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Ein Garten für Nymphen und Nixen

Brigitte Lange 23.04.2019 0 Kommentare

Seinen ersten Teich hat Herbert Askamp mit 21 Jahren angelegt. Heute findet er Ruhe und Entspannung in seinem eigenen Wasser-Garten; auch für Fische, Libellen und Amphibien ein Paradies.
Seinen ersten Teich hat Herbert Askamp mit 21 Jahren angelegt. Heute findet er Ruhe und Entspannung in seinem eigenen Wasser-Garten; auch für Fische, Libellen und Amphibien ein Paradies. (Christian Kosak)

Vom Lärm der Werschenreger Straße durch das Wohnhaus abgeschirmt, liegt das private Paradies von Herbert Askamp am Rand von Ritterhude. Es sind nur wenige Schritte von der Auffahrt – zwischen Haus und Carport hindurch – dann steht der Besucher mitten drin: Mitten drin im „Psychotop“, wie der 66-Jährige sein grünes Reich mit einem verschmitzten Lächeln nennt. Eine Wortschöpfung aus Psychologie und Biotop, die widerspiegelt, was Askamp sein Wasser-Garten bedeutet. Nämlich: „Sehr, sehr viel.“

Herbert Askamp ist Mitglied der Ritterhuder Nabu-Ortsgruppe und an allem interessiert, was kreucht und fleucht. Doch dem Wasser, dem mythologischen Reich von Nixen, Nymphen und Wassermännern, gehört seine Passion. Seit seiner Kindheit ist das nasse Element Teil seines Lebens. „Früher, als Junge, bin ich viel Angeln gewesen.“ Ein breiter Graben habe sich durch das Grundstück seiner Eltern gezogen, erzählt er. Auf jenem Grundstück legte er mit 21 Jahren auch seinen ersten Teich an. Und als er später in Grambke wohnte, verbaute er einen kleinen 500-Liter-Fertigteich in seinem Stadtgarten.

Infos aus Büchern bezogen

„Ich habe mich immer mit Teichen beschäftigt und viele Bücher dazu gelesen“, sagt Askamp. Heutzutage greife er auch auf das Wissen der Fachleute und Fachbetriebe im Internet zurück. Aber damals gab es diese Möglichkeit nicht. Davon, einfach in einen regulären Baumarkt zu gehen, könne er jedem Teichbau-Neuling abraten.

Im Mittelpunkt des vorderen Teichs zieht eine Seerose alle Blicke auf sich.
Im Mittelpunkt des vorderen Teichs zieht eine Seerose alle Blicke auf sich. (Maike de Boer)

Durch die Lektüre und seine Beobachtungen habe er schließlich eine Vorstellung davon bekommen, worauf es bei einem solchen Gewässer ankommt. Als er 1993 das Grundstück an der Werschenreger Straße erwarb, war klar, dass der Garten in erster Linie aus Teichen bestehen sollte. Zunächst nur aus einem. Dann, als Herbert Askamp, einen Teil der angrenzenden Wiese kaufen konnte, wurde der Erste um einen Zweiten erweitert. Und der wiederum wurde durch einen künstlichen Bachlauf mit einem Tümpel verbunden, der auch mal trocken fallen darf.

Das flach auslaufende Ufer der beiden Teiche, die auf nicht eingeweihte Betrachter wie ein einziges, lang gezogenes Gewässer wirken, dehnt sich in weichen Ein- und Ausbuchtungen fast von einer Längsseite des Grundstücks zur anderen. Ein Holzsteg ragt von einem parallel zum Wasser verlaufenden Weg aus Granitsteinen auf den tiefsten Teil des Teichs hinaus. Dorthin, wo eine Seerose die Blicke auf sich zieht. Im hinteren Teil des Gartens geht dieser Weg in eine hölzerne Brücke über, die im weiten Bogen über den Bachlauf zu einem Gartenpavillon führt. Hinter der Brücke mündet das Gewässer in den Tümpel.

Über einen kleinen Bachlauf ist ein flacher Tümpel an die Wasserlandschaft angeschlossen. Sie bietet neben Amphibien auch Schlammschnecken ein Zuhause.
Über einen kleinen Bachlauf ist ein flacher Tümpel an die Wasserlandschaft angeschlossen. Sie bietet neben Amphibien auch Schlammschnecken ein Zuhause. (Ilse Okken)

Um einen freien Blick von der Terrasse am Haus auf seinen See zu haben, ist die dem Haus gegenüberliegende Uferzone nicht bepflanzt worden. Weser-Kies ist dort das Bindeglied zwischen Rasen und Wasser. „Zunächst hatte ich dieses Ufer mit Sand befestigt“, erzählt er. Aber die im Teich lebenden Fische sorgten dafür, dass der Sand zur tiefsten Stelle wanderte. Der Teich wurde flacher. Er habe dann den Sand wieder aus dem Teich schippen müssen. Das sei ihm eine Lehre gewesen.

