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Heimvolkshochschule
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Bildung mit persönlichem Mehrwert

Bernhard Komesker 18.03.2019 0 Kommentare

Landrat Bernd Lütjen (links) und der Bredbeck-Vize Jens Engel (rechts) haben die Gäste vom HVHS-Landesverband, Steffi Robak und Jörg Matzen, in die Mitte genommen.
Landrat Bernd Lütjen (links) und der Bredbeck-Vize Jens Engel (rechts) haben die Gäste vom HVHS-Landesverband, Steffi Robak und Jörg Matzen, in die Mitte genommen. (Maximilian von Lachner)

Landkreis Osterholz. Leben und lernen unter einem Dach: Das Konzept der Heimvolkshochschulen (HVHS) ist in Zeiten von Individualisierung und Digitalisierung aus wissenschaftlicher Sicht alles andere als ein Auslaufmodell. Auf der Jahrestagung des HVHS-Landesverbands in der Bildungsstätte Bredbeck stellte die Bildungsforscherin Steffi Robak neue Studien über „Bildungs- und Lerngeschichten in der Erwachsenenbildung“ vor. Ob in kirchlicher, gewerkschaftlicher oder anderer Trägerschaft: Regelmäßige HVHS-Besucher berichten Robak zufolge übereinstimmend von biografischen Prägungen und Impulsen für die eigene Persönlichkeitsentwicklung. Zugleich seien diese Lernorte sehr wichtig für Demokratie und Gesellschaft.

23 anerkannte, zertifizierte Heimvolkshochschulen gibt es in Niedersachsen, Bredbeck ist seit sechs Jahren eine davon. Alle Häuser sind gut ausgelastet, wie der HVHS-Landesverbandsvorsitzende Jörg Matzen auf Nachfrage unserer Zeitung betonte. Man erschließe sich neue Zielgruppen und spüre nur wenig davon, dass andernorts immer kürzere, raschere Bildungsangebote nachgefragt werden. Bei Matzen hatte der Vortrag der Pädagogik-Professorin aus Hannover offene Türen eingerannt. Der Leiter des evangelischen Bildungszentrums Bad Bederkesa bestätigte, was auch Robak bei Stammgästen beobachtet hatte: „Die Wirkungen sind nachhaltiger, die emotionale Bindung ist stärker.“

Rückzug und Begegnung

Die mehrtägige Beschäftigung mit einem selbst gewählten Thema in einer mal mehr, mal weniger homogenen Gruppe habe Folgen, so Matzen. In den Bildungshäusern träfen dabei verschiedene Interessen und Milieus zusammen: „Vom Werftarbeiter bis zum Frauenchor. Die würden einander sonst vielleicht gar nicht begegnen.“ Diese Begegnungen könnten auch neue Interessen entstehen lassen, sagte er. All dies mache die Heimvolkshochschulen so einzigartig. Die Ruhe der Häuser abseits der Städte tut ein Übriges. Sie entlasten die Teilnehmer vom Alltag, weil Übernachtung und Verpflegung inklusive sind.

Während diese äußeren Voraussetzungen inzwischen gut erforscht sind, bleiben die individuellen Auswirkungen bisher oft im Dunkeln. Die Jahrestagung bot jetzt in drei Workshops die Gelegenheit, verschiedene Bildungsbiografien näher kennenzulernen. Die Grünen-Landtagsabgeordnete Eva Viehoff, der ehemalige CDU-Landespolitiker Clemens Große Macke und der frühere SPD-Umweltminister Wolfgang Jüttner schilderten, was sie persönlich vor Jahren nach Bederkesa, Stapelfeld und Springe gezogen hat und seither diesen Häusern treu bleiben ließ. Der aus der Ostukraine stammende Bildungsreferent Alexander Starostin erzählte, wie er der Bildungsstätte Bredbeck als Teilnehmer und Teamer und inzwischen als Trainee verbunden ist.

