situation genauso schwierig wie in anderen Kommunen auch. Wehlers führt das nicht in erster Linie auf die Gehälter zurück ("Da ist viel getan worden"), sondern auf die demografische Entwicklungen, die sich umgekehrt hätten.

Auf dem IT-Sektor und im Ingenieurwesen, wo der öffentliche Arbeitgeber wegen der guten wirtschaftlichen Lage mit übertariflich zahlenden Unternehmen kaum konkurrieren kann, steuert die Stadt mit einem breit gefächerten Wohlfühlpaket gegen. „Wir schreiben permanent aus, nicht nur bei Bedarf; bei IT-Jobs mit einem Vorlauf von zwölf Monaten. Und wir werben aktiv für die Stadt als Unternehmer, versuchen schon über die Praktika Bindungen herzustellen.“ Geworben wird nicht zuletzt mit dem Thema Gesundheit, das einen besonders hohen Stellenwert genießt, mit Lärmschutz in den Kitas, Schulungen während der Arbeitszeit, modernen Büroaustattungen und der Vereinbarkeit von Beruf und Familie.


Ein Artikel von
Mein Osterholz
Ihr Portal für Osterholz und umzu

Herzlich willkommen in Ihrem Portal für Osterholz-Scharmbeck und umzu. Hier informiert Sie die Redaktion des Osterholzer Kreisblatt über wichtige Nachrichten und Veranstaltungen aus Ihrer Umgebung - von Gnarrenburg über Beverstedt, Hagen, Hambergen und Ritterhude bis in die Kreisstadt. Und das tun wir gerne: Tag für Tag und Sonntag auch. Wir sind für Sie da.

Haben Sie Informationen, Kritik oder Anregungen. Schreiben Sie uns. Wir freuen uns darauf.

Ihr Wetter in Bremen
Temperatur: 18 °C / 10 °C
Vormittag:
/__wetterkontor/images/wr/50/Regen.png
Nachmittag:
/__wetterkontor/images/wr/50/wolkig.png
  Regenwahrscheinlichkeit: 90 %
Die Sportmeldungen aus der Region
Veranstaltung für Ihre Region
Sonderthemen aus der Region
Sonderthemen aus der Region
Sporttabellen & Ergebnisse
Sporttabellen & Ergebnisse

Welcher Verein wann in Bremen oder der Region spielt und wie die Begegnung ausgegangen ist, erfahren Sie in unserem Tabellenbereich. Auch die Ergebnisse der Spiele der höheren Ligen finden Sie dort.

Traueranzeigen
WESER-KURIER Kundenservice
Leserkommentare
peteris am 21.10.2019 12:30
Vielleicht wissen wir am 1.11. um 11:11h mehr.


Sie meinen sicher den 11.11. um 11:11h?
suziwolf am 21.10.2019 12:19
Und dann ... @kretschmar -
[auch wieder] eine gemeinsame Währung -

Das britische £ - Sterling -
europaweit jetzt ...