Die übrigen Ufer wurden von heimischen Stauden erobert, die nasse Füße lieben: Je nach Wassertiefe wachsen dort Rohrkolben, Sumpf-Pippau, Blut- und Gilbweiderich, Sumpfziest, Sumpfwolfsmilch, Zottiges Weidenröschen, Schwanenblume und Schwertlilie. Wo es bereits tiefer ist, fühlen sich Fieberklee und Sumpfblutauge wohl. Im Sommer rahmen sie die dunkle Wasseroberfläche mit einer Wolke aus rosa, weißen, gelben und lila Blüten ein. Herbert Askamp kann gar nicht alle Arten aufzählen, die dort ihre Wurzeln ins Erdreich gesenkt haben. Diese Pflanzen locken ganze Schwärme von Insekten und andere Tiere an. Sie bieten ihnen Nahrung, Lebensraum und eine Kinderstube für ihren Nachwuchs. „Auch Libellen wie die Azur- und die Messingjungfer haben sich eingefunden.“

Einige der Pflanzen fungieren zudem als Filter für das Teichwasser: Sie verhindern, dass die Algen überhandnehmen und versorgen den Teich mit Sauerstoff. Herbert Askamp und seine Familie profitierten ebenfalls von ihnen: „Wenn ein Teich gut eingerichtet und vernünftig bepflanzt ist, stellen sich Libellenlarven oder auch Gelbrandkäfer ein und die dezimieren die Zahl der Mückenlarven.“ Eine Invasion dieser Quälgeister, die die Sommerabende am heimischen Teichufer verderben würden, fürchtet er daher nicht.

„Den ersten Teich habe ich noch selbst angelegt; für den zweiten engagierte ich einen Fahrer samt Bagger; zehn Arbeitskollegen halfen mir später, die Folie glatt zu ziehen“, berichtet der 66-Jährige. Dabei habe es sich um eine PVC-Folie gehandelt, weil sie leichter zu verarbeiten und vor allem „bei der Größe meines Teiches“ bezahlbar gewesen sei. Während der ältere, näher am Haus liegende Teich 1,40 Meter tief ist, wurde der „Anbau“ stellenweise noch zehn Zentimeter tiefer. „Das ist wichtig, damit die Tiere im Wasser den Winter überstehen können“, erklärt Askamp. Fische, aber auch Amphibien, zögen sich dorthin zurück, wo der See nicht zufriere. Diese Zone beginne bei einer Tiefe von 80 Zentimetern. „Auch die Seerose braucht diese Tiefe, damit ihre Wurzeln nicht erfrieren.“ Beim Bau müsse aber noch zehn bis 20 Zentimeter tiefer gebuddelt werden, erinnert Askamp daran, dass zwischen gewachsenem Boden und Folie eine Schutzschicht aus Sand und auf die Folie selbst eine Vegetationsschicht aus Sand aufgebracht werden müsse.

Laichkraut, Fieberklee und Tannenwedel sorgen für Sauerstoff.
Laichkraut, Fieberklee und Tannenwedel sorgen für Sauerstoff. (Christian Kosak)

Wie tief ein Gartenteich werden kann, gibt wiederum die Größe des Grundstücks vor. Zumindest dann, wenn es ein Teich und kein Schwimmbecken beziehungsweise Zierbecken mit senkrechten Wänden werden soll. Die Ufer eines Garten- oder Naturteichs dürfen nicht zu steil ausfallen. 30 Grad ist das Maximum. Für die Praxis heißt das, dass ein vier Meter breiter Teich nicht tiefer als 60 Zentimeter werden darf. „Wenn die Ränder zu steil angelegt sind, haben die Pflanzen keinen Halt“, erklärt Herbert Askamp. Um es ihnen leichter zu machen, hat er das Ufer in verschiedenen Stufen angelegt – 80 Zentimeter für die Seerose, 50 Zentimeter für Unterwasserpflanzen. In 20 bis 30 Zentimetern Wassertiefe wachsen die Uferstauden und im flachen Uferbereich die Sumpfpflanzen.

Die Größe, so erklärt Askamp weiter, wirkt sich auch auf den Pflegeaufwand aus: „Je größer der Lebensraum, desto besser sind die Lebensbedingungen und desto stabiler ist der Teich.“ Entscheidend ist allerdings auch die Lage – sonnig oder schattig, dicht an Bäumen – und der Besatz: Durch Fische kommen zusätzliche Nährstoffe ins Wasser, Algen können leichter und schneller wachsen, was letztlich den Pflegeaufwand erhöht, wie Herbert Askamp aus eigener Erfahrung berichtet.

