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Eine Lina zum 15. Geburtstag

Peter von Döllen 28.11.2018 0 Kommentare

Im Herbst übergibt der achte Jahrgang immer bei einer kleinen Feierstunde die Patenschaft für das Moor an den aktuellen siebten Jahrgang.
Im Herbst übergibt der achte Jahrgang immer bei einer kleinen Feierstunde die Patenschaft für das Moor an den aktuellen siebten Jahrgang. (Peter von Döllen)

Hambergen. Dietmar Wonneberger von der Ortsgruppe Hambergen des Naturschutzbundes (Nabu) hat eine gute Nachricht zur traditionellen Übergabe der Moorpatenschaft in der Mensa der Kooperativen Gesamtschule in Hambergen (KGS) mitgebracht: „Wir haben für unsere Aktion die Lina-Hähnle-Medaille bekommen.“

Der Preis ist nach einer der ersten Naturschützerinnen Deutschlands benannt worden. Überall war sie als Vogelmutter bekannt. Lina Hähnle widmete ihr Leben dem Tier- und Naturschutz, was für eine Frau in ihrer Zeit nicht einfach war. Hähnle lebte von 1851 bis 1941. Frauen hatten sich damals um die Kinder und den Haushalt zu kümmern. Mit anderen Dingen sollten sie sich nicht beschäftigen. Trotz allem gründete Hähnle 1899 in der Stuttgarter Liederhalle den Bund für Vogelschutz, der nach dem Zweiten Weltkrieg als Nabu wiedergegründet wurde. Heute steht der Name Lina Hähnle für die höchste Auszeichnung des Nabu. Zunächst wurde die Lina-Hähnle-Medaille an Menschen verliehen, die sich außergewöhnlich für den Naturschutz verdient gemacht haben. Heute können ihn nur Nabu-Mitglieder oder Nabu-Gruppen erhalten. Und dieses Jahr entschied sich der Stiftungsvorstand, die Lina, wie der Preis intern gern genannt wird, an die Nabu Ortsgruppe Hambergen zu vergeben.

Der Grund ist die erfolgreiche Patenschaft mit der Kooperativen Gesamtschule Hambergen (KGS). Dabei ziehen jedes Jahr im Winter die Schüler des siebten Jahrgangs mit den Nabu-Mitgliedern ins Heilsmoor und befreien es von Büschen und Bäumen. Auf den ersten Blick sieht es so aus, als wären die Aktionen Umweltfrevel. „Bäume gelten doch als schützenswert“, sagt auch Lehrer Thomas Köhring, der das Projekt leitet. Aber Daniel van Ballegoy hat die Antwort parat: „Die Bäume verbrauchen zu viel Wasser“, erklärt er den Schülern, die sich traditionell zur Übergabe der Patenschaft in der Mensa versammelt haben. Der achte Jahrgang reicht den Staffelstab in Form eines Projektbuches an den neuen siebten Jahrgang weiter.

Daniel van Ballegoy war als Schüler der KGS vor 15 Jahren bei der ersten als Entkusselung bekannten Aktion im Moor dabei. Rückwirkend kann er nun als Erwachsener die Ergebnisse der Arbeit vorstellen, die zugleich Motivation für die Schüler ist. Schließlich stellt Landrat Bernd Lütjen fest: „Das ist Knochenarbeit.“ Und Samtgemeindebürgermeister Reinhard Kock konstatiert: „Ihr redet nicht nur; Ihr packt an.“ Beide Verwaltungschefs haben selbst bei zahlreichen Einsätzen angepackt. Und Jakob Reiter, der 2017 als Schüler dabei war, räumt ein: „“Ich bin abends kaputt und müde aufs Sofa gefallen.“ Aber die Arbeit lohne sich. „Wir haben der Natur geholfen“, so Reiter.

„Wenn wir 2003 nicht angefangen hätten, stünden dort heute 60 000 Bäume mehr“, rechnet van Ballegoy vor. Die würden dem Moor 1,8 Millionen Liter Wasser entziehen – pro Tag. Und ohne Wasser wäre ein Moor nicht möglich. Aus dem Moor wäre längst ein Wald geworden, was fatale Folgen für zahlreiche seltenen Pflanzen und Tiere hätte. Köhring und van Ballgoy zeigen Fotos von Libellen, Sonnentau, Blindschleiche, Ringelnatter und Moosbeere. „Die wären inzwischen verschwunden“, macht Köhring deutlich, welchen Stellenwert die Patenschaft hat. Dabei sind das nur Beispiele für rund 100 Arten, die im Heilsmoor noch vorkommen. Die haben die rund 2400 Schüler gerettet, die sich in den vergangenen 15 Jahren im Moor engagiert haben.

Und das wissen die Schüler, die ein Jahr lang in verschiedenen Aktionen viel über das Moor lernen. „Ich wusste vorher nicht, dass es hier ein Moor gibt“, sagt Jakob Reiter. Er habe in dem Jahr der Patenschaft viel gelernt. „Das ist eine positive Sache“, findet er. Es sei ein gutes Gefühl etwas Gutes getan zu haben.

Die Idee zur Patenschaft hatte der ehemalige Lehrer Fritz Heesemann. Der Nabu hatte zuvor versucht, die Entkusselung allein zu bewerkstelligen. Versuche, die Arbeit mit Pferden oder Raupen zu erleichtern und effektiver zu gestalten, scheiterten. Erst die Hilfe der Schüler brachte den gewünschten Erfolg. Der damalige Nabu-Vorsitzende, Jürgen Röper, und der stellvertretende Schulleiter, Fred Baltrusch, unterschrieben einen Vertrag. Als Gegenleistung sagte der Nabu der Schule Hilfe zu. Unter anderem entstand das grüne Klassenzimmer mit einem naturverbundenen Garten. Im Laufe eines Jahres wirken etwa 30 Nabu-Mitglieder an der Entkusselungsaktion mit. Dazu gehört ein Kennenlerntag im Moor und Veranstaltungen, die als Dank gelten. Nach Heesemann übernahm Klaus-Dieter Lüken die Organisation seitens der Schule. Aktuell hat Köhring den Hut auf.

Die Patenschaft hat schon viel Aufsehen und Anerkennung in ganz Deutschland erhalten. Auch im niedersächsischen Landtag wurde darüber gesprochen, bestätigt der CDU-Landtagsabgeordnete Axel Miesner. Einige Preise hat die Kooperation ebenfalls eingeheimst. Erst kürzlich wurde sie durch die Umweltlotterie Bingo ausgezeichnet. Mit der Lina kommt nun einer weiterer Preis dazu. Für Wonneberger ist es bisher der bedeutendste Preis. Geld gab es dafür keins. Nur einen Gutschein für den Nabu-Shop. Den teilen sich die Umweltschützer mit der Schule. Ideell sei die Medaille laut Wonneberger aber am höchsten einzustufen.

Einen Tag mit Spaß und vielen Infos haben die Siebtklässler schon erlebt. Sie wissen, worum es geht. Am 22. und 23. Januar werden sie mit Astscheren und Sägen ins Moor ziehen und Birken und Kiefern zu Leibe rücken. Jakob Reiter hat für sie einen Rat: „Warm anziehen und Gummistiefel mitnehmen.“


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Leserkommentare
onkelhenry am 19.10.2019 18:12
74 Jahre SPD!

Nirgendwo ist die Kluft zwischen arm und reich größer.
Schlechte Wirtschaft, schlechte Bildung ... von vielen ...
peteris am 19.10.2019 17:47
Das Affentheater geht also in die nächste Runde. ...