Steffi Robak stellte Teilnehmer-Befragungen vor, die sich auf politische oder berufliche Bildung ebenso erstreckten wie auf die oft als Daddelkurse verspotteten Bildungsurlaube. Die Angebote erfüllen demnach einen vielfältigen Nutzen: für die Teilnehmer persönlich, ihre beruflichen Möglichkeiten oder für die politische Teilhabe und das Ehrenamt. „Das besondere Potenzial residenziellen Lernens“ erstrecke sich dabei auch auf Erfahrungen von Gemeinschaft und soziale Beziehungen, auf Kreativität und Selbstwirksamkeit. Es verheiße Momente der Freiheit angesichts von steigendem Anpassungs- und Leistungsdruck. All diese Faktoren seien wechselseitig aufeinander bezogen und veranlassten Teilnehmer dazu, sich immer wieder anzumelden.

Matzen sieht die 23 Heimvolkshochschulen mit ihren unterschiedlichen Profilen gut aufgestellt. Ein Problem bleibe die Verstetigung und Dynamisierung der Landesförderung. Nach einer 14 Jahre währenden Nullrunde mit Realeinbußen lege das Land nun einmalig drei Prozent drauf. Weitere acht Prozent wären dringend nötig, und langfristig eine Verdoppelung der Mittel. „Die Förderung der Erwachsenenbildung beträgt zurzeit 0,47 Prozent des niedersächsischen Bildungshaushalts“, so Matzen. Angesichts der Aufgaben, zu denen er auch Alphabetisierung, Sprachbildung und demokratische Bildung zähle, müsse das Land bei der institutionellen Förderung dringend nachlegen. Zurzeit behelfen sich die Bildungshäuser mit Projektförderung, aber sie stünden im Schatten der großen Etatposten von der Nord-LB bis zu beitragsfreien Kitas.

Martin Dust, Geschäftsführer der Landesagentur für Erwachsenen- und Weiterbildung, erklärte, Volks- und Heimvolkshochschulen könnten selbstbewusst auftreten. Seit 100 Jahren sei die Förderung der Erwachsenenbildung staatliche Aufgabe von Verfassungsrang. Die Agentur ist zuständig für die Vergabe und Verwendung der Landesmittel. Dust hatte in seinen ersten Dienstjahren mit der Anerkennung Bredbecks als Heimvolkshochschule zu tun. Dies sei im Jahr 2013 ein Meilenstein gewesen, erklärte Landrat Bernd Lütjen. 1976 von der SPD-Mehrheit als Jugendbildungsstätte gegründet, stehe der Träger-Zuschuss für die kreiseigene Tagungsstätte fraktionsübergreifend längst nicht mehr zur Debatte. Lütjen versprach, die begonnene Modernisierung in Bredbeck werde fortgesetzt.

Die Aufnahme als 23. Heimvolkshochschule war kein Selbstgänger. Daran erinnerte der frühere Geschäftsführer der Landesagentur für Erwachsenen- und Weiterbildung, Detlef Grote. Weil ein sechsstelliger Landeszuschuss nach Bredbeck fließen würde, bangten die übrigen 22 Häuser um ihre Mittel. Grote bilanzierte: „Es war subsumierbar; man muss eben kreativ sein.“  Der HVHS-Landesverband verabschiedete Grote mit Dankesworten in den Ruhestand. Er habe Vorgaben und Gesetze stets zugunsten der Bildungshäuser ausgelegt.


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Leserkommentare
suziwolf am 23.10.2019 17:47
Diese
,langsame und (auch) demonstrierende‘ Dame
war sich sicherlich darüber im Klaren,
dass 15km/h für einen 🚴🏿‍♀️ ganz schön ...
FloM am 23.10.2019 17:45
"Da sind wir wir letztlich recht nah beieinander"
Häufig ist das so, wenn man erst mal mehr als 140 Zeichen miteinander ausgetauscht hat ...