Einige Unterwasserpflanzen neigen zudem zum Wuchern. Sie im Griff zu behalten, bedeutet ebenfalls Arbeit. „Es ist ein Lernprozess; Hechtkraut und Hornkraut zum Beispiel wuchern sehr stark; die hatte ich im vorderen Teich; mehrere Schubkarren davon habe ich im Jahr rausgeholt.“ Als der Teich vergrößert wurde und die Fische dazu kamen, entschied sich Herbert Askamp, diese Pflanzen ganz zu entfernen und den Teich durch eine Pumpe mit Sauerstoff zu versorgen. Trotzdem muss er mehrmals im Jahr in seinen Teich steigen. „Im Oktober hole ich dann zum letzten Mal den Schlamm raus.“

Natürliche Sauerstofflieferanten

Im Tümpel am anderen Ende des Gewässers übernehmen dagegen Laichkraut, Fieberklee und Tannenwedel ganz natürlich die Aufgabe der Sauerstofflieferanten und bieten Lurchen einen idealen Laichraum. „Er ist gut von ihnen angenommen worden“, erzählt Askamp. Damit dieser Lebensraum nicht ausgerechnet in der Zeit trocken fällt, in der sich die Kaulquappen entwickeln, hat Askamp Tümpel und Bach an eine Pumpe angeschlossen. Im Notfall versorgt diese sie mit Brunnenwasser.

Für den Wassermann Herbert Askamp ist ein Garten ohne Teich undenkbar: „Der Teich ist für meine Psyche ganz wichtig; ich erfreue mich jeden Tag an ihm; vom Schlafzimmerfenster fällt morgens mein Blick als erstes auf den Teich; und ich beschäftige mich gern mit ihm; er gibt mir eine gewisse Ruhe.“

Zu viele Algen

Von einem Teich im Garten träumen viele Menschen. Vom Natur-Schwimmteich bis hin zum Amphibien-Tümpel gibt es die verschiedensten Varianten. In kleinen Gärten, auf Terrassen oder Balkonen sorgen selbst Miniteiche für „Wasser“-Atmosphäre. Sie bestehen aus einem oder mehreren Gefäßen. Geeignet dafür sind Zinkwannen, halbe Wein- oder Whiskyfässer aber auch Maurerkübel und Steintröge. Mithilfe von Steinen entstehen in ihnen unterschiedliche Ebenen für die Wasser- und Unterwasser-Pflanzen. Diese sollten aber nicht zu starkwüchsig sein, damit am Ende von der Wasserfläche noch etwas zu sehen bleibt. Auch sind diese Wasserlandschaften aufgrund ihrer geringen Größe pflegeaufwendiger als größere Teiche, und sie müssen zum Winter hin abgelassen werden, da sie bei Minusgraden bis auf den Boden durchfrieren.

Ein Problem, mit dem nicht nur Miniteich-Besitzer kämpfen, sind Algen. In Maßen gehören sie zu jedem Gewässer dazu, sind sogar lebensnotwendiger Bestandteil dieses Habitats. Nehmen sie aber überhand, drohen sie alles Leben im Wasser zu ersticken. Das Auftreten einer Algenplage ist ein Hinweis darauf, dass etwas in diesem Lebensraum nicht stimmt. Zu wenige Sumpf- und Wasserpflanzen können etwa der Grund sein, warum ein Teich sich nicht mehr selbst reinigen kann. Abgesehen davon, dass diese Auslöser einer Algenplage dauerhaft angegangenen werden müssen, bieten Fachbücher und Fachseiten im Internet Teichbesitzern einen weiteren Rat: Reiner Hochmoortorf oder Eichenrindenhäcksel senken den pH-Wert des Wassers. Algen wachsen aber schlecht in neutralem oder leicht saurem Milieu. Um diese pH-Senkung zu erreichen, wird der Torf oder der Häcksel in einem Netz verpackt ins Wasser gehängt. Nach einigen Tagen haben sich die Gerbsäuren im Wasser gelöst. Allerdings: Wunder solle niemand von diesen biologischen Mitteln erwarten, warnen die Ratgeber.


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Leserkommentare
peteris am 21.10.2019 12:30
Vielleicht wissen wir am 1.11. um 11:11h mehr.


Sie meinen sicher den 11.11. um 11:11h?
suziwolf am 21.10.2019 12:19
Und dann ... @kretschmar -
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