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Kita-Schließzeiten
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„Brauchen Auszeit mit Erholungswert“

Christian Valek 20.09.2019 0 Kommentare

Auch die Kita Malletstraße schließt 2021 für drei Wochen.
Auch die Kita Malletstraße schließt 2021 für drei Wochen. (Maximilian von Lachner)

Osterholz-Scharmbeck. Die städtischen Kindergärten werden im Sommer 2021 erstmals für drei Wochen geschlossen. Darauf einigten sich nach intensiver Debatte mehrheitlich die Ratsmitglieder. Ursprünglich sollte die Regelung bereits im kommenden Sommer greifen. Etwa 30 Eltern mit Kindern besuchten die Sitzung, um nach Aufruf des vorgezogenen Tagesordnungspunktes die Debatte zu verfolgen. In der Einwohnerfragestunde meldeten sich einige Zuhörer zu Wort, um vehement gegen die Ankündigung zu protestieren.

Die Eltern fühlen sich unfair behandelt, wie bei der Aussprache zu Beginn der Sitzung herauskam. Schon in einem vorangegangenen Informationsabend zum Thema, der im Juni im Ratssaal mit 74 Kita-Beiratsmitgliedern stattfand, seien „ihre Argumente abgewiegelt worden“, sagte eine Teilnehmerin der damaligen Veranstaltung. Andere waren der Meinung, dass aufgrund ihrer Urlaubsplanung die Schließzeiten-Regelung auf keinen Fall ab Sommer 2020 erfolgen könne. „Und was ist mit dem Krippenbereich?“, fragte ein Vater. Dass es keine entsprechende „Lösung für Krippenkinder“ gebe, sei nicht hinnehmbar, so sein energischer Einwand.

Stadträtin nennt Fakten

Osterholz-Scharmbecks Erste Stadträtin Bettina Preißner setzte den Klagen Fakten entgegen. Der Fachkräftemangel zwinge die Verwaltung zu derartigen Regelungen, machte Preißner in der Ratssitzung deutlich. Zudem sei die dreiwöchige Auszeit für Kinder wie Eltern sinnvoll und erholsam. Und auch das Personal brauche zusammenhängende Ruhezeiten, wie sich bei Personalrat-Gesprächen mit den Mitarbeitern herausgestellt habe. Die Aufforderung eines Vaters, der mehr über das Meinungsbild der Beschäftigten wissen wollte, wies sie zurück. Er zweifelte die von der Stadt verbreitete Darstellung an, dass die Beschäftigten ebenfalls Schließzeiten befürworten würden. „Es gab vertrauliche Wortbeiträge, die die Urheber nicht öffentlich machen wollen“, stellte Preißner klar.

Es habe „lange Diskussion und das eine oder andere Telefonat“ im Vorfeld gegeben, sagte die Stadträtin. Sie sei verwundert darüber, welcher Druck in der Diskussion aufgebaut worden war. „Diesen Druck habe ich selbst zu spüren bekommen.“

In der Stadt habe man die bisherige Regelung bewusst „sehr großzügig gehalten“. In umliegenden Gemeinden sowie bei privaten Trägern seien Auszeiten in den Sommerferien längst an der Tagesordnung. Und dort halte sich die Kritik der Betroffenen in Grenzen. In der Stadt aber sei es anders, dabei sei die Ruhezeit aus pädagogischer Sicht wichtig. „Wir brauchen eine Auszeit, die einen gewissen Erholungswert hat.“ 

Ein Notdienst in einer Krippe sei nicht zu verantworten. Kleine Kinder bräuchten bei wechselnder Betreuungspersonen und -orten eine längere Eingewöhnungsphase. „Es ist für ihr Kind nicht gut.“ Die Stadt werde niemanden allein lassen, schließlich werde die Stadt auch während er dreiwöchigen Auszeit Schließzeit einen Notdienst einrichten, kündigte Preißner an. „Es ist aber nicht unsere Aufgabe, für die individuelle Urlaubsplanung eine Lösung anzubieten.“

Die CDU-Fraktion mit Marie Jordan setzte sich an die Spitze der Elternbewegung. Die Ratsmitglieder hätten das Gefühl, vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden. Außerdem sollte die Info-Veranstaltung im Juni der Kompromissfindung und nicht der reinen Information dienen – so ihre Auffassung. „Wir wollen Eltern nicht bevormunden, wann sie Urlaub machen.“

Jordan legte einen Vorschlag auf den Tisch. Während der dreiwöchigen Schließzeit sollte in jeder Kita eine Not-Gruppe geöffnet sein, so die Idee. Bettina Preißner betonte, dass auch bei dieser Variante unter anderem das Leitungsteam eines Kindergartens im Dienst sein muss. Der CDU-Vorschlag wurde später von der Mehrheit im Rat abgelehnt.

Wilfried Pallasch von der Bürgerfraktionsgruppe lehnte den CDU-Antrag ab. Er biete „keine einheitliche Lösung“. Der Fachkräftemangel sei das alleinige Problem. „Wir müssen eine Lösung finden, die machbar ist, solange die Situation so ist.“ Pallasch plädierte dafür, die Schließzeiten-Regelung erst 2021 einzuführen.

Die SPD Fraktion konnte sich mit dem Vorschlag anfreunden. Pallasch war mit seiner Forderung den Sozialdemokraten offenbar zuvorgekommen: In ihrem Redebeitrag, den Stephan Dickel verlas und der der Redaktion vorliegt, ist bereits genau diese Beschlussempfehlung enthalten. Dickel führte aus, dass die Entscheidung für Schließzeiten „ganz sicher nicht von Wünschen“, sondern von Nöten getragen sei. Eine solche Entscheidung dürfe sich aber nicht an Einzelinteressen ausrichten. Eine Kita sei kein „Dienstleistungsbetrieb“. Um Vertrauen zu schaffen und Vertrauen der Eltern zurückzugewinnen, bedürfe es in Zukunft eines Austauschs auf Augenhöhe. „Eine Bildungs- und Erziehungspartnerschaft lebt nicht von ,Management by Aushang‘“, sagte Dickel. Am Ende stimmte der Rat mehrheitlich für die Einführung einer dreiwöchigen Schließzeit in städtischen Kindergärten in den Sommerferien. Die Regelung greift ab Sommer 2021 und ist zunächst auf drei Jahre befristet. „Eine Betreuung im Rahmen eines zentralen Notdienstes für die Kinder, die grundsätzlich in Regelgruppen betreut werden und deren Eltern berufstätig sind, wird nach Anmeldung gewährleistet“, so die Beschlussempfehlung. Dafür gab es 21 Ja- und elf Nein-Stimmen. Drei Ratsmitglieder enthielten sich ihrer Stimme.


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Leserkommentare
onkelhenry am 19.10.2019 18:12
74 Jahre SPD!

Nirgendwo ist die Kluft zwischen arm und reich größer.
Schlechte Wirtschaft, schlechte Bildung ... von vielen ...
peteris am 19.10.2019 17:47
Das Affentheater geht also in die nächste Runde. ...