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Taten in Freißenbüttel und Beverstedt
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Einbruchserie endet hinter Gittern

Angelika Siepmann 13.05.2019 0 Kommentare

Justizia-Symbolbild.
Justizia-Symbolbild. (Peter Steffen/dpa)

Hambergen/Verden. Seine kleine Familie wird ein 27-Jähriger aus der Gemeinde Hambergen bald für einige Zeit verlassen müssen. Und mit dem neuen Job wird es wohl auch erst mal nichts. Zwar konnte der Mann das Landgericht Verden jetzt so verlassen, wie er es seit Mitte Februar mehrfach betreten hat, auf freiem Fuß und an der Seite seiner Freundin. Doch demnächst dürfte ihm die Aufforderung zum Haftantritt ins Haus flattern.

Es sei denn, dass er seinen Bremer Verteidiger beauftragt, das Verdener Urteil anzufechten. Die 1. große Strafkammer hat ihn jetzt wegen vierfachen Wohnungseinbruchsdiebstahls und eines Falls besonders schweren Diebstahls zu drei Jahren und neun Monaten Freiheitsentzug verurteilt. Dabei konnte der gebürtige Kroate noch quasi von Glück sagen, dass die Kammer nicht der Forderung des Vertreters der Staatsanwaltschaft folgte. Der hatte nämlich für den reichlich, auch einschlägig vorbestraften Angeklagten fast fünfeinhalb Haft für die zwischen Juli 2016 und November 2017 verübten „Brüche“ beantragt.

Aus Sicht von Staatsanwalt Jan Klinkhammer sollte es sich strafverschärfend auswirken, dass die Tatobjekte größtenteils nach dem Studium von Todesanzeigen in Tageszeitungen ausgewählt worden waren. „Das mag verwerflich erscheinen“, sagte Vorsitzender Richter Volker Stronczyk während der Urteilsbegründung, sei aber „im Ergebnis neutral“ geblieben. Dass der Angeklagte und sein zeitweiliger Komplize bevorzugt in Häuser gerade Verstorbener eingestiegen sind, zeige allerdings umso deutlicher: „Die Taten waren geplant, beruhten auf einem Entschluss.“

Die Fälle in Lilienthal-Seebergen, Grasberg, Beverstedt und beim TSV St. Jürgen wertete das Gericht als Einbruchsdiebstähle, die letzte Tat in Freißenbüttel als besonders schweren Diebstahl. Hier waren die mal wieder im Duo agierenden Männer von der Polizei überrascht und nach kurzer Flucht dingfest gemacht worden. Der 27-Jährige war Beamten durch den Sprung aus einem Fenster entkommen, später von den Zeugen als „filmreife Szene“ geschildert.

Der Fall des Einbruchs im August 2017 in ein videoüberwachtes Haus in der Kreisstadt war im Verlaufe des Verfahrens eingestellt worden. Der Richter erwähnte, dass es sich um das Domizil des kurz zuvor verstorbenen früheren Direktors des Amtsgerichts Osterholz-Scharmbeck gehandelt habe.

Der Prozess hatte sich länger als erwartet hingezogen, weil der Angeklagte zu den Vorwürfen schwieg. So musste an neun Tagen eine aufwendige Beweisaufnahme stattfinden, in deren Verlauf rund 30 Zeugen gefragt wurden. Zum Auftakt war der junge Mann befragt worden, der wegen der Beteiligung an drei Taten bereits im vergangenen Jahr vom Amtsgericht verurteilt worden war. Der 20-Jährige hat den Drahtzieher der Einbruchserie erneut schwer belastet. Als durchgehend glaubwürdig wurde der forsche Zeuge allerdings nicht eingestuft. Nur aufgrund seiner Aussagen wäre eine Verurteilung des Älteren nicht möglich gewesen, betonte Stronczyk. Aber die objektiven Beweismittel, besonders DNA-Spuren, Protokolle der Telefonüberwachung und GPS-Daten, hätten die Angaben letztlich bestätigt und das Bild gerundet. Jedes Indiz hätte nur einen geringen Beweiswert besessen, doch in der Gesamtschau stehe zur Überzeugung des Gerichts fest, dass der Angeklagte die Taten begangen habe.

Auf eine verminderte Schuldfähigkeit wegen Drogen- oder Alkoholeinflusses hat die Kammer nicht erkannt. Zu seiner Biografie und den derzeitigen Lebensverhältnissen hatte der Mann sich eingehend geäußert. Schwierige Umstände waren im Plädoyer von Verteidiger Christian Knüpling eigens hervorgehoben worden. Der Vorsitzende Richter bemerkte dazu: „Man kann nicht eine schwere Kindheit wie ein Mantra vor sich herschieben“. Er verwies auf das Vorstrafenregister des Angeklagten, der zudem im Tatzeitraum unter laufender Bewährung gestanden habe.


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Leserkommentare
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