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Insolvenzverfahren und Neustart
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„Ein Opfer des drohenden Brexit“

Christian Valek 08.10.2019 0 Kommentare

Die Gemmer GmbH an der Marie-Curie-Straße hat Insolvenz angemeldet. Versuche, den Betrieb zu retten, schlugen fehl.
Die Gemmer GmbH an der Marie-Curie-Straße hat Insolvenz angemeldet. Versuche, den Betrieb zu retten, schlugen fehl. (Christian Kosak)

Pennigbüttel. Der drohende EU-Austritt Großbritanniens hat in Osterholz-Scharmbeck ersten Schaden angerichtet: Die Gemmer GmbH in Pennigbüttel ist pleite. Aufgrund der Brexit-Gefahr waren unter anderem Aufträge aus England nicht erteilt oder zurückgehalten worden. Rund 35 Mitarbeiter des Anlagenbauers haben dadurch im September ihren Arbeitsplatz verloren. Dennoch gibt es Hoffnung: Eine bestehende Tochterfirma des Gemmer-Firmenverbundes, die Gemmer Process Partners Europe GmbH & Co KG, führt die Geschäfte weiter. "Wir sind im September gut gestartet", betont der neue geschäftsführende Gesellschafter, Renko Schmidt.

Renko Schmidt war vor Kurzem ins Unternehmen gekommen und hält – zusammen mit Henrik Gemmer – je 50 Prozent der Firmenanteile, wie er am Dienstagabend im Gespräch mit der Redaktion erläutert. Er führt das kaufmännische Geschäft. Man habe in den vergangenen Wochen bereits Verhandlungen mit dem Insolvenzverwalter aufgenommen. „Die Gespräche werden in voraussichtlich zwei Wochen zu einem positiven Abschluss geführt“, so Schmidt. „Einige der großen Kunden haben uns das Vertrauen geschenkt“, erläutert er. Dadurch könne man am bekannten Standort neu durchstarten, denn das Gebäude an der Marie-Curie-Straße 20 ist nicht Bestandteil der Insolvenz. Es gehört zu einem anderen Unternehmenszweig der Firma. Renko Schmidt legt Wert darauf, genau hinzusehen: Zwar sei die Gemmer GmbH insolvent, die Gemmer Process Partners Europe GmbH jedoch arbeite vielversprechend. Er rechne fest damit, dass bis Jahresende etwa 20 Arbeitsplätze geschaffen werden können.

Die Gemmer GmbH befindet sich seit Anfang September in einem Insolvenzverfahren. Im Juli habe noch Hoffnung bestanden, die Osterholzer Firma zu retten, wie der zuständige Insolvenzanwalt mitgeteilt hatte. Gemmer habe sich in vielen Jahren einen hervorragenden Ruf im Markt erarbeitet und stehe als Traditionsunternehmen in besonderem Maße für Qualität und Zuverlässigkeit, ließ die betreuende Anwaltskanzlei im Juli noch verlauten.

Die folgende Bestandsaufnahme hatte ergeben, dass der Geschäftsbetrieb bis auf Weiteres aufrecht erhalten werden kann. Die Mitarbeitergehälter waren durch das Insolvenzgeld bis Ende August abgesichert. Tatsächlich habe es auch Gespräche mit verschiedenen Investoren gegeben, betont Rechtsanwalt Hans-Joachim Berner von der Kanzlei Willmer-Köster. Am Ende aber habe es niemanden gegeben, der den Betrieb im Ganzen hätte fortführen wollen.

Das Unternehmen sei aufgrund einer zurückhaltenden Auftragsvergabe bei wichtigen Kunden in finanzielle Schieflage geraten, teilte Insolvenzverwalter Malte Köster über seine Kanzlei-Homepage mit. Ein Hauptauftraggeber der Gemmer GmbH war der US-Konzern Kellogg. Als der seine Produktion Ende 2017 in Bremen aufgegeben habe und sich britische Werke wegen Brexit-Unwägbarkeiten mit der Auftragsvergabe zurückgehalten hätten, sei der Anlagenbauer zunehmend in Schieflage geraten, erläuterte Hans-Joachim Berner gegenüber dem OSTERHOLZER KREISBLATT. Aufgrund dieser Konstellation sei es schwierig geworden, das Unternehmen zu halten. Somit könne die Gemmer GmbH als Opfer des drohenden Brexits bezeichnet werden. Der Betrieb hatte zuletzt einen Jahresumsatz in Höhe von rund vier Millionen Euro erzielt.

Anderen Firmen gehe es ähnlich. Insolvenzverwalter Malte Köster hebt in einer Pressemitteilung hervor, dass das Umfeld für Maschinen- und Anlagenbauer in den vergangenen Jahren vor allem unter internationaler Perspektive deutlich schwieriger geworden sei. „Diesem Trend konnte sich Gemmer nicht entziehen“, steht für ihn fest.

Das 1963 von Karl Gemmer gegründete Unternehmen war von einem klassischen Maschinen- und Anlagenbau-Unternehmen zu einer internationalen aufgestellten Unternehmensgruppe gewachsen. Seit 2000 ist Henrik Gemmer Geschäftsführer der Gemmer GmbH Anlagenbau & Behälterbau. In den vergangenen Jahren war ein zweiter Geschäftsführer eingestellt worden.

Die Firma entwickelte und baute thermische Verfahrensanlagen für die Industrie. Dazu zählten unter anderem Bandtrocknungsanlagen. Es ging um die Konstruktion und Fertigung von Maschinen und Anlagen für die Cerealienproduktion sowie für Betriebe der Futtermittel-, Tabak-, Chemie- und Kunststoffindustrie. Im Jahr 2006 wurden als weitere Unternehmen die Gemmer Maschinenbau GmbH & Co. KG und die Gemmer Immobilien- und Verwaltungs GmbH & Co. KG gegründet.

Im Jahr 2008 zog die Firmengruppe aus Sandhausen an den neuen Standort im Industriegebiet an der Marie-Curie-Straße nach Pennigbüttel. Im Frühjahr 2011 war dort eine neue 1500 Quadratmeter große Montage- und Produktionshalle in Betrieb genommen worden. Damit war es möglich, die Edelstahlverarbeitung von der Schwarzblechbearbeitung noch sauberer zu machen. Die Anlagen konnten nach Kundenwunsch konzipiert, in größeren Sektionen gefertigt und endmontiert werden. Außerdem war dort ein Testlauf im montierten Zustand möglich. Die Lieferung erfolgte schlüsselfertig.

Im Dezember findet vor dem Insolvenzgericht in Verden eine Gläubigerversammlung statt. Dort berichtet der Insolvenzverwalter über den Sachstand des Verfahrens zur Gemmer GmbH. Zudem werden angemeldete Forderungen geprüft.


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Leserkommentare
cklammer am 23.10.2019 09:05
Na, wir wissen ja, wie das geht: etwas gleichartiges wird ja am Weserstadion schon beim jedem Heimspiel von Werder umgesetzt.

Da wird ...
oharena am 23.10.2019 09:04
wen soll man jetzt mehr "lieben" - die Polizei, de Anschläge verhindert hat - oder die "lieben" Terroristen, die keine Anschläge verübt haben?