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Bremer Wald wechselt den Eigentümer

Brigitte Lange 11.06.2019 0 Kommentare

Bewegte Historie: Spätestens 1939 entstand im Bremer Wald bei Lübberstedt die sogenannte Lufthauptmunitionsanstalt (Muna).
Bewegte Historie: Spätestens 1939 entstand im Bremer Wald bei Lübberstedt die sogenannte Lufthauptmunitionsanstalt (Muna). (Peter von Döllen)

Lübberstedt. Für den Bremer Wald bei Lübberstedt beginnt eine neue Zeit. Nach mehrjähriger Vorbereitung ist das 407 Hektar große Gelände nun offiziell an das gemeinnützige Tochterunternehmen „Naturerbe“ der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) übertragen worden. Zuvor war es im Besitz der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima). Bereits im Juni 2015  war bekannt geworden, dass die Bima diese Übertragung anstrebt (wir berichteten).

„Mit der notariellen Schenkungsurkunde ist jetzt der letzte Schritt getan“, teilt die DBU mit. Nun könne die Stiftung Naturerbe als Besitzerin des Waldes ins Grundbuch eingetragen werden. Für den Bremer Wald bedeutet dies das Ende der forstwirtschaftlichen Nutzung: „Als neue Eigentümerin steht für uns der Naturschutz an erster Stelle“, erklärt der Prokurist des DBU-Naturerbes, Josef Feldmann.

Das Interesse an der Fläche begründet die DBU mit der Vielfalt des Geländes. Sie verweist auf verschiedene Lebensräume wie Seen, Quellbäche und Sümpfe und darauf, dass es sich um eine große Waldfläche in einer sonst eher waldarmen Landschaft handele. Bis jetzt kümmert sich das Tochterunternehmen der DBU um insgesamt 71 solcher Flächen mit einer Gesamtgröße von 70 000 Hektar. Diese Naturerbe-Flächen sind auf zehn Bundesländer verteilt. Auch der Truppenübungsplatz in Schwanewede soll einmal Naturerbe werden – sobald die Bundeswehr die militärische Nutzung des Geländes aufgibt.

Nadel- soll Laubgehölz weichen

Im Bremer Wald wird die Motorsäge allerdings noch nicht ganz verstummen. So hatten bereits 2015 die für die Muna zuständigen Bundesforst-Mitarbeiter gegenüber der Redaktion von einer Umwandlung des Baumbestandes gesprochen. Die dort wachsenden Nadelhölzer, wie etwa Fichten und Kiefern, seien nicht standortgerecht, fänden als Flachwurzler nur schwachen Halt und sollten zugunsten von Eichen und Buchen, die dort bereits vorkommen, weichen. Aber nicht abrupt. Auf eine erneute Nachfrage bestätigt die DBU: „Um hier einen strukturreichen Mischwald zu fördern, schlagen wir weiterhin Kiefer und Fichten ein. Damit schaffen wir Licht für neue Baumarten.“

Die Hoffnung vieler, dass der eingezäunte Wald durch das Ende der militärischen Nutzung nun wieder allgemein zugänglich wird, erfüllt sich bis auf Weiteres nicht. „Wir möchten die DBU-Naturerbefläche Lübberstedt, soweit möglich, für die Bevölkerung erlebbar machen. Aus Sicherheitsgründen ist die Fläche derzeit aber nicht zugänglich, denn dort befinden sich beispielsweise alte Bunker mit hohen Abbruchkanten, die eine Gefahr für die Besucher darstellen. Eine Öffnung kann nur erfolgen, wenn die Sicherheit für die Besucher gewährleistet werden kann.“ In dem Naturerbe-Entwicklungsplan, an dem zurzeit gearbeitet wird, solle diese Option in Form eines Wegekonzeptes erarbeitet werden. In dem Konzept müssten die naturschutzfachlichen Anforderungen ebenso berücksichtigt werden, wie die Erlebbarkeit der Fläche, teilt die DBU mit. Ist das gegeben, könne mit dem Rückbau der Militäranlagen auf der Fläche oder den Maßnahmen zur Verkehrssicherung begonnen werden.

Dass der Bremer Wald von Spaziergängern genutzt werden konnte, liegt inzwischen fast 100 Jahre zurück. Anfang des 20. Jahrhunderts war er ein beliebtes Ziel von Bremer Wochenendausflüglern gewesen. Mit dem Zug kamen sie aus der nahen Großstadt zum Lübberstedter Bahnhof und der dort angesiedelten Gaststätte „Waldhaus“. Dann erhob die Reichsregierung Anspruch auf das Land. Ein Gesetz aus dem Jahr 1935 machte dies den Nationalsozialisten möglich.

Spätestens 1939 entstand im Bremer Wald die sogenannte Lufthauptmunitionsanstalt (Muna) samt Zwangsarbeiter-Lager. Unter anderem deportierten die Nationalsozialisten jüdische Frauen aus Ungarn dorthin und zwangen sie, Fliegerbomben zu füllen. Die Muna wurde außerdem ein Außenkommando des Konzentrationslagers Neuengamme. Mit diesem dunklen Kapitel in der Geschichte des Waldes haben sich die Mitglieder der Arbeitsgruppe „Muna Lübberstedt“ beschäftigt und ihre Recherchen 1996 in dem Buch „Lw. 2/XI - Muna Lübberstedt - Zwangsarbeit für den Krieg“ veröffentlicht. Seit wenigen Jahren organisiert der Arbeitskreis regelmäßig Führungen durch die ehemalige Lufthauptmunitionsanstalt. Führungen, die laut BDU auch weiterhin angeboten werden können.

Gutachten zur Kontamination

Ende des Krieges kamen 1945 zunächst die Briten, dann die Amerikaner. Nach 1948 wurde über eine Nachnutzung nachgedacht. Laut Recherchen des Arbeitskreises schlug der Kreis Wesermünde die Umwandlung in ein TBC-Heim vor. Das niedersächsische Landwirtschaftsministerium favorisierte indes die Erhaltung des Waldes und hoffte, dass das Gelände später ans Land zwecks forstwirtschaftlicher Nutzung zurückgegeben würde. Doch 1956 übernahm die Bundeswehr die ehemalige Muna, nutzte sie als Munitionslager. 2008 wurde das Lager aufgelöst, und 2010 gab auch die Bundeswehr die Fläche endgültig auf. Seitdem wird der Großteil des Geländes nur noch forstwirtschaftlich genutzt. Dieser Teil wird nun zum Naturerbe. Davon ausgenommen ist der vordere Teil des ehemaligen Muna-Geländes mit KfZ-Hallen und anderen Gebäuden. Für diesen Bereich ist die Gemeinde Axstedt zurzeit damit befasst, einen Bebauungsplan aufzustellen. Damit dieses Bauleitverfahren zum Abschluss gebracht werden kann, muss noch die Frage der Kontamination in diesem Bereich geklärt werden. Ein erstes Gutachten liege dazu nun vor, teilt Hambergens Erster Samtgemeinderat Friedhelm Lütjen mit.


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Leserkommentare
onkelhenry am 19.10.2019 18:12
74 Jahre SPD!

Nirgendwo ist die Kluft zwischen arm und reich größer.
Schlechte Wirtschaft, schlechte Bildung ... von vielen ...
peteris am 19.10.2019 17:47
Das Affentheater geht also in die nächste Runde. ...