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Frühstück bei... Malte und Tjalf Hoyer
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Das Leben feiern

Ulf Buschmann 28.06.2019 0 Kommentare

Musik im Blut: Malte (links) und Tjalf Hoyer beim gemeinsamen Frühstück auf der Veranda ihres Elternhauses in Scharmbeckstotel.
Musik im Blut: Malte (links) und Tjalf Hoyer beim gemeinsamen Frühstück auf der Veranda ihres Elternhauses in Scharmbeckstotel. (Christian Kosak)

Scharmbeckstotel. Es hat tatsächlich geklappt. Die Terminkalender von Malte und Tjalf Hoyer sind nämlich nicht ganz so leicht zu koordinieren. „Wir haben beide viel um die Ohren“, sagt Malte Hoyer. Der 38-Jährige ist Sänger und Songschreiber seiner vor 15 Jahren in OHZ gegründeten Band Versengold. Mit ihrer Mischung, die Malte Hoyer selbst als „Folk“ bezeichnet, die ihm zufolge aber auch die Grenzen zum Rock, Pop und sogar Schlager überschreitet, sind Versengold gerade überaus erfolgreich. Just an diesem Freitag erschien das neue Album „Nordlicht“. Dann dreht die Marketingmaschine erfahrungsgemäß auf Hochtouren.

Tjalf Hoyer, vergangenes Jahr 40 geworden, macht auch Musik. Zwar nicht hauptberuflich – er ist Unternehmensberater –, aber er ist mit seiner Band Afterburner nichtsdestotrotz ein Leuchtturm der hiesigen Musikszene. Neben ihren zahlreichen Werder-Hits ist „Burning Christmas“, die alljährliche Weihnachtsshow in der Stadthalle Osterholz-Scharmbeck, das ungekrönte Highlight der 1996 ebenfalls in OHZ gegründeten Formation. Auf dem von Werder-Botschafter Tjalf Hoyer initiierten Geschenk zum 120. Geburtstag des SV Werder Bremen, dem Sampler „Lauter Werder“, sind die „Burner“ natürlich ebenfalls vertreten – neben Sängern wie Jan Delay, Heinz-Rudolf Kunze, Grillmaster Flash, Johannes Strate. Und auch Versengold.

Damit sind die Hoyer-Brüder musikalisch wieder vereint. Ein Kreis hat sich geschlossen. Das gemeinsame Frühstück auf der Veranda ihres Elternhauses in Scharmbeckstotel ist da so etwas wie ein kleiner Ausdruck dessen. Bei Kaffee, Käse, Honig, Marmelade, Eiern, Brötchen und frischen Erdbeeren ist es leicht, mit den beiden Brüdern eine gemeinsame Ebene zu finden. Auf der Bühne sind sowohl Malte als auch Tjalf Hoyer dagegen eher der Typ Rampensau.

Doch das macht beide nicht abgehoben. Im Gegenteil, sie wirken bemerkenswert geerdet. Soll heißen: Sie sind auf dem Boden geblieben. Das Gespräch bekommt nach wenigen Augenblicken einen bemerkenswerten Tiefgang. Tjalf und Malte Hoyer sind fokussiert auf das, was sie tun. Schnell wird klar: Es hat viel damit zu tun, wie sie aufgewachsen sind. „Wir hatten hier in Scharmbeckstotel eine schöne Kindheit und Jugend“, sagt Malte Hoyer. Tjalf nickt zustimmend, während er sich ein halbes Brötchen mit Käse belegt. „Unsere Eltern haben uns die Basis für kreatives Schaffen ermöglicht. Versengold sind im Keller dieses Hauses gegründet worden, richtig?“ Malte bestätigt.

Die Show der Afterburner eine riesige Party, Versengold mit ihren atmosphärischen Texten – zwei unterschiedliche musikalische Ausrichtungen, die aber irgendwie unter einem gemeinsamen Motto stehen. Es könnte „Feier das Leben“ heißen. Diese Sicht entlockt Malte und Tjalf Hoyer ein Lachen. Der Ältere findet zuerst die passende Antwort: „Afterburner waren ja nie darauf angelegt, etwas in Richtung Charts zu bewegen. Wir konnten uns immer auf den Spaß fokussieren.“ Und: „Bei Malte ist das schon tiefsinniger, weil er das ja alles auch textet. Aber egal, wie groß der kreative Input ist, man hat die größte Freunde, wenn man sieht: Die Leute lassen los.“ Versengold-Sänger Malte Hoyer schiebt nach: „Man bringt Freude in die Welt.“

