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Ein Garten für Romantiker

Brigitte Lange 14.05.2019 0 Kommentare

Mit Beginn seines Ruhestandes gönnte Harry Klawohn sich und seiner Frau Hannelore eine erste Rose. Heute wachsen im Garten des Paares gut 300 verschiedene Rosen plus ihrer bunten Begleiter. 
Mit Beginn seines Ruhestandes gönnte Harry Klawohn sich und seiner Frau Hannelore eine erste Rose. Heute wachsen im Garten des Paares gut 300 verschiedene Rosen plus ihrer bunten Begleiter.  (Maike de Boer)

Wenn im Landkreis Osterholz über Rosen gesprochen wird, kommt vielen ein Name in den Sinn: Harry Klawohn. Mit etwas Abstand von der Straße „Am Waldesrand“ in Schwanewede haben er und seine Frau Hannelore sich ihr grünes Paradies geschaffen. Die Königin der Blumen spielt darin die Hauptrolle: Mehr als 300 Rosen haben ihre Wurzeln vor der ehemaligen Baracke, die das Paar im Laufe von 31 Jahren zu einem gemütlichen Heim gemacht haben, ins Erdreich gesenkt und den Garten in ein farbiges, duftendes Märchen verwandelt. Ein Traum für jeden Romantiker.

„Als mein Mann in Rente ging, fing das Elend an“, sagt Hannelore Klawohn. Sie lächelt, denn auch sie genießt den Garten: „Wenn die Blüten der Rambler so von oben herab hängen, ist das wunderschön.“ Ihr Mann warnt jedoch Garten-Neulinge, die darüber nachdenken, solch ein Rosen-Reich anzulegen: „Wenn man Vollzeit arbeitet, ist das nicht zu schaffen; selbst ein kleiner Rosengarten braucht zu viel Zeit; er will das ganze Jahr über gepflegt werden.“ Denn je besser diese Pflanzen versorgt werden, desto blühfreudiger seien sie.

Harry Klawohn liebt vor allem Rosen, die intensiv duften.
Harry Klawohn liebt vor allem Rosen, die intensiv duften. (Maximilian von Lachner)

Zu dieser Pflege gehöre das Zurückschneiden der Triebe im Frühjahr. Einen Hinweis darauf, wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist, gebe die Forsythie: Ziehen ihre gelben Blüten die Blicke auf sich, greift der Rosen-Gärtner zur Schere. „Eine Zeit lang haben wir auch die verblühten Knospen entfernt“, sagt seine Frau. Die Rosen würden dann erneut blühen, statt direkt Hagebutten anzusetzen. „Bei einigen Rosen mache ich das immer noch.“ Aber für alle seien es nun zu viele. „Und man muss Unkraut jäten“, ergänzt ihr Mann. Auch dabei packe seine Frau mit an. Aussuchen, kaufen, das Beet anlegen, Rankgerüste bauen und Rosen pflanzen – das sei aber Sache ihres Mannes, betont Hannelore Kalwohn: „Ich bin die Tippgeberin, er der Vollender.“

Als Harry Klawohn noch berufstätig war, sah der Garten daher völlig anders aus: „Wir hatten eine Wiese mit einer Liege darauf und ein kleines Gemüsebeet“, erinnert sich der 75-Jährige. Was das Ehepaar an Freizeit besaß, investierte es in die Renovierung der Baracke. „Als wir sie übernahmen, war der Himmel durch das Dach zu sehen.“ Ein halbes Jahr brauchten sie, bis es dicht war und sie einziehen konnten. Dann wurde weiter saniert. An Gartengestaltung war nicht zu denken. Vor allem bei einem Grundstück, das dafür so ungeeignet schien. Ein Wald umschließt es von drei Seiten. Die Äste der Bäume schieben sich vor die Sonne. „Ich wundere mich manchmal, dass die Rosen hier so gut wachsen; eigentlich lieben sie sonnige Orte“, sagt Harry Klawohn. Das merke er immer, wenn sie ihre Tochter besuchten. In deren Garten blühten die Rosen deutlich früher als bei ihnen zu Hause.