Doch speziell für Malte Hoyer war es ein steiniger Weg. Er und sein Bruder hätten als Kinder und Jugendliche zwar intensiv Musik gehört, doch auf die Idee, einmal seine Brötchen als Künstler zu verdienen, sei er zunächst gar nicht gekommen. Nur dass es kein typischer „nine to five“-Job sein würde, das war dem musikalischen Autodidakten ziemlich schnell klar. Den Anfang seines Musikerdaseins machte eine Tinwhistle, die er sich gekauft hatte. Es folgten die mageren Jahre eines nach Erfolg strebenden Musikers. „Ich weiß, wie das ist, in einer kleinen WG zu leben und sich von Toastbrot und Nudeln zu ernähren“, denkt Malte Hoyer zurück. „Er ist seinen Weg konsequent gegangen. Das war die klassische Ochsentour eines Musikers“, wirft Bruder Tjalf mit anerkennendem Ton ein. Diese Beharrlichkeit wird inzwischen belohnt: Das 2017 erschienene Album „Funkenflug“ stieg auf Platz zwei der deutschen Album-Charts ein.

Neues Album von Versengold

Der Titel des neuen Albums nun lautet „Nordlicht“. Malte Hoyer sagt: „Auf Nordlicht setzen wir uns mit den Orten unserer Herkunft auseinander.“ So seien auf dem Album unter anderem zwei Songs drauf, die sich mit dem Teufelsmoor beschäftigten. Dass das Thema Heimat in den Versengold-Fokus gerückt ist, hat damit zu tun, dass bis auf den Nyckelharpa-Spieler Alexander Willms, der aus Wilhelmshaven stammt, alle Mitglieder aus dem Landkreis Osterholz kommen. Schlagzeuger Sean Lang und Geiger Florian Janoschke sind Jungs aus Osterholz-Scharmbeck, Gitarrist Daniel Gregory ist Frankenburger und Bassist Eike Otten Lilienthaler. Allerdings ist Malte Hoyer das letzte Gründungsmitglied.

Bruder Tjalf schmiert sich noch ein Brötchen und hört halb belustigt und halb nachdenklich zu. „Die Gegend hier hat in unserer Generation einige Musiker hervorgebracht“, sagt er. „Die Namen aller Bands und Leute, die mir da einfallen, sind zahlreich.“ Das alles ist für Tjalf Hoyer kein Wunder, habe es doch in den 1990er-Jahren viel mehr musikalische Angebote gegeben, zum Beispiel durch engagierte Lehrkräfte am Gymnasium Osterholz-Scharmbeck. Er erinnert sich: „Da ist für uns sogar extra ein Raum freigemacht worden, damit wir proben konnten. Bis der Hausmeister kam und meinte, er müsse jetzt aber mal Feierabend machen.“

Das, da sind sich die Brüder einig, sei heute oftmals verloren gegangen. Dabei müsse Musikunterricht und -förderung zum Angebot jeder Schule gehören. „Da kommen unbekannte Menschen zusammen und entwickeln etwas Gemeinsames“, meint Tjalf Hoyer. Sein Bruder unterstreicht das mit dem Wissen eines studierten Pädagogen: „Durch solche Prozesse entsteht Empathie. Ich halte das in Zeiten von aufkeimendem Rechtspopulismus für enorm wichtig.“ Malte Moyer spielt den Ball wieder zu seinem Bruder zurück und dieser ergänzt: „Es muss ja nicht jeder gleich Profi werden, Alben produzieren oder auf großen Bühnen stehen. Es reicht doch auch, einfach mal eine Band zu haben und sich auszutoben. Dabei lernen die Leute, dass sie gemeinsam etwas erreichen.“  Malte Moyer nickt zustimmend: „Das Team ist mehr als die Summe seiner Teile.“

Der Versengold-Frontmann schaut auf seine Uhr. Sein Terminkalender rückt wieder in den Fokus, doch nicht nur bei ihm. Auch Tjalf muss heute noch einiges beschicken. Bevor sie sich trennen, kommen die beiden Brüder aber noch ein bisschen ins Fachsimpeln über die Erdbeeren. Denn sie leben seit Kurzem nach über 20 Jahren an verschiedenen Orten wieder gemeinsam Tür an Tür auf einem Hof südlich von Bremen. Dort pflanzen sie unter anderem eigenes Gemüse und Obst an.


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Leserkommentare
onkelhenry am 19.10.2019 18:12
74 Jahre SPD!

Nirgendwo ist die Kluft zwischen arm und reich größer.
Schlechte Wirtschaft, schlechte Bildung ... von vielen ...
peteris am 19.10.2019 17:47
Das Affentheater geht also in die nächste Runde. ...