Eine  Blüte der Rose
Eine  Blüte der Rose "Chippendale". (Gabriela Keller)

Und dann der Boden: „Der Bauer baute schon nichts mehr an, weil es zu sumpfig war.“ Daher schüttete Harry Klawohn Erde auf. Steinerne Umrandungen halten die so entstandenen Mini-Hochbeete an Ort und Stelle. „Jeden Stein habe ich dafür angeschleppt“, erinnert er sich. Für den Bau der niedrigen Mauern holte er Lehm aus den Gräben, die ans Grundstück grenzen. Der hält die Steine so lange zusammen, wie es dem Herrn des Gartens gefällt. Und das kann von kurzer Dauer sein. „Oft, wenn ich nach Hause kam, wurde ich davon überrascht, dass es wieder ein neues Beet gab“, sagt seine Frau. „Aber nun ist das Ende der Fahnenstange erreicht“, sagt ihr Mann: „Der Platz ist ausgereizt.“

Quasi aus dem Bauch heraus hat Harry Klawohn ein buntes Paradies geschaffen, das keinem Zollstock und keiner Schnur gehorcht. „Das fände ich auch langweilig“, beurteilt er die früher vorherrschende Liebe der Gärtner für exakt ausgerichtete Blumen-Reihen in Beeten mit geraden Kanten und rechten Winkeln. „Zum Glück ist das heute anders.“ Klawohns Blumen-Flächen dehnen und winden sich in weiten und engen Bögen über die ehemalige Wiese. Gleich einem Bach mäandern die Gartenwege zwischen ihnen hindurch und locken zu Entdeckungstouren durch Rosenbögen und unter Pergolen hindurch, die die Ranken der Rambler und Kletterer erobert haben. Geschickt verbergen sie die dahinter blühenden Pflanzen vor dem direkten Blick der Besucher und locken weiter.

Gebaut habe er die Gerüste aus Dachlatten. Um sie vor der Feuchtigkeit im Boden zu schützen, stecken sie in Metallhülsen. „Nach zwölf Jahren muss ich aber einige Gerüste erneuern“, bedauert er seine damalige Holz-Wahl. Die Reparaturen bedeuten den radikalen Rückschnitt der inzwischen mächtigen Kletter- und Rambler-Rosen. Ob sie den Eingriff überstehen werden, weiß er nicht. „Jetzt kommt für mich nur noch Eiche infrage.“ Das verrotte nicht so schnell.

Eine Blüte der Kletterrose
Eine Blüte der Kletterrose "Gertrude Jekyll". (Gabriela Keller)

Spontan ist ebenfalls das Herzstück des Rosengartens entstanden: Einen Hügel Sand, den ein früherer Nutzer der Baracke hinterlassen hatte, habe er in seinen Gartenwegen verbaut. „Plötzlich war der Sand weg und ein Loch da“, erzählt er. So entstand der Gartenteich, der mit dem angrenzenden Holzdeck zum Lieblingsplatz der Klawohns geworden ist. „Erholung, Ruhe, Entspannung“, alles das, was der Garten Hannelore Klawohn bedeutet, finde sie dort. Dagegen könne ihr Mann kaum still sitzen. „Was zu gestalten, macht eben Spaß“, sagt er.

Dazu kommt, dass er sich für neue Projekte begeistert. Die erste Rose, die er sich zum Renteneintritt auf dem Grünmarkt in Vegesack gegönnt hatte, blieb nicht die einzige. „Das war eine Strauchrose; Rosa Robusta hieß die“, erinnert er sich an die offene, rote Blüte mit dem gelben Kelch, die aus ihm einen leidenschaftlichen Rosen-Romantiker gemacht hat. Von da an sei er immer wieder nach Vegesack gepilgert. „Irgendwann war ich der beste Kunde des Blumenhändlers.“ Ein typischer Anfängerfehler. Die Rosen, die er auf dem Markt bekam, seien französische gewesen – ungeeignet für das Klima und den Boden in seinem Garten. Dazu noch Container-Ware. „Später lernte ich, dass ich für den Preis einer solchen Rose zehn Wurzelnackte bekommen konnte.“

Die Misserfolge mit den betörend schönen, aber empfindlichen Franzosen konnten ihn nicht entmutigen. „Ich habe dann viele Fachbücher gelesen und Kataloge gewälzt.“ Dabei entdeckte er ständig neue Exemplare, die er haben musste. „Bis zu Kordes nach Schleswig-Holstein sind wir gefahren.“ Von Schultheis, einem anderen Rosenzüchter, bestellte er ebenfalls Pflanzen. Damit die kostbare Fracht anwuchs, habe er die wurzelnackten Rosen 24 Stunden lang in die volle Regentonne gelegt. Pflanzen würde er Rosen übrigens nur im Herbst: „Dann blühen sie bereits im nächsten Frühling.“ Ganz wichtig sei, dass die Veredlungsstelle eine gute Handbreit von Erde bedeckt sei.

Davon, die Rosen gegen Krankheiten und Schädlinge zu behandeln, halten beide nichts. „Anfangs habe ich sie gespritzt“, räumt Harry Klawohn ein. „Die Rosen sahen trotzdem nicht gesund aus.“ Der einzige, der davon profitiere, sei der Hersteller. Auch mit dem Hausmittel „Brennnessell-Jauche“ hätten sie keinen Erfolg gehabt. „Die hat nur gestunken“, so Hannelore Klawohn. Letztlich hätten sie wohl zu viele Rosen für eine solche Behandlung. Viel wichtiger sei es, sich mit den Standortbedingungen zu befassen und dafür die passenden Pflanzen zu kaufen. Dabei habe er gelernt, ADR-Rosen zu wählen. Die Abkürzung steht für „Anerkannte Deutsche Rose“. Ein Hinweis auf relativ robuste Pflanzen. „Und zu dicht sollten sie auch nicht stehen“, meint er mit Verweis auf Krankheiten wie Mehltau und Rosenrost. Außerdem müsse man ans Düngen denken. „Alter Pferdemist, in dem keine Würmer mehr krabbeln, ist am besten“, verrät seine Frau.

Bei aller Pracht: Die Königin der Blumen würde nicht halb so schön am Waldrand strahlen, wäre sie die einzige Pflanze in Klawohns Garten. „Es ist das Gesamtbild, das den Garten ausmacht.“ Das setze sich nicht aus Rosen allein zusammen. „30 bis 40 verschiedene Clematis klettern an den Rankgerüsten empor.“ Zu Füßen der Königin, dort wo sie kahl daher kommt, sorgen Malven, Lavendel, Fingerhut und Rittersporn, Mohn und Frauenmantel sowie Storchschnabel für Farbe und Abwechslung. In den schattigeren Bereichen sind Funkien die Begleiter.

„Man muss viel ausprobieren“, sagt Harry Klawohn. Er schätzt, dass die Hälfte der Rosen, die er gekauft hat, gegen neue ersetzt werden mussten. „Ich habe gelernt, dass Garten mit G anfängt – G wie Geduld.“

Eine Leckerei – nicht nur für Vögel

In der westlichen Kultur steht die Rose für die Liebe. Der Duft so mancher Sorte steigt einem tatsächlich regelrecht zu Kopf. Trotzdem sind Rosen nicht nur etwas für Romantiker. In erster Linie sind sie Nahrung für Insekten. Zumindest wenn es sich bei der Rose um eine Sorte mit ungefüllten oder halb gefüllten Blüten handelt. Bei Gefüllten sind die Staubgefäße mutiert. Sie bieten Bienen und anderen Insekten kaum Pollen. Auch Nektar suchen sie bei gefüllten Blüten meist vergeblich. Auf die Hagebutten haben es wiederum viele Vögel abgesehen. Besonders kleine Hagebutten wie die der Büschel-Rose (Rosa multiflora) sind bei ihnen beliebt. Größere werden oft erst genascht, nachdem sie den ersten Frost abbekommen haben und dadurch weicher und süßer geworden sind.

Mit ihrer Vorliebe sind die Vögel nicht allein: Seit altersher werden Hagebutten in unseren Küchen verarbeitet. Zum Beispiel zu Mus, das wieder Grundlage für Konfitüre, Gelee oder Vinaigrette ist. Um drei Gläser à 200 bis 250 Gramm Hagebutten-Mus zu erhalten, werden ein Kilo Hagebutten benötigt. Nach dem Waschen müssen sie halbiert und mithilfe eines Löffels von Kernen und Härchen sorgfältig befreit werden. Das Tragen von Handschuhen ist dabei Pflicht. Dann werden die Hagebutten in einem Topf mit 250 Milliliter Wasser 30 bis 60 Minuten lang geköchelt. Die Dauer hängt mit der Größe und dem Reifegrad der Hagebutten zusammen. Im nächsten Schritt werden die weichen Hagebutten mit einem Löffel durch ein feines Sieb gestrichen, bis nur noch die Fruchthäute im Sieb sind. Um aus diesem Mus eine Konfitüre zu machen, werden 500 Gramm Zucker sowie ein Esslöffel Zitrone hinzugefügt und zum Aufkochen gebracht. Diese Masse muss zehn Minuten unter Rühren köcheln. Die heiße Süßigkeit wird in vorbereitet Gläser gegeben, die sofort verschlossen und auf den Kopf gestellt werden müssen.


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Leserkommentare
linde79 am 20.10.2019 17:58
Wie wäre es denn, wenn man auch mal die Qualität der Lehrer und Lehrerinnen hinterfragte? Wie wäre es in Anbetracht der Bildungsmisere, die ...
Michalek am 20.10.2019 17:37
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Grundschüler brauchen Unterricht